Schönebeck l So richtig glücklich ist Georg Plenikowski nicht. Als der Präsident des Industriemuseums Schönebeck (Imuset) die Volksstimme zu einem Rundgang auf der aktuellen Baustelle des Museums von Gerüst zu Gerüst in jede Etage führt, wird deutlich, was er meint: Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz ist eine ziemliche Herausforderung – für Georg Plenikowski. Der erste Mann des Industriemuseums war es jahrelang gewöhnt, als Geschäftsführer Entscheidungen zu treffen. Bei der Grundsanierung des alten Gebäudes in der Ernst-Thälmann-Straße hat er nun gleichwertige Partner gefunden. Er muss mit den Experten des Denkmalschutzes nicht nur eine, sondern viele Meinungsübereinstimmungen finden.

Während der Putz auf drei Seiten des Gebäudes bereits abgeschlagen ist (auf der vierten Seite befindet sich aus früheren Zeiten eine Verkleidung), bleiben die angedeuteten Säulen und die alten Sandsteine nahezu unangetastet. Sie sind durch die Umwelteinflüsse der verschiedenen Epochen mit einer dünnen Dreckkruste überzogen. Georg Plenikowski zeigt, wie einfach sich diese Schicht mit dem Fingernagel vom Stein lösen lässt. Dennoch durfte kein Sandstrahl auf den historischen Stein treffen, genehmigt war lediglich ein sogenanntes Schonstrahlverfahren. „Es gab Bedenken, dass sich durch den Sandstrahl die Struktur des Steines und damit des gesamtes Gebäudes verändert. Aber das Schon- strahlverfahren ist leider nicht so effektiv“, erklärt der Imuset-Präsident.

Versuch der vernünftigen Sanierung

Beim Rundgang um das Haus fällt deshalb auf, dass manche Steine nach der Reinigung ihre wohl ursprüngliche Farbe wiedererlangt haben, manche sind aber schwarz geblieben: von den geschichtlichen Einflüssen des Krieges, der Luftverschmutzung zu DDR-Zeiten, dem Bahnunglück vor mehr als 20 Jahren ... Georg Plenikowski will trotzdem nicht aufgeben: Er und seiner Mitstreiter halten nach wie vor an einer vernünftigen Sanierung der großen Industriehalle fest.

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Einen Schritt weiter ist man bereits auf einer kleinen Fläche auf der südwestlichen Seite des Hauses. Dort wurden auf einer „Teststelle“ sechs verschiedene Steinlasuren aufgetragen. „Das muss man wirklich probieren, weil jeder Stein und jede Lasur anders reagieren“, so Plenikowski. Er hat bereits einen Favoriten gefunden, der den Stein versiegelt, aber die ursprüngliche Farbe weiter durchscheinen lässt.

In diesen Tagen nun ist Halbzeit der Notsanierung Teil 2. Besucher, die das Gelände des Museum betreten, können sich derzeit gar nicht vorstellen, dass das Imuset geöffnet ist. Überall stehen Gerüste, von oben hängen Schutznetze. Am Wohnhaus des ehemaligen Betriebsingenieurs sind sechs Fenster ausgebaut, die derzeit in einer Fachwerkstatt aufgearbeitet und zum Teil neu nachgebaut werden müssen.

Kosten: Rund 400.000 Euro

Wegen des heißen Sommers sind die Baufirmen rund drei Wochen in Verzug geraten. Lange musste darauf gewartet werden, dass die Außenwände wieder verputzt werden konnten. „Starke Sonne und hohe Temperaturen sind nun mal nicht gut“, so Georg Plenikowski. Dennoch rechnet er damit, dass die Baustelle im November keine Baustelle mehr sein wird und die Arbeiten beendet sein werden. Dann werden erneut rund 400.000 Euro verbaut sein – Geld, das aus einem Fördertopf des Landesbauministeriums kommt.

Nach dem zweiten folgt im nächsten Jahr der dritten Schritt, so die Planungen. Dann wollen sich die Imusetler an das nächste Projekt machen: die Sanierung der alten Villa.

Trotz der laufenden Bauarbeiten hat das Industriemuseum noch bis Ende Oktober geöffnet: sonnabends und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr.