Volksstimme: Herr Kraul, der neue Stadtrat muss mit einem oder einer neuen Vorsitzenden besetzt werden. Wie sieht Ihre optimale Besetzung aus?

Kraul: Zunächst einige Worte zu dem bisherigen Vorsitzenden Thomas May. Thomas May hat aus meiner Sicht das Gremium souverän, moderat und zielführend geleitet. Vielleicht hätte er ab und an etwas restriktiver moderieren sollen. Was mir an ihm sehr gefallen hat, war sein sachliches wie unparteiiches Auftreten, insbesondere nach seinem Wechsel zur CDU-Fraktion. Für dieses Amt wünsche ich mir zukünftig eine Person, die Leitungskraft und Führungskompetenz aufweist, dabei Meinungen zusammenführt, aber den Konflikt um einer Sache willen nicht scheut. Es handelt sich eben um eine Führungsperson, von deren Sitzungsstil vieles abhängen kann.

Welche kurzfristigen Anstrengungen erachten Sie für den Stadtrat als notwendig?

Nun ja, wichtig wäre, den eingeschlagenen Zeitplan auch für die künftigen Haushalte beizubehalten. Dafür ist es aber zwingend, dass verlässliche Vorbereitungen für Vorhaben durch die Ortschaftsräte, Fachausschüsse im Zusammenwirken mit der Verwaltung und in Absprache mit den Fraktionen bis zum Beschluss Bestand haben. Das kommunalpolitische Grundregelwerk ist dafür aussagekräftig. Es darf nicht so kommen, dass der, der am lautesten klagt, andere dringliche Vorhaben zum Kippen bringt. Wir sind eine Einheitsgemeinde, dazu haben wir uns damals bekannt. Das war Bürgerwille.

Herr Bürgermeister, die Gruppe „Wir für Oebisfelde“ ist in den Stadtrat neu eingezogen, will insbesondere die Interessen der Stadt Oebisfelde stärken. Wird dadurch die politische Einheitsgemeinde gesplittet?

Die Zeit wird es zeigen. Ich denke, dass es nicht dazu kommen wird. Ich frage mich allerdings, wo die Stadt Oebisfelde in den zurückliegenden Jahren benachteiligt wurde, woraus Weferlingen deshalb einen Vorteil gewinnen konnte? Eindeutig ist doch, dass Oebisfelde den Verwaltungssitz weiterhin inne haben wird, dass die Wirtschaft, die Lebensqualität für die Bevölkerung auf Augenhöhe in der Fläche entwickeln wird. Das funktioniert nur partnerschaftlich zwischen Nord und Süd. Tatsächlich sind im neuen Stadtrat die Mehrheitsverhältnisse fraktionsübergreifend mit 21 Mandatsträgern aus dem Nordbereich zu 7 Stadtratsmitgliedern aus dem Süden aufgeteilt – also ein Verhältnis von 75 zu 25 Prozent.

In diesem Zusammenhang möchte ich nochmals auf die Feuerwehr-Risikoanalyse zu sprechen kommen. Es besteht bei Stadtrat wie Verwaltung der Konsens, dass Feuerwehren nicht aufgelöst werden, dass die Schwachstellen Schritt für Schritt abgestellt werden sollen, die gesetzlichen Vorgaben zum Schutz der öffentlichen Sicherheit aber stets oberste Priorität besitzen müssen.

Wie sehen Sie die zukünftige Mitgestaltung durch die Ortschaftsräte?

Ortschaftsräte sind geradezu verpflichtet, sich für ihre örtlichen Belange stark zu machen, auch dafür Druck auszuüben. Das sollte aber stets mit dem Blick auf die gesamte Einheitsgemeinde erfolgen. Eine glänzende Möglichkeit für mehr Einfluss wären Kandidaturen bei der Kommunalwahl gewesen.

Vielen Dank Herr Bürgermeister Kraul !