Rätzlingen/Berlin l Den Startschuss zur Protesttour in Rätzlingen gab Landesministerin Claudia Dalbert (Bündnis90/Die Grünen), verantwortlich für Umwelt, Landwirtschaft und Energie. Dass ausgerechnet die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie eigens für den symbolischen Startschuss ins Börde-Dorf Rätzlingen anreist und die Tour gute 20 Kilometer auf dem Notsitz eines Treckers begleitet, hatte durchaus triftige Gründe, wie sie selbst erläuterte. Eingeladen war Dalbert von dem zertifizierten Galloway-Züchter und Biohof-Betreiber Jörg Lauenroth-Mago aus Rätzlingen. Er ist zudem als Bündnis 90/Die Grünen-Mandatsträger Mitglied des Stadtrates Oebisfelde-Weferlingen.

Ministerin Dalbert wie auch die um 9 Uhr aufbrechenden Demo-Teilnehmer sprechen sich für ein breit aufgestelltes Bündnis von Landwirtschaft, Naturschutz und zukunftsfähiger Marktwirtschaft aus. „Wir müssen diese Wende hinbekommen“, so die Aussage der Ministerin, nicht nur am Freitag in Rätzlingen. „Ich finde es durchaus nachvollziehbar, dass unsere Landwirte demonstrieren. Die Bauern wollen ja eine ordentliche Landwirtschaft machen. Nur, die muss natürlich so bezahlt werden, dass davon zu leben ist. Das ist im Augenblick das zentrale Problem“, argumentiert die Ministerin für eine Agrarwende. Wichtig dafür wäre die Neuausrichtung aller Beteiligten, so dass die Wende nachhaltig, umweltschonend und in vielfältiger Breite wirkt.

Kein Gießkannenprinzip mehr

Bio-Landwirt Lauenroth-Mago sieht die Chance für die Agrarwende durch mehr bäuerlich und ökologisch strukturierte Höfe und Betriebe. „Dort mit Fördergeldern zu unterstützen, bringt ein deutliches Plus an Mehrwert. Die bisherige Verfahrensweise, Fördergelder mit der Gießkanne zu verteilen, hat zur Folge, dass dieses Geld in aller Regel nur bei den großen Betrieben ankommt, die überwiegend industrielle Landwirtschaft betreiben.“

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Wie Lauenroth-Mago spricht sich auch Jochen Dettmer, er betreibt einen Hof mit besonders tiergerechter Haltung in Belsdorf, für ein Plus an Mischbetrieben, die Ackerwirtschaft und Viehwirtschaft betreiben, aus.

Mit zur Verabschiedung der Demo-Teilnehmer war auch die Öko-Bäuerin Martina Herzog-Witten aus Trippigleben nach Rätzlingen gekommen. Als Wegzehrung überreichte sie der Ministerin eine Tüte mit Walnüssen aus der Altmark. Mit dem Anlassen der Traktoren verabschiedete sich dann auch die Polizei, die als Begleiter eine Zeit lang mit dabei gewesen wären, jedoch bei nur vier Traktoren anderweitig ihren Dienst versahen.

Während der zirka achtstündigen Anfahrt nach Berlin wuchs der Treckerkorso aber weiter an. In Berlin werden die vier Bauernvertreter aus der Börde für mehr nachhaltige Landwirtschaft demonstrieren. Weil „die Situation für die Landwirte immer schwieriger wird, die rechtlichen Bedingungen immer schärfer werden und die Verbraucher immer höhere Ansprüche stellen“, wie Ministerin Dalbert die aktuelle Situation von Landwirtschaft und Gesellschaft beurteilt.