Oebisfelde l Die Entstehung dieser Ausstellung über den Künstler Adoph von Harbou im Oebisfelder Atelier eins der in Bösdorf lebenden Künstlerin Angelika Flaig ist dem Zufall geschuldet, wie mittlerweile auch eine aussagekräftige Recherche durch Steffen Wetterling vom Heimatverein durch zahlreiche Zufälle entstehen konnte. Der Auftakt dieser Anreihungen von Zufällen aber passierte unbewusst dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Ulrich Pettke. Der interessierte sich seinerzeit für ein von Hand gearbeitetes Eichhörnchen, dass aus einem Abrisshaus in Oebisfelde gerettet werden konnte. Bei einem Gespräch übereignete die Tochter des verstorbenen Hausbesitzers dem Heimatverein nicht nur das Eichhörnchen, sondern auch eine Mappe mit Bildern und Zeichnungen, die Pettke jedoch in einer Schublade eines Tisches der historischen Schulausstellung ablegte.

Familie mit Facetten

Aus dem Blick, aus dem Sinn. Erst vor kurzer Zeit wurde die Mappe wiederentdeckt und Wetterling begann dem Inhalt auf die Spur zu gehen, weil es Hinweise gab, dass diese Bilder und Zeichnungen eben von dem Künstler Adolph von Harbou stammten. Harbou, der 1879 geboren wurde und 1939 starb, kam aus einer deutschen Familie mit facettenreicher Historie in Wehrmacht, Kunst, Film und Gesellschaft. Er war während der Nazi-Herrschaft mit einer Jüdin verheiratet, so dass angenommen werden kann, dass seine Kunst als entartet angesehen wurde, fand Wetterling heraus.

Thea von Harbou wurde eine der bekanntesten Schriftstellerinnen des späten Kaiserreiches und der Weimarer Republik. Sie begann ihre Arbeit beim Film als Drehbuchautorin, unter anderem auch für Fritz Lang, den sie 1922 heiratete. Ihre erfolgreichsten Drehbücher waren Dr. Mabuse, der Spieler, Nibelungen und Metropolis.

Bodo von Harbou war ab 1939 im Oberst-Rang im Generalstab in Belgien eingesetzt, gehört dem sogenannten Kreisauer Kreis und somit dem erweiterten Kreis um Oberst Graf von Stauffenberg an, der das Attentat in der Wolfsschanze auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 verübte. Harbou nahm sich bereits im Dezember 1943 das Leben, vermutlich um nicht nach einer mutmaßlichen Intrige unter NS-Haftbedingungen zum Verräter zu werden.

Zurück zur Mappe: Steffen Wetterling fragte bei der Freien Universität Berlin und dem Kunstmuseum Wolfsburg um Unterstützung an, was aber aus unterschiedlichen Gründen nicht von Erfolg gekrönt war. Erst nach einem Besuch beim Kunstmuseum in Magdeburg erhielt Wetterling das Signal, dass es sich nicht um Krempel, sondern um Kunst, und zwar tatsächlich die von Adolph von Harbou handeln müsse.

Vernissage am 8. Dezember

Der Kontakt zur Künstlerin Flaig, Malerin und Graferin aus Kornwestheim, die nunmehr in Bösdorf beheimatet ist und zu den in der Bundesrepublik anerkannten Kunstschaffenden zählt, entstand durch Wetterlings Ehefrau Steffi. Nach Betrachtung des Mappeninhalts kam Flaig zur Auffassung, dass die Bilder und Zeichnungen von möglicherweise bedeutendem künstlerischen Wert sein könnten. Die Kennerin von Malerei, Druck und Projektion kommt für sich zu dem Ergebnis, dass die eindeutig von Hand gefertigten Arbeiten die Vorstufen von veröffentlichten oder auch von nichtveröffentlichen Großformaten sein könnten. „Diese Art der Annäherung an Bilder im Endformat durch Miniaturbilder war zu Zeiten von Harbou üblich“, weiß Flaig. Hinweise auf die Bedeutung von Adolph von Harbou liegen Flaig und dem Heimatverein auch durch eine Verkaufsbroschüre aus Anlass einer Auktion in Paris vor. Dort wurden aus dem Aktionsangebot ebenso Malereien von Marc Chagall, Radierungen von Pablo Picasso und Werke von Hans Arp, einem deutsch-französischen Schaffenden aus der Gruppe „Der blaue Reiter“, versteigert.

Eigens für die Vernissage am Freitag, 8. Dezember, und für die Ausstellungstage 9. und 10. sowie 16. und 17. Dezember wird das Atelier am Marktplatz jeweils von 11 bis 18 Uhr das Aussehen der goldenen 20er und 30er Jahre erhalten, kündigen der Heimatverein und Angelika Flaig an. Die Künstlerin wird dem Publikum dabei den Weg von der Idee zum fertigen Kunstwerk und Techniken näherbringen.