Oebisfelde l Das durchgängige Loch für die Zeitung im Torpfeiler, der im rustikalen Stil gemauerte Brunnen auf dem Gehöft, die frei stehende Sitzecke, all das hat die Rentnerin Ulla Sandner selbst angebracht, gemauert und gebaut. „Selbst ist die Frau“, heißt der Leitspruch der agilen Seniorin. Ihr handwerkliches Rüstzeug hat sie bereits in Kindertagen auf dem elterlichen Bauernhof, dort wo sie heute noch immer lebt, mitbekommen. „Mithelfen, anpacken, für einander da sein, das habe ich von meinen Eltern auf dem Weg ins Erwachsenenalter mit auf den Weg bekommen. Dafür wuchs ich behütet auf“, blickt Ulla Sandner weit in die Vergangenheit zurück.

Familie und Freunde bedacht

Ihr Tatendrang ist bis heute ungebrochen. Das bekommen im absolut positiven Sinne ihre verheiratete Tochter Tessa, die auf dem Oebisfelder Anwesen geblieben ist, ihr in Weddendorf in Familie lebender Sohn Tino und die Oebisfelder Gruppe der Vertriebenen immer wieder zu spüren.

Jedes Jahr zu den Feiertagen Ostern und Weihnachten wird Ulla Sandner immer wieder besonders emsig. Auch in diesem Jahr vor Ostern verspürte sie diese besondere Unruhe. Sie überlegte eine kurze Zeit, bis bei ihr der zündende Gedanke für österliche Überraschungen aufkam. Sie begann kleine Präsentkörbe mit selbstgebastelten Handarbeiten, selbstgebackenem Topfkuchen und so manch andere süße Überraschung als Ostergeschenk zusammenzustellen. Knapp 30 dieser Präsentkörbe mussten bestückt werden. Als so gut wie alle Körbchen mit Schleifchen und Osterhasen verziert waren, war die Corona-Krise mit all den unschönen Einschränkungen präsent.

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Osterkörbe mit Fahrrad ausgeliefert

„Da war bei mir erst einmal guter Rat teuer“, erinnerte sich Ulla Sandner. „Der monatliche Treff im Gasthaus an der Aller fiel aus, die Mitglieder der Vertriebenengruppe zählen alle zur Corona-Risikogruppe, na ich ja auch. Und nun saß ich da, mit all meinen Präsenten“, erzählte sie Freitag mit einem spitzbübischen Lächeln. Ulla Sandner löste das Verteilerproblem nämlich auf ihre ganz persönliche Art und Weise.

Obwohl mehrere Touren für das unkonventionelle Vorhaben notwendig waren, schnappte sie sich ihr Fahrrad, verstaute jedes Mal vorsichtig mehrere Körbchen und radelte in Richtung der jeweiligen Empfänger. Auf diese Weise schaffte sie bislang 15 von insgesamt 30 Osterkörbchen zu verteilen. Eine, die besonders viel Freunde darüber empfand, war die Vorsitzende der Vertriebenengruppe, Ruth Teuber. Sie konnte ihre Freude über die besondere Geste in besonders schweren Zeiten kaum in Worte fassen. Meinte dann aber auch: „Ja, so ist sie, unsere Ulla!“ Die beiden Frauen verbindet eine jahrzehntelange Freundschaft. Als Ulla Sandner noch im Oebisfelder Pfarramt arbeitete und sich die Vertriebenengruppe noch im evangelischen Gemeindehaus traf, seitdem gehört „Ulla“ dazu.

Durch ihre berufstätige Tochter angeregt, tüftelte sich Ulla Sandner jetzt eine andere praxisnahe Idee aus. Weil es dort im Baumarkt so gut wie keine Atemschutzmasken gab, besorgte sich Mutter Ulla eine Vorlage, Stoff und Gummibänder, nähte solche Masken. Weil solcher Schutz aus Stoff schnell durch Atemluft durchfeuchtet und den Nutzen nicht mehr erfüllt, griff die Oebisfelderin zum unkonventionellen Mittel. Im Innenteil der Mundschutze nähte sie Slipeinlagen ein. „Und das funktioniert prima“, führte sie im Selbsttest vor. Mittlerweile ist eine kleine, nicht abreißende Nachfrage entstanden – doch jetzt werden die Gummibänder knapp.

In der lokalen Serie „Taffe Frauen“ wurden bislang 2019 Bettina Klinnert aus Rätzlingen im Juli, Susanne Sass aus Bösdorf im August, Susanne Gätzschmann aus Oebisfelde im Oktober, Sigrun Klose aus Oebisfelde im Dezember, dann Anika Gerchel aus Detmerode im Januar 2020, Natalie Harms aus Oebisfelde im Februar und Marktfrau Kordula Dahm aus Kakerbeck im März vorgestellt.

Sollten Sie ebenfalls eine solche taffe Frau kennen, melden Sie sich doch bitte telefonisch unter 039002/98 48 98, oder senden Sie auch gern eine E-Mail an: info.volksstimme@vsoebisfelde.com