1. Startseite
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Oebisfelde
  6. >
  7. Fasching: Karneval in Hörsingen: Männer und eine Flasche Bier

EIL

FaschingKarneval in Hörsingen: Männer und eine Flasche Bier

Die Herren können seit 1978 alles tanzen: Von Schwanensee bis Lord oft the Dance. Jetzt berichten die Männer, warum sie seit Jahren mit Spaß die Bühne rocken.

Von Marita Bullmann 27.01.2024, 08:49
Peter Schorlemmer (v.r., Pfaffe), Carsten Brandes (Dreivierteltakt), Paul Schulze, Ulf Schulze (Dokter), Jörg Wilke, Lutz Krüger (Scooter), Winfried Loer (Hennes) gehören zum Männerballett des Hörsinger Karnevalsvereins. Bier spielt beim Auftritt in der neuen Session eine entscheidende Rolle.
Peter Schorlemmer (v.r., Pfaffe), Carsten Brandes (Dreivierteltakt), Paul Schulze, Ulf Schulze (Dokter), Jörg Wilke, Lutz Krüger (Scooter), Winfried Loer (Hennes) gehören zum Männerballett des Hörsinger Karnevalsvereins. Bier spielt beim Auftritt in der neuen Session eine entscheidende Rolle. Foto: Marita Bullmann

Hörsingen - In diesem Jahr wird das Männerballett des Hörsinger Karnevalvereins zum ersten Mal ohne die Tänzer der ersten Stunde, also ohne Gründungsmitglieder, auf der Bühne stehen. Wolfgang Fricke hat im vergangenen Jahr noch mitgetanzt, Bernd Wilke hat schon eher aufgehört und ist zum Elferrat gewechselt. Peter Roder, der Initiator und langjährige Chef der Gruppe, hat seinen Abschied mit 70 Jahren genommen. Das Männerballett ist eines der dienstältesten der Region. 1978 standen in Hörsingen zum ersten Mal Männer auf der Bühne und tanzten zu „Geh Alte, schau mich nicht so deppert an“.

Peter Roder, genannt „Zidi“, denn im Männerballett haben fast alle Spitznamen, hatte sich damals gedacht, es könnte noch mal was Neues rein ins Programm. Und so ging es mit den sieben Mann los, mit denen er in der Kneipe am Biertisch zusammensaß. Einen haben sie dann noch dazu verpflichtet. In besten Zeiten tanzten sogar mal zwölf Männer. Und es fanden sich immer wieder neue Tänzer.

„Erst haben uns alle für verrückt erklärt“, erinnert sich Peter Roder, „aber dann gehörten wir einfach dazu“. Jetzt mit Mitte 70 ist er nur noch Zuschauer, Schlüsselwart und „Bierbeauftragter“, was heißt, er sorgt dafür, dass für die Männer genug zu trinken da ist.

Über die „Glocken von Rom“

Das Männerballett hat damals übrigens nicht nur getanzt. Wenn im Dorf Kartoffeln ausgefahren werden mussten oder andere Arbeiten zu erledigen waren, sei das Männerballett gefragt worden, erzählt Peter Roder aus DDR-Zeiten. Und auf mancher Familienfeier im Dorf mussten die Männer ihre Beine oder noch mehr zeigen. Besonders beliebt die „Glocken von Rom“, die sie mal als Zugabe vorbereitet hatten. Bei all den Mühen haben sie auch viel gemeinsam unternommen.

Fantasie, Mut und eine gehörige Portion Humor haben sie. „Spaß macht das“, versichert Wolfgang Fricke, genannt „Terry“. Nach dem Tanzstart 1978 war er ein Jahr später mit seiner Frau Marion auch noch das Prinzenpaar. Ein bisschen bedauert er den Abschied von der Bühne, „Aber mit 69 kriegt man die Beine nicht mehr so hoch.“ Und es ist schließlich kein Abschied vom Karneval.

„Es war nicht immer leicht“, denkt er zurück. Sie haben Schwanensee mit Tüllröckchen getanzt, Lord oft he Dance, Schwarzlicht. Zweimal waren sie in Salzwedel zum Ausscheid, um sich mit anderen Männerballetts zu messen, um zu sehen, was die anderen so machen. Die Vielfalt hatte es auch Bernd Wilke („Stones“) angetan: „Wir hatten sogar schon eine Schlange auf der Bühne!“

Spaß und Gemeinschaft zählen

Das Männerballett hat sich verjüngt. Jüngster in der Gruppe ist Paul Schulze. Er ist 22 und steht neben seinem Vater Ulf („Dokter“) auf der Bühne. Und er hat noch einen Freund aus Weferlingen mitgebracht. Trainiert wird das Ballett übrigens von Anni Schulze, der Vorsitzenden des Vereins, nicht verwandt und verschwägert mit den Schulzes im Ballett.

Schon recht lange dabei ist der 62-jährige Winfried Loer („Hennes“). Ihn habe man überredet, eher überrumpelt, meint Lutz Krüger („Scooter“). Da hätten ein paar Männer bei ihm vor der Tür gestanden mit einem Kostüm und gesagt „Zieh mal an“, die Taktik hat funktioniert. Er wusste erst gar nicht, was er hier sollte, erzählt Carsten Brandes aus Eschenrode. Mit Musik und tanzen hatte er nichts am Hut. Und als die Musik erklang, meinte er nur, das sei doch ein Dreivierteltakt und hatte damit seinen Spitznamen weg. Nicht eine Sekunde habe er den Schritt auf die Bühne bereut.

Zu den langjährigen Mitgliedern des Balletts zählt auch Ortsbürgermeister Peter Schorlemmer („Pfaffe“). Er geht gern zu den Proben, und dann kommen noch „„ne Pulle Bier“ dazu und „ne Schnute voll erzählen.“ Einfach Gemeinschaft. Da wird auch zusammen gegrillt oder es gibt eine Haxe aus dem Ofen. Früher hat das Männerballett gern auch Busfahrten unternommen.

Jetzt konzentrieren sich die Männer aber erstmal auf ihre neue Session und hoffen, dass alles klappt. Und wenn es mal einen Patzer gibt, verzeiht das Publikum auch das. Schließlich sind die Männer wie alle im Karneval keine Profis, sondern einfach Menschen, die selbst Freunde daran haben, anderen eine Freude zu machen und dafür unzählige Stunden ihrer Freizeit aufbringen. Na dann: „Hössig, man tau!“