Magdeburg l Seit dem 23. Januar 2018 – also seit genau einem Jahr – leben die Schimpansen Kofi und Bangolo im Zoo Magdeburg. Die Halbbrüder kamen aus dem Zoo Leipzig an die Elbe und sollen hier für Nachwuchs sorgen.

Der Neuzugang wurde anfangs nicht von allen der acht alteingesessenen Artgenossen im Affenhaus freundlich begrüßt. Insbesondere Rädelsführerin Sambala fand die zwei neuen Männer in ihrer Schimpansen-WG gar nicht gut. In den ersten Wochen drückte sie Bangolo sogar ein blaues Auge auf. Die Folge: Die Schimpansen wurden wieder getrennt und erst nach und nach über Monate hinweg vereint. Wie es den Schimpansen heute geht, berichtet Zoochef Dr. Kai Perret im Gespräch.

Herr Perret, der 7. Januar 2019 war Tag X. Seitdem leben alle Schimpansen, und damit auch die streitsüchtige Sambala, gemeinsam in einem Raum. Wie läuft’s?
Dr. Kai Perret:
Es ist schon erstaunlich. Sambala und Mufasa haben wir vor zwei Wochen zu den anderen gelassen. Und seitdem passiert – nichts.

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Damit haben Sie offenbar nicht gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Wir haben eher mit einer Palastrevolution gerechnet. Damit, dass Sambala wieder alle aufmischt. Doch bis auf ein bisschen Geschrei, das durchaus typisch bei Affen ist, gab es überhaupt keinen Zoff. Schimpansen sind ja die Choleriker unter den Tieren.

Also ist alles prima?
Na ja, da sind wir uns nicht so sicher. Es kann auch die Ruhe vor dem Sturm sein und jeden Moment wieder umschlagen. Uns überrascht diese Harmonie sehr.

Die Affenbande im Zoo Magdeburg

Hatten Sambala und die neuen Brüder bis zur Zusammenführung gar keinen Kontakt?
Nicht direkt. Aber natürlich konnten sie sich durch die Gitter hören, sehen und auch riechen.

Warum sollte Sambala plötzlich wieder ausflippen?
Sambala ist die Tochter unseres verstorbenen Rädelsführers Karlchen. Ihre Mutter war Yola. Mit ihr und den meisten anderen Schimpansen kam sie aus Münster zu uns. Den Status hat sie geerbt und war damit lange Zeit heimliche Chefin im Magdeburger Affenhaus. Als die beiden Brüder Kofi und Bangolo bei uns einzogen, schloss sie sich mit den anderen drei Weibchen zusammen und gab den zwei Neuen erst mal ordentlich Zunder. Deshalb haben wir auch jetzt wieder mit Streit gerechnet. Sambala war quasi unsere letzte Feuerprobe bei der Vereinigung.

Wie hat Sambala jetzt bei der Zusammenführung auf Kofi und Bangolo reagiert?
Sie kam rein und hat sich überraschenderweise sofort den Männchen angeboten, also ein eher unterwürfiges Verhalten gezeigt. Sie hält Blickkontakt und ist nicht mehr auf Krawall gebürstet. Aber das wird wohl kein Dauerzustand bleiben.

Ist Sambala vielleicht frustriert?
Das ist reine Interpretationssache. Wir wissen es nicht.

Bekommt Sambala jetzt Gegenwind von den anderen oder ist sie weiterhin die Chefin?
Sie verhält sich neutral. Aber es ist schon ein sehr spannendes Unterfangen zu sehen, welche Koalitionen sich in der Zwischenzeit gebildet haben könnten.

Die Weibchen haben früher ein Verhütungsimplantat bekommen. Damit sollte ja mittlerweile Schluss sein. Welche Auswirkungen hat das Absetzen der „Affenpille“?
Noch ist der Zyklus bei den Weibchen nicht angesprungen. Das heißt, sie sind geschlechtsneutral und duften noch anders. Doch spätestens wenn der Zyklus in Gang kommt, werden die Karten im Haus wieder neu gemischt. Auch dann kann es zu Streit kommen.

Ist denn schon zu erkennen, wer der neue Chef im Affenhaus wird – ob Kofi oder Bangolo?
Nein, da hat sich noch nichts herauskristallisiert.

Könnte denn auch einer der älteren Männer den Chefposten streitig machen?
Theoretisch ja, aber das ist eher unwahrscheinlich. Die anderen Männchen sind allesamt Kastrate und werden damit nicht mehr sexuell aktiv. Das heißt aber nicht, dass sich nicht einer von ihnen doch daran erinnert, dass er ein Mann ist.

Welche Traumkonstellation schwebt Ihnen bei der Zucht der Schimpansen vor?
Keine. Unsere Schimpansen sind alle sozial kompetent. Nur bei Nana könnte es Probleme geben, weil sie keine Verwandten im Zoo hat. Wir wissen nicht, ob sie ein Jungtier allein großziehen kann. Eine Handaufzucht wäre nicht ideal, auch wenn wir sie natürlich übernehmen würden.

Im Moment ist es draußen sehr frisch. Können Besucher die Schimpansen trotzdem draußen erleben?
Nein. Das ist zu kalt und zu riskant. Denn in der Findungsphase kann es durchaus passieren, dass ein Schimpanse rausgetrieben und nicht mehr reingelassen wird. Dann versperren ihm die anderen den Weg. Das wäre bei dem Wetter wirklich nicht angenehm.

Wie wird den Schimpansen der Alltag im Haus versüßt?
Unsere Pfleger verstreuen das Futter überall im Haus. Da haben die Tiere genug Beschäftigung, sich ihre Schwarzwurzeln und Äpfel zusammenzusuchen.

Und was ist nachts? Verkriecht sich da jeder Schimpanse in seine eigene Ecke?
Meistens kuscheln sie sich in unterschiedlichen Konstellationen und mit Decken zusammen und liegen auf der Empore. Dort haben wir auch eine Fußbodenheizung. Und da liegen sie auch tagsüber gern.