Oebisfelde l Die lokale Wirtschaft geht wegen der restriktiven amtlichen Maßnahmen in die Knie. Jetzt hoffen Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, dass das Kurzarbeitergeld und finanzielle Betriebsförderungen, wie von der Bundesregierung in Aussicht gestellt, tatsächlich unbürokratisch gezahlt werden. „Wenn VW oder BMW husten, dann haben wir in unserem Unternehmen die Grippe“, bringt Unternehmer Thomas Brüsch die derzeitige Situation von SLM-Kunststofftechnik auf den Punkt. Tatsächlich hat BMW die Produktion für vier Wochen und die Volkswagen AG für vorerst vierzehn Tage gestoppt. Als Zulieferbetrieb für beide Konzerne bedeutet dies, dass SLM in etwa bis zu 200 Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken wird – und zwar noch diese Woche. Brüsch erwartet in dieser nicht nur für SLM harten Wirtschaftszeit, dass die Zusagen der Bundesregierung als Gesamtpaket schnell und unbürokratisch real werden. „Wenn diese Krise nicht umgehend umsichtig und umfassend finanziell abgefedert wird, rauscht die gesamte Wirtschaft schneller als erwartet in eine globale Rezession“, meint Brüsch.

Schnelle Hilfen vom Land und Staat erwartet

Nicht nur SLM trifft Corona hart. Als eine 100-prozentige Breitseite bezeichnet der Geschäftsführer von „ME Event-Technik“, Mathias Wiezorek, die Auswirkungen auf sein Unternehmen und die gesamte Branche. Allein für die kommenden zwei Monate rechnet er mit finanziellen Einbußen im deutlich sechsstelligen Bereich. „Es ist eben alles weggebrochen. Meine Mitarbeiter muss ich in Kurzarbeit schicken. Während ich immer noch auf nennenswerte Beträge für Dienstleistungen warte, laufen beispielsweise Leasing-Verträge weiter. Die habe ich zu bedienen, egal ob Corona oder nicht“, beschreibt Wiezorek die aktuelle Situation. Nicht anders ergeht es dem zweiten Oebisfelder Event-Ausstatter, Peter Schmidt. Auch dort liegen die Nerven blank, auch dort sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Und auch das Reisebüro Damm sowie die Nähstube Jacksch im Einkaufszentrum Magdeburger Straße mussten ab Mittwoch bis auf Weiteres schließen. Allerdings bleiben die beiden Geschäfte telefonisch erreichbar, so die Auskunft.

Nur wenige Geschäfte noch offen

Geschlossen für den Kundenverkehr hat beispielsweise auch das Uhren- und Schmuckgeschäft von Dietmar Grabow in der Oebisfelder Altstadt. Allerdings können Reparaturen an der Nebentür oder per Anruf beauftragt werden, informiert Grabow. Komplett überrascht von der Ladenschließung des Einzelhandels wurde Dao Thi Khangh von „MM Mai-Moden“. Das Geschäft war bislang eine Einkaufsmöglichkeit besonders für die ältere Generation. Nur noch wenige Geschäfte haben in der Altstadt geöffnet, so wie beispielsweise die Buchhandlung Hoffmann, das Burg-Café, das Hotel am Markt oder der Schnellimbiss.

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Geschlossen hat ebenso das Möbelhaus Remus in der Bahnhofstraße. Jedoch können und gehen auch die Mitarbeiter der Tischlerei unter dem gleichen Firmendach weiterhin ihrer Arbeit nach. Ebenso verhält es sich in den anderen Geschäften des Handwerks: Dort hat der Verkauf durchgängig bis auf Weiteres geschlossen, die Dienstleistungen werden jedoch aufrechterhalten.

Die Stadtverwaltung hat bereits zwei Mitarbeiterinnen in Oebisfelde mit Kontrollen beauftragt, die die jeweiligen Schließungen der Geschäfte des Einzelhandels überprüfen und darüber, wenn gewünscht, Auskunft erteilten.