Oebisfelde l Haben  die Witterung und die Nahrungsbedingungen weiterhin Bestand, dann hält Storchenvater Wolfgang Sender sogar ein Rekordjahr für möglich. Nach den Einschätzungen von Wolfgang Sender, er ist Mitarbeiter der Naturparkverwaltung Drömling in Oebisfelde, ist die Rückkehr der Störche aus den spanischen und afrikanischen Winterquartieren auf ihrem Höhepunkt. Er geht nach seinen Beobachtungen davon aus, dass zirka 70 Prozent der Nester bereits besetzt sind. „Mittlerweile sind 35 Brutpaare mit der Nestpflege, Paarung und vielleicht sogar schon mit dem Brüten beschäftigt“, so Sender. Beobachtet hat er zudem sieben einzelne Störche, die möglicherweise erst seit kurzer Zeit in den Drömling zurückgekehrt sind.

Die Tiere sehen in der Masse alle gut im Gefieder und im Erscheinungsbild aus. Das lässt für den Experten Sender auf einen stressfreien Flug aus den südlichen Gefilden schließen. Auch die frühen Hoch-Wetterlagen haben sicherlich dazu beigetragen, dass die Großvögel viele Aufwinde nutzen konnten. Bei solchen tragenden Windverhältnissen können die Störche leichter die Flughöhen halten und sparen wichtige Energiereserven.

Störche sind Allesfresser

Nahrung existiert im Drömling in dieser frühen Frühjahrszeit noch nicht im Überfluss. Doch Störche sind Allesfresser. Es wurde sogar Kannibalismus beobachtet, wenn die Jungen sich zu schwach entwickelten. Doch für die Zugvögel sind Entbehrungen nichts Unbekanntes. Für den Eigenbedarf reicht das Nahrungsangebot derzeit aber völlig aus, erklärt Sender. Ob Regenwürmer, Käfer, Schnecken oder Larven, alles verschwindet im markanten roten Schnabel. Sind die Jungen ausgebrütet und geschlüpft, erhöht sich der Nahrungsbedarf drastisch, und zwar für die Altvögel aufgrund der Nahrungsbeschaffung und für den Nachwuchs, dem nur wenige Wochen bis zum Abflug bleiben, um dafür kräftig genug heranzuwachsen.

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Im Storchendorf Buchhorst sind bislang vier von zehn möglichen Horsten belegt. Auch in Orten den Dannefeld, Mieste, Jahrstedt, Kunrau, Jeseritz, Breiteiche, Rätzlingen, Etingen, Wegenstedt, Mannhausen und in Taterberg sowie in Bleuenhorst, Hopfenhorst und Sauergrund sind die Horste nach den Informationen von Sender mit Storchenpaaren schon besetzt.

Nicht so treu wie angenommen

Es gibt auch einen Storch mit besonderer Herkunft. Es ist ein Adebar aus Schweden, der nach Elsebeck bei Calvörde zurückgekehrt ist. Er ist von einem Aussiedlungsprojekt in Schweden vor einigen Jahren auf dem Rückflug von Afrika nach Skandinavien in Deutschland heimisch geworden, weiß Sender. Dieser Weißstorch ist ein Vagabund. Im Jahre 2017 besetzte er einen Horst in Ziepel bei Gardelegen, vergangenes Jahr ließ er sich in Estedt blicken. Vielleicht wird er ja nun in Elsebeck „sesshaft“. Aber wissen könne man das nie, meint Sender in Anbetracht der Tatsache, dass Störche auch so treu gar nicht sind, wie allgemein angenommen werde.

Was dieses Storchenjahr im Endergebnis bringen wird, das hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die aktuellen Bedingungen sind jedoch vielversprechend.

101 Jungstörche im Drömling

Im Vorjahr wurden insgesamt 101 Jungstörche im Drömling in den Horsten ausgebrütet. Nicht immer verlief die Aufzucht der Jungen problemlos. Die menschliche Hilfe war vonnöten, rettete so Jungstörchen das Überleben.

Vielleicht gelingt es den Altstörchen in diesem Brutjahr einen neuen Rekord aufzustellen – allerdings ist dies allein von menschlicher Bedeutung. Die meisten Jungstörche wurden im Jahr 2004 ausgebrütet: 117 Tiere im Daunenkleid. Ein Rekord wäre 2018 auch möglich gewesen, aber gleich mehrmals musste Sender tote Jungvögel registrieren. Auf Rekordniveau bewegte sich hingegen die Anzahl der Brutpaare. Exakt jeweils 50 männliche und weibliche Weißstörche bezogen im Drömling Horste, um für Nachwuchs zu sorgen.