Oebisfelde l Oebisfelder Vor- und Konfirmanden sowie Erwachsene begleiteten die Stammpilgerer drei Tage lang, luden dann zum Rasten und Miteinander in ihrer Heimatstadt ein. „Unglaublich, was vor 30 Jahren in unserem Land geschehen ist. Beeindruckend, faszinierend und damals total unvorstellbar, einem Wunder ähnlich“, drückt Gemeindepädagogin Susanne Gätzschmann von der evangelischen Kirchengemeinde Oebisfelde ihre Sicht auf die deutsch-deutsche Wiedervereinigung aus.

Sie lässt aber auch nicht unerwähnt, dass viele Menschen im Osten wie Westen dieses historische Ereignis nicht mehr in ihrem Erinnerungsschatz beherbergen. Gätzschmann: „Die Mauer zwischen Ost- und West-Berlin fiel, damit öffnete sich der sogenannte Eiserne Vorhang zwischen den strategischen Supermächten USA und der damaligen UdSSR. Seit diesem 9. November ist viel Gutes gewachsen, aber auch manches misslungen und es gibt noch einiges zu tun.“

Susanne Gätzschmann gehörte zu einer ganzen Reihe Oebisfeldern, die an der überkonfessionellen Pilgertour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze teilgenommen hatten. Seit vergangenen Donnerstag begleiteten sie den Stamm der Pilgerer von Wendischbrome bis Oebisfelde, der von Lübeck aus aufgebrochen war, um am 9. November in Wernigerode auf die zweite Pilgerschaft zu stoßen. Die war parallel am 3. Oktober im bayerischen Hof gestartet. Symbolisch werden beide Gruppen jeweils vom Licht einer Kerze geleitet.

Menschen unterschiedlicher Generationen pilgern so den ehemaligen Todesstreifen entlang, um diese Geschichte nachzuempfinden. An den jeweiligen Etappenzielorten danken diese Gruppen für das Wunder der Freiheit. Die Aktion gehört zu dem nationalen Projekt „3. Oktober Gott sei Dank – 30 Jahre Wunder der Freiheit und Einheit“. Akteur ist ein Netzwerk aus Kirche, Politik und Gesellschaft, das helfen möchte, den Tag der Deutschen Einheit in allen Orten und Städten der gesamten Republik mit Dankfesten zu feiern.

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Ausgangpunkt

Mit dabei waren von Donnerstag, ab dem niedersächsischen Wendischbrome bis nach Oebisfelde als Sonnabend-Ziel, eine Schar Oebisfelder Vor- und Konfirmanden, Pfarrer Wolfgang Schwarzer, Gemeindepädagogin Gätzschmann und Betreuerin Birte Groneberg. Für sie stellte dieses Mitpilgern schon ein Stück weit ein Abenteuer dar, auf das sie sich aber gern eingelassen hatten. Den Ausgangspunkt der Pilgertour erreichten die Oebisfelder noch mit Shuttlefahrzeugen, dann ging es aber ausschließlich auf Schusters Rappen gemeinsam weiter mit der aus allen Teilen Deutschlands kommenden Pilgergruppe.

Nach einer Übernachtung im Bromer Gemeindehaus wanderte der Tross am Freitag nach Parsau, übernachtete dort im Gemeindehaus und marschierte entlang der oft nur noch zu erahnenden Grenze nach Oebisfelde. Körperlich war die Tour durchaus eine Anstrengung für die über 40 Teilnehmer. Hinzu kamen immer wieder einsetzende Regenschauer und eine unangenehme Herbstkühle.

Inhaltlich begleitet wurde die Pilgergruppe an diesem Wochenende von „Familie live“, einer Organisation aus Süddeutschland, die sich für die Tour thematisch passend spannende und kreative Stationen, speziell für Kinder und Jugendliche, überlegt hatte.

Die Tagestour am Sonnabend von Parsau über Rühen nach Oebisfelde zog sich dann doch in die Länge. Erst am späten Nachmittag erreichte die Pilgergruppe das Ziel Oebisfelde. Bei einem Begegnungsabend zwischen Einwohnern und Pilgergruppe kam es dann zu Gesprächen über jene Zeiten, als die Allerstadt ein Sperrgebiet war. Hinzu kam für Oebisfelde, dass der Güterbahnhof ein Knotenpunkt für den grenzüberschreitenden Frachtverkehr auf der Schiene zwischen Ost und West war.

Der Begegnungsabend erhielt seine geschmackvolle Eröffnung durch ein reichhaltiges Büfett, das von Mitgliedern des Gemeindekirchenrates Oebisfelde und Helfern zubereitet worden war. Ein Familiengottesdienst schloss sich dann um 19.30 Uhr an. Nach einer Übernachtung in Oebisfelder Privatquartieren brachen die Pilgerer am Sonntag in Richtung Lockstedt und Weferlingen auf.