Oebisfelde l Für die Stadtelternvertretung (SEV) geht die Schaffung von bedarfsgerechten Krippenplätzen für die nahe Zukunft zu langsam voran. Der Schul- und Sozialausschuss sowie die Verwaltung der Einheitsgemeinde Stadt Oebisfelde-Weferlingen sehen zwar Handlungsbedarf, wollen aber einer Sondierung des Krippenplatzbedarfs, wofür mögliche Gebäude in Wassensdorf und Breitenrode genutzt werden könnten, durch den Landkreis Börde nicht vorgreifen. So gingen der SEV-Vorsitzende Marco Sobotta, die Mitglieder des Fachausschusses sowie die Vertreter der Verwaltung am Dienstag nach der Sitzung im Oebisfelder Burgverbinder auseinander.

Wie Peter Lieske von der Stadtverwaltung in der Sitzung ausführte, steht die Entscheidung, ob die ehemalige Kindertagesstätte Wassensdorf oder die geschlossene Kita-Außenstelle Breitenrode reaktiviert werden können aus. Hier sei nach Ausführungen von Lieske derzeit einzig und allein der Landkreis in der Entscheidungspflicht. Auf Anfrage der Volksstimme besteht derzeit kein akuter Krippenplatzstau. Auch für den kommenden Januar könnte die Situation unverändert stabil bleiben. Voraussetzung ist ein rechtzeitiges und verbindliches Anmelden von Kindern für die Krippe. „Wir werden bei Regelungen im Einzelfall entsprechend reagieren und möglich machen, was möglich ist“, sagte Lieske zu.

Drei Lösungsvorschläge

Diese Auffassung des Fachausschusses entspricht so gar nicht dem Geschmack des SEV-Vorsitzenden. Anmerkung der Redaktion: Marco Sobotta ist auch Mitglied der kommunalpolitischen Gruppierung „Wir für Oebisfelde (WfO) und hat einen WfO-Sitz im Ortschaftsrat Oebisfelde. In einer Presseinformation stellt Sobotta als SEV-Vorsitzender fest, dass die Elternschaft bedauert, dass zur Krippenplatzproblematik kein weiteres Vorgehen des Trägers, also der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, erkennbar ist. Positiv wurde aufgenommen, dass der Stadtrat einen Neubau für Krippenplätze am Lehmweg beschlossen hat. Was aber bemängelt werden muss, ist, dass an einer kurzfristigen Lösung vor Fertigstellung des Neubaus nicht erkennbar gearbeitet wird.

Sobotta erinnert, dass dieses Thema bereits seit über einem Jahr akut besteht und davor auch absehbar gewesen sei (Volksstimme berichtete). „Man hätte längst evaluieren können, wie es um Kosten-Nutzen-Möglichkeiten für infrage kommende Lösungen bestellt ist. Weil ,geht nicht‘ keine Antwort auf Lösungsalternativen ist, muss es heißen ,geht nicht, weil‘. So kann dann gearbeitet und abgewogen werden“, kritisiert Sobotta. „Eine Abweisung von Eltern, die einen Krippenplatz brauchen, ist für eine familienfreundliche Stadt, die Oebisfelde sein möchte, nicht hinnehmbar“, argumentiert der SEV-Vorsitzende. Dafür führt Sobotta aus seiner Sicht drei schneller greifende Lösungsvorschläge an: Die ehemalige Kindertagesstätte Wassensdorf mit neuer Betriebserlaubnis wieder als Krippe reaktivieren. „Eine Variante, die mittlerweile von mehreren Stadtratsfraktionen in Erwägung gezogen wird, aber sechs Monate zu spät kommt“, meint Sobotta. Eine weitere Möglichkeit, mehr Krippenplätze zu schaffen, wäre, die Kapazität der Kita Etingen aufzustocken. Trotz der schwierigen Personaldecke als Kleinsteinrichtung könnte ein Aus- oder Umbau auf zwei Etagen spürbare Entlastung mit sich bringen.

Eine dritte Möglichkeit, die Sobotta ins Rennen wirft, ist der Einsatz von Tagesmüttern, die von der Stadt kostenlos einen Betreuungsraum zur Verfügung gestellt bekommen. Solch eine Tagesmutter könnte dann bis zu fünf Krippenkinder betreuen. Die Lösungen wären nach Ansicht des SEV-Vorsitzenden einer Prüfung wert. „Alles steht und fällt aber mit dem Personalbestand von pädagogischen Kräften. In dieser Hinsicht muss die Stadt als Träger der Kinderbetreuungseinrichtungen definitiv noch attraktiver werden, um die absehbaren Absagen an die Eltern zwecks Krippenplatzes zu verhindern“, fordert Sobotta ein.