Oebisfelde l Verliebt, verlobt und seit 60 Jahren verheiratet, das hat das Jubelpaar inniglich über die Jahrzehnte geeint. Dass Günter und Margitta Juhl ein Hochzeitspaar wurden, das ist einem Zufall zu verdanken. „Vielleicht war es auch Schicksal“, meinte am gestrigen Donnerstag Ehefrau Margitta im Gespräch mit Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch, die die Glückwünsche der Stadt samt Blumen und Präsent überbrachte.

Kennengelernt hat die in Klein Oschersleben geborene und aufgewachsene Margitta ihren Günter während der Anfahrt zu einem Urlaub in einem Hotel des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). „Er war mit seinem Freund und ich mit meiner Freundin dorthin in die Sächsische Schweiz unterwegs“, erzählt sie aus ihrer Erinnerung. „Damals kamen wir Urlauber dort noch in Privatunterkünften unter. Nur zu den Mahlzeiten war das Hotel Anlaufstation. Na ja, wie das so war, wir kamen uns näher“, überlässt die damalige Frisörin die weitere Entwicklung ihrer Zweisamkeit der Phantasie ihrer Zuhörer.

Auf engstem Raum gelebt

Wieder zurück im Zuhause, verliefen die sehnlichst erwarteten Wiedersehen schon sehr beschwerlich. Günter Juhl ist ein echter Oebisfelder Jung. In seiner Heimatstadt aufgewachsen, trat er in die Fußstapfen seines Vaters, erlernte das Handwerk eines Schuhmachers. Immer wieder der große Hemmschuh: Oebisfelde lag im Grenzsperrgebiet. Es folgte eine lange Zeit der Liebe, gefolgt von der Verlobung, die von vielen Anträgen für Passierscheine begleitet wurde. Mit der Hochzeit am 20. Februar 1960 in der Kirche von Klein Oschersleben und dem Umzug der Braut nach Oebisfelde endete diese Belastung. Das Paar lebte unter einem Dach bei den Eltern von Günter – im ehemaligen Kinderzimmer.

Doch schon damals entdeckten beide, dass die Reiselust in ihren Adern mächtig pulsierte. „Wir bereisten in jungen Jahren der Ehe so gut wie den gesamten Ostblock, darunter die Krim-Halbinsel. Republikflucht war nie ein Thema. Unsere Heimat war und ist Oebisfelde. Dort kam dann auch Tochter Cornelia zur Welt“, berichtet das Paar. Die Tochter lebt heute in Kassel, die Enkeltochter in München. Beide sind berufstätig. Der Grund weshalb sie persönlich beim Jubelfest fehlten.

Auch die berufliche Neuorientierung für beide bewältigte das Ehepaar Juhl. Ehemann Günter arbeitete bis zu seinem Ruhestand 20 Jahre lang beim Zoll. Ehefrau Margitta steuerte ihren Verdienst bei, den sie als Mitarbeiterin der Deutschen Reichsbahn in Oebisfelde verdiente.

Reisen liebstes Hobby

Auch für die Juhls war die Wende ein drastischer Einschnitt in ihrem sonst so beschaulichen und geordneten Leben. Dazu gehörte das sportliche Kegeln für den Ehemann und Handarbeiten für „die bessere Hälfte im Haus“. Aber das Jubelpaar Juhl nutzte die Grenz- öffnung für ihr großes Hobby, das Reisen. Als ersten Ausflug in den Westen wurde ein Ausflug an die Nordseeküste unternommen. Es folgte eine Urlaubszeit im Schwarzwald. Ihre Lieblingsziele sind bis heute Tunesien und Teneriffa.

Den Festtag der diamantenen Hochzeit verbrachten sie zuhause. „Hier finden wir unsere Ruhe“, betonen Günter und Margitta Juhl und stießen mit der Ortsbürgermeisterin an.