Oebisfelde/Weferlingen l Der Fachmann, der diese Aussagen gegenüber der Volksstimme trifft, ist der Geschäftsführer des Unterhaltungsverbands Aller mit Sitz in Weferlingen, Andreas Löbe. Der Diplom-Ingenieur hat an dem Hochwasserschutzkonzept des Landesbetriebs Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt mitgewirkt.

Von Berichten seiner Oma über Aller-Hochwasser in den 1930er Jahren weiß Löbe, welche großflächigen Ausmaße eine Hochwasserlage durch die Allerfluten eintreten können. "Da kann einem heutzutage schon Angst und Bange um weite Teile von bebauten Gebieten in Oebisfelde werden. Doch es existiert ein Damm, der wirkungsvoll schützen könnte", argumentiert der Fachmann.

Der von Löbe angesprochene Damm bestand nach seiner Kenntnis schon vor DDR-Zeiten auf einer Länge von rund einem Kilometer. Doch wie es so häufig passiert, wenn eben nichts passiert, was die Verantwortlichen und die Öffentlichkeit aufrüttelt, gerät eine Sache in Vergessenheit. So auch diese Hochwasserschutzeinrichtung, mutmaßt Löbe.

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Einstufungen

Was allerdings bis heute beim Landesbetrieb Hochwasserschutz manifestiert ist, ist die Einstufung der Aller als Flusslauf mit hohem Hochwasser-Gefährdungspotenzial nach der Bemessungseinheit des 100-jährigen Hochwasserindexes, so Löbe. Und das hat auch Auswirkungen auf die Nutzung von Grund und Boden für Bauvorhaben für private wie wirtschaftliche Zwecke sowie für die Einstufung einer Gebäudesubstanz zu Versicherungszwecken, heißt es vom Geschäftsführer. "Wichtig wäre solch eine Verbesserung der Gefährdungseinstufung in der Überschwemmungsgebietsverordnung des Landesbetriebs in Verbindung mit dem in Kürze zu erwartenden Planfeststellungsverfahren des Landesamtes im Sinne der Stadtentwicklung von Oebisfelde", sieht Löbe entsprechenden Handlungsbedarf.

Einen Vorstoß zur Ertüchtigung des seit langem mit Pappeln bewachsenen Erdwalls hat es von Löbe bereits zur Amtszeit der ehemaligen Bürgermeisterin Silke Wolf, jetzt aktuelles Linken-Kreistagsmitglied, gegeben. Doch die Planung verschwand offensichtlich in den Schubladen des Oebisfelder Rathauses, vermutet Löbe.

Dabei wäre die Ertüchtigung der aktuell als unqualifiziert geltenden zu einer qualifizierten Schutzeinrichtung vom arbeitstechnischen wie finanziellen Aufwand in den Relationen gesehen eher gering. Löbe erläutert: "Von der technischen Seite aus liegt erschöpfendes Kartenmaterial beim Landesbetrieb Hochwasserschutz vor. Auch ich verfüge über sämtlich notwendiges Kartenwerk, das verlässlich die Überschwemmungsregionen erfasst. Die baulich notwendigen Maßnahmen sind ebenso überschaubar. Der Damm müsste von nicht standfesten Pappeln befreit und der Wall ertüchtigt werden. Zudem müsste der Damm-Baukörper im Verhältnis Eindrittel zu Zweidrittel verbreitert werden, was durch die Verlegung eines alten Kolonnenweges auf die Dammkrone erreicht werden könnte", so Löbe. Notwendig wäre in diesem Zuge auch eine Sanierung der Wehranlage im Grüngürtel des Dämmchens in Richtung Kreisstra- ße 21/Büstedter Brücke. Inwieweit dort der Flusslauf durch ein aktives Wehr oder durch andere Maßnahmen reguliert werden müsste, benötigt einer offiziellen Betrachtung, sieht Löbe gemeinsames Vorgehen als Mittel der Wahl.

Den finanziellen Aufwand für die gesamte Ertüchtigung des Hochwasserschutzes schätzt Löbe auf eine sechsstellige Summe im mittleren Bereich. Pluspunkt: Es existiert ein Förderprogramm für den kommunalen Hochwasserschutz, dass einen 80-prozentigen Zuschuss zum 20-prozentigen Eigenanteil sichern würde. "Ein Verhältnis, das sich für den Hochwasserschutz rechnet", meint Andreas Löbe.