Oebisfelde l Er kommt oft haufenweise Hundekot auf unliebsame Weise viel zu nahe. Jörg Kunau pflegt beruflich öffentliche Grünanlagen und Wege. Im Privatleben besitzen Hunde für Jörg Kunau einen hohen Stellenwert. Selbst hält der Oebisfelder sich einen Rauhaardackel namens Thilo. Und der weiß, was er an seinem Herrchen hat – sozusagen ein eingespieltes Duo. Das gilt auch beim Gassigehen. An der Leine begleitet Thilo seinen Besitzer treu und brav, stoppt des Öfteren, um Gerüchen auf die Spur zu kommen, und markiert, wenn er meint, markieren zu müssen. Zerrt Thilo an der Leine, will länger als gewöhnlich, noch dazu unruhig, an einem Ort verweilen, wobei er auch durchaus zu Herrchen hinaufschaut, weiß Jörg Kunau: „Jetzt ist es gleich so weit“. Egal wo, Thilo muss jetzt und macht es.

Haufen zu entsorgen, ist Pflicht

Allerdings hat Hundebesitzer Kunau in weiser Voraussicht immer gleich mehrere Einweg-Abfallbeutel in einer Hosentasche parat. Das Aufnehmen von Hundekot löst auch bei ihm wahrlich keine Begeisterungsstürme aus, doch über die Notdurft seines Hundes hinwegschauen und das Häufchen liegen lassen, das kommt für ihn nicht in Frage. „Das gehört mit zur Verantwortung für ein Haustier, das man sich zugelegt hat. Außerdem existieren im Stadtbereich mehrere Abfallbehälter für die Tüten. Und an diesen Hundetoiletten erhält man auch gleich wieder neue Einwegbeutel“, sieht Kunau diese Art der Entsorgung als selbstverständlich an.

Doch Kunau hat auch immer wieder andere Bekanntschaften mit Hinterlassenschaften von Hunden erlebt. Nicht selten treibt es ihm die Zornesröte ins Gesicht, wenn ihm ein markanter Geruch von einem seiner Schuhe aus in die Nase steigt. Und das passiert ihm in den allermeisten Fällen während der Arbeitszeit.

Jörg Kunau pflegt als Angestellter öffentliche Wege und Grünanlagen. „Auf den Wegen entdecke ich schon die allermeisten Haufen von Hunden, deren Besitzer sich einen feuchten Kehricht um die Hinterlassenschaften ihrer tierischen Lieblinge kümmern. Ebenso gleichgültig drüber hinwegschauen, das würde bedeuten, sich mit diesen Umweltfrevlern auf eine Stufe zu stellen. Das wäre übel. Da entsorge ich dann die Haufen, wie es sich gehört“, erläutert Jörg Kunau das Problem.

Es kommt aber durchaus vor, dass solche Hinterlassenschaften auf Grünflächen liegen bleiben, die nur wenige Stunden oder auch Tage später von Kunau gepflegt werden müssen. Im satten Grün und auf größeren Flächen sind die Haufen oft gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen, berichtet Kunau.

Viele machen sich keine Gedanken

Und dann passiert es: „Erst trittst du mitten rein, wenig später fliegt es dir um die Ohren“. Kunau meint den Schritt in solche Hundehaufen, die auf Oebisfelder Grünflächen überall zu finden sind. Endgültig sind die Grünanlagenpflegekräfte bedient, wenn sie mit dem Rasenkantenschneider oder Motormäher unterwegs sind und das Mähwerk schreddert die Hinterlassenschaften in alle Himmelsrichtungen und auch bis ins Gesicht hinauf. „Viele Hundebesitzer machen sich keine Gedanken“, bedauert Kunau solch ein beschämendes Verhalten von Hundebesitzern – ohne dabei alle über einen Kamm scheren zu wollen.

Stadt mit der Beweispflicht im Nachteil

„Selbst wenn solch ein Hundehalter erwischt wird, steht die Stadtverwaltung in der Beweispflicht. Und da sind wir als Stadt in aller Regel klar im Nachteil“, weiß Ordnungsamtsleiter Detlef Meyer von der Stadtverwaltung. Zeugen, die bereit sind, das Gesehene zu bestätigen, finden sich so gut wie nie. Solche Vergehen zu fotografieren und als Beweismittel zu verwenden, scheitert in aller Regel an juristischen Hürden.

Zudem werden derartige Erleichterungen nicht nach dem Bedürfnis des Hundes, sondern nach dem Beobachtungsvermögen des Raumes durch den Hundebesitzer bestimmt, sieht Meyer kaum Möglichkeiten, solche Übeltäter tatsächlich zu ertappen.

Selbstverständlich geht die Stadtverwaltung solchen mit Verwarngeld zu ahnenden Verstößen nach, betont der Ordnungsamtsleiter. Eine deutliche Unterstützung bei derartiger Gleichgültigkeit könnte jedoch durch Zivilcourage von Bürgern ausgelöst werden. Würden Hundehalter angesprochen, die Notdurft ihrer geliebten Vierbeiner ordnungsgemäß zu entfernen, kämen die grundsätzlich nicht drumherum, die Haufen in Hundetoiletten zu entsorgen. Wer will sich schon nachsagen lassen, Naherholungsorte durch die eigene Gleichgültigkeit mit den Hinterlassenschaften seines Hundes zu verschandeln, hinterfragt der Ordnungsamtsleiter.