Rätzlingen/Berlin l  Der zertifizierte Galloway-Züchter im ökologischen Nebenerwerb sieht für die dort geforderte Agrarwende eine reale Chance, die nicht kurzfristig umsetzbar, aber durchaus schon deutlich erkennbar ist. Die Mühe, gute acht Stunden mit dem Traktor nach Berlin zu kutschieren, die hat sich gleich in mehrfacher Weise gelohnt, resümiert der Rätzlinger Rinderzüchter im Nebenerwerb Jörg Lauenroth-Mago. Er ist beruflich Gewerkschafter und gehört dem Stadtrat der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen als Bündnis 90/Die Grünen-Mitglied an.

Viele Familien mit dabei

Gemeinsam mit drei weiteren Mitstreitern aus der heimischen Region hatte er sich als Multiplikator für das bäuerliche Aktionsbündnis „Wir haben die Schnauze voll“ am Freitag auf den Weg zum Start der Internationen Grünen Woche in die Bundeshauptstadt aufgemacht (Volksstimme berichtete).

Der Rätzlinger Galloway-Züchter, der seine Nutztiere nach ökologischen und sogenannten Tierwohlkriterien entsprechend zertifizierten Vorgaben aufzieht, war bereits mehrmals als Demonstrant für Landwirtschaft im bäuerlichen Sinne auf Demonstrationen, zum zweiten Mal allerdings mit eigenem Traktor. Aufgefallen ist ihm im Verlauf der Proteste, dass diesmal wiederum unterschiedlichste Organisationen aus dem Umwelt- und Landwirtschaftssektor, insbesondere aber viele Familien und überhaupt junge Menschen zu den Demonstrationen gekommen waren. Lauenroth-Mago sieht gerade durch die Teilnahme der jüngeren Generationen einen Beginn für ein Umdenken beim Umweltschutz in Verbindung mit dem Schutz von Flora und Fauna. Der Tierschutz, so sein Fazit nach zahlreichen Gesprächen mit Demonstrationsteilnehmern, hat deutlich an Gewicht gewonnen.

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Die Agrarwende hinzubekommen, sei eine äußerst anspruchsvolle politische wie gesellschaftliche Aufgabe, das sei in Berlin deutlich geworden. „Eine Umsetzung, so aus dem politischen Handgelenk heraus, ist nicht machbar, doch die Politik muss die Vorreiterrolle dabei übernehmen“, ist Lauenroth-Mago überzeugt.

Politik muss Bauern begleiten

„Die Probleme sind nicht neu. Die Herausforderungen für alle landwirtschaftlichen Betriebe wachsen, deren Anzahl wird geringer, die industrielle Landwirtschaft nimmt hingegen zu. Hier muss die Politik die Bauern spürbar und wirksam begleiten, damit der Landwirt und seine Familie von der Hände Arbeit überleben können“, sieht Lauenroth-Mago eine Agrarwende für den Erhalt und ein Wachstum von bäuerlicher Landwirtschaft im Einklang mit der Natur.

Eine Auffassung, die er am Freitag der Landesministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Claudia Dalbert, in Rätzlingen bei der Abfahrt des Treckerkorsos und auch der Bündnis 90/Die Grünen-Landtagsabgeordneten Dorothea Frederking beim Treffen auf der Berlin-Demo mit auf den Weg gab. Ähnlich sehen dies auch Landwirte aus Salzwedel, aus Stendal und dem niedersächsischen Wendland, die er während der beiden Demo-Tage in Berlin sprach.

Immer wieder hat er dort Menschen angetroffen, die sich für ein Umdenken bei den Themen Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherverhalten einsetzten. Dieses Ansinnen hat nach Auffassung von Lauenroth-Mago dann auch am Wochenende in Berlin zu den neuen Vorschlägen mit Zusagen von der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Svenja Schulze, und der Bundesministerin für Ernährung und Umwelt, Julia Klöckner, geführt.

„Landwirtschaft zu betreiben, in welcher Form auch immer, ist in der heutigen Zeit stets eine Herausforderung. Doch die industrielle Landwirtschaft führt in eine Sackgasse“, meint Lauenroth-Mago. Das gesunde Augenmaß, vielfältige Bewirtschaftung, ein deutliches Plus an Lebensräumen für Insekten, wilden Gräsern, Hecken und auch für den Betrieb vertretbare, nicht bewirtschaftete Flächen schaffen einen ökologischen Mehrwert, der sich vielfältig bezahlt macht, befindet der Rätzlinger.

Im Drömling sich der Anfänge erwehren

In der Drömlingsregion sind derartige strukturelle Situationen sicherlich nicht an der Tagesordnung. Dennoch gilt es, sich der Anfänge zu erwehren, meint Lauenroth-Mago. Als einen Multiplikator sieht er dabei die Biosphärenreservatsverwaltung an. Die wird, so die Zusage von dort, eigens eine Mitarbeiterstelle vorhalten, die sich um die Belange der Landwirte und landwirtschaftlichen Betriebe kümmern wird.