Oebisfelde l An den Deutschen Bundestag, Zieladresse Manfred Behrens, CDU-Mitglied des Bundestages (MdB) mit dem Wahlkreis Börde-Jerichower Land, hat Felix Hoth seinen Brandbrief adressiert. Sein Unmut liest sich in Teilen so: „Schon früh haben die Klassen die unterschiedlichen Probleme digitalisierten Arbeitens an unserer Schule erleben müssen. Unter anderem das Problem eines fehlenden Internets.“ Die Lehrkräfte müssten ihren eigenen privaten WLAN-Account benutzen, um beispielsweise Lernplattformen wie die ,emuCloud‘ erklären zu können. Der Zehntklässler erinnert an das Versprechen der Bundesregierung, fünf Milliarden Euro für den im März 2019 beschlossenen Digitalpakt bereitzustellen. In Oebisfelde wird das erst im Schuljahr 2022/23 zur Realität heranreifen, kritisiert Felix Hoth in seinem Brandbrief.

Annalena Keller, Mitschülerin aus der 10 a, schreibt ebenfalls an MdB Behrens: „In einer drastischen Situation, wie zurzeit, hoffen Schulen darauf, dass sie auf eine digitale Infrastruktur zugreifen können, um den Schülern Homeschooling zu ermöglichen. Lehrer und Schüler der Drömlingschule nutzen ihr eigenes Internet/Datenvolumen, um im Unterricht mitarbeiten zu können, da es in unserer Schule keinen WLAN-Zugang gibt, auf den wir zugreifen können.“

Unterricht per Computer nicht möglich

Schulsprecher Jonas Köhler hat seinen Brandbrief an den Landkreis Börde gerichtet. Er kritisiert anhand eines Vergleichs: „Stellen Sie sich vor, Sie hätten an Ihrer Arbeitsstätte zirka 250 Mitarbeiter. Davon können allerdings nur ungefähr 18 digital arbeiten, da auch nur so viele Geräte vorhanden sind. Außerdem kommt erschwerend hinzu, dass, wenn alle 18 Personen gleichzeitig ihren digitalen Arbeitsplatz nutzen, im Prinzip keiner so richtig arbeiten kann, da die Internetkapazität schlicht und ergreifend nicht ausreicht.“

Drei Beispiele mit ein und derselben Schlussfolgerung: An der Drömlingschule ist kein digitaler Unterricht möglich.

Das Verfassen der Brandbriefe entstand durch die Folgen der Corona-Pandemie. Gemeinsam mit Deutschlehrerin Jana Dörschmann wurden die Standards für solch ein Schreiben erarbeitet, es wurde recherchiert, und letztendlich formulierte jeder Schüler der Klassen 10 a und b seinen Brandbrief, erläuterte Schulleiterin Kerstin Grimm-Neubauer die Entstehungsgeschichte.

Recherchiert wurde gründlich, wie der Auszug aus dem Brandbrief von Silas Nowak zeigt: „Eine Anfrage der Schulleitung an den Landkreis Börde im Herbst 2020 ergab, dass die digitalen Voraussetzungen unserer Schule nur unzureichend sind. Unsere Schule ist für eine digitale Ertüchtigung im Rahmen des Digitalpakts erst 2023 vorgesehen ist. 28 Schulen im Landkreis, wir stehen auf Rang 17. Das bedeutet weiterhin, dass es bis dahin keinerlei Investitionen in diese Richtung geben wird.“

Was die digitalen Möglichkeiten an der Drömlingschule angehen – und das in Pandemie-Zeiten – besteht tatsächlich ein erheblicher Ertüchtigungsbedarf, wie ein Faktencheck der Schulleitung belegt. Nicht zuletzt, aber umso wichtiger anzumerken ist dabei, dass die Umsetzung des Lehrinhaltes „Bildung in der digitalen Welt“, in der Erprobung für alle Fächer befindlich, nicht möglich ist.

Passwort wird nicht herausgegeben

Was einer Einrichtung, die auf dem Weg zu einer modernen Gemeinschaftsschule ist, nicht gut zu Gesicht steht, sind gleich mehrere Makel: Es existiert pro Klassenzimmer nur eine LAN-Verbindung, nicht alle davon sind aktiviert. Es gibt lediglich einen Zugriffspunkt und nur eine Steuerungsbox. In der Schule stehen nur zwei mobile und moderne Beamer zur Verfügung. Es existiert ein Computerkabinett mit derzeit 24 PC-Plätzen. Diese Rechner stammen allerdings aus dem Jahr 2015. Der größte Hemmschuh allerdings ist das Versagen der Herausgabe eines WLAN-Passwortes durch den Landkreis. Die IT-Sicherheit hat da Vorrang, lautet die Begründung. Somit kann Homeschooling für Lehrkräfte und Schüler nur mit privaten Geräten von zu Hause aus erfolgen.