Oebisfelde l Die gesamten Zerstörungen in Oebisfelde zusammengenommen kosten der Kommune nicht nur die derzeit veranschlagten 23.000 Euro für die Sanierung des Bahnhoftunnels, es summieren sich viele tausende Euro durch Vandalismus aus den Vorjahren. Geld, das der Stadtverwaltung an allen Enden fehlt – auch für Jugendarbeit, nimmt der Vorsitzende des Heimatvereins, Ulrich Pettke, die Folgen solchen zerstörerischen Handels ins Visier. „Der Heimatverein investiert seit über zwei Jahrzehnten in die Verschönerung und Verbesserung des Umfeldes der Stadt. Alle Investitionen werden dabei durch Mitgliedsbeiträge und dank der Unterstützung von Sponsoren finanziert und im Verlauf von Tausenden von ehrenamtlichen Arbeitsstunden in die Tat umgesetzt. Dafür erhalten die die Frauen und Männer nicht einen Euro. Das machen unsere Helfer nicht für sich, sondern für alle Oebisfelder und ihre Besucher“, will Pettke diese Leistungen insbesondere betont wissen. Mittlerweile ist es den Vereinsmitgliedern aber kaum noch zu vermitteln, dass sie immer wieder die Schäden beseitigen müssen und erheblich Summen aus der Vereinskasse immer wieder für die Beseitigung der mutwilligen Beschädigungen und Zerstörungen verwendet werden. Pettke beziffert diese Summe mit Tausende von Euro.

Freizeitgestaltung bedarf einer Bleibe

„Die Jugendlichen, die danach wieder alles beschmieren und zerstören, können doch nicht im Ernst auf unser Verständnis und Nachsicht hoffen. Wie würden sie es empfinden, wenn da jemand kommt und ihr Fahrrad zerstört oder in die Aller wirft?“, zieht der Vereinsvorsitzende diesen Vergleich heran.

Auch für den Vorstand des Heimatvereins steht außer Frage, dass es wünschenswert wäre, wenn die Jugendlichen in Oebisfelde eine Bleibe für ihre Freizeitgestaltung hätten. In einigen Dörfern funktioniert das sogar in Eigenregie. Eine Selbstgestaltung, so Pettke, die nur funktioniert, wenn die Jugendlichen die Werte auch achten und sie entsprechend erhalten.

Fehlende Räumlichkeiten legitimieren mitnichten Vandalismus. Mutwillige Zerstörung ist kein Kavaliersdelikt, sondern reicht juristisch von einer Sachbeschädigung bis hin zu einer schweren Straftat, meint Pettke. Er: „Wir haben als Kinder auch ab und an Unfug gemacht, aber nichts zerstört. Und unsere Eltern, die in der Kriegszeit und danach aufwuchsen, hatten nicht einen Bruchteil von dem, war die Jugend heute für ihre Freizeitgestaltung zur Verfügung hat.“

Der Vorsitzende des Heimatvereins sieht in der Darstellung des anonymen Verfassers eines Schreibens an Bürgermeister Hans-Werner Kraul (Volksstimme berichtete) doch Aufklärungsbedarf: Der anonyme Schreiber sieht das Dämmchen als Ausweichort für die Jugendlichen. Das ist richtig und soll auch so sein. Aber dann darf aus seiner Sicht auch nichts zerstört werden und der Aufenthaltsort muss ordentlich hinterlassen werden. Dann hat auch niemand etwas dagegen.

Einseitigen Forderungen fehlen Grundlage

Der unbekannte Jugendliche schreibt zudem, „dass die Jugendlichen mit Respekt behandelt werden wollen und ihnen Verständnis entgegengebracht werden möge. Dass man ihnen zuhören und sich für ihre Probleme Zeit nehmen möge. Sie einen Platz haben möchten, an dem sie willkommen sind. Sie wünschen sich zudem einen ordentlichen Ton und kein aggressives Verhalten und sie sollen nicht als Problem angesehen werden“. Das ist nach Auffassung von Pettke „schon eine ganz schöne Latte an Vorstellungen und Wünschen, die gewiss auch eine Berechtigung haben könnte, wenn es der Normalfall wäre, der es aber eben nicht ist“.

Pettkes Gegenargumente: „Respekt haben darf man nicht vor Jugendlichen haben, die seit Jahren im Bahnhofstunnel die Beleuchtung zerstören, den Tunnel verunreinigen, ihn mit Glasscherben bestücken, die Behälter auf den Bahnsteigen aus der Verankerung reißen und die Treppe herunterwerfen. Die Gebäude beschmieren, Fenster einschmeißen, in die Gebäude einsteigen und dort Feuer legen. Seit Jahren beschmieren sie die Objekte auf dem Dämmchen, zerkratzen und zerstören die Objekte. Und zudem werden dort Bänke, Tische und Abfallbehälter beschmiert, zerschlagen und in die Aller werfen. Dort, wo sie sich treffen, belibt der Müll liegen, landet nicht in die bereitstehenden Behälter.“

„Wundert es denn, dass dieser kleine Teil der Jugendlichen nicht gern gesehen wird? Es ist kein Platz für Randalierer“, stellt der Vorsitzende des Heimatvereins klipp und klar fest.

Bessere Informationen über Vereine und Organisationen möchte der anonyme Schreiber haben. Dazu rät Pettke, dass die Jugendlichen in Ermangelung von Informationen zu den Sportvereinen oder dem Jugendtreff hingehen mögen. „Eigeninitiative ist hier mal gefragt“, so seine Empfehlung. Der Vereinsvorsitzende ist der Auffassung, dass es angesichts des derzeitigen Vandalismus zu viel zu viel verlangt ist, den Jugendlichen, die hier im Ort oder auch anderswo randalieren, mit Verständnis zu begegnen, „zumal denen die Normen des normalen menschlichen Umgangs abhandengekommen scheinen“.

Ausführliches Schreiben an Ministerien

Im Zusammenhang mit dem eskalierenden Vandalismus in Oebisfelde hat sich der Oebisfelder Heimatverein an das Innen- und das Justizministerium von Sachsen-Anhalt gewandt. In dem Schreiben wird auf die zahlreichen Anschläge innerhalb der Stadt, deren Ausmaß an Schäden und anfallenden Kosten sowie die fehlende Polizeipräsenz vor Ort hingewiesen. Auch wird auf die nach Ansicht des Vereins unzureichende Kontrolle der markanten lokalen Schwerpunkte sowie mangelhafte Strafverfolgung eingegangen. Als grundlegend falsch wird auch die Schließung des Außenpostens der Polizei in Oebisfelde angesehen.