Eichenprozessionsspinner

Milliardenheer soll Raupen vernichten

Das könnte der Durchbruch bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (ESP) sein: Nematoden. Ein Feldversuch dazu fand Montagabend in Buchhorst statt.

Von Harald Schulz und Jens Pickert
Feldversuche mit Nematoden gegen EPS-Raupen unternahmen der Entwickler dieses Verfahrens, Denis Ekarius, mit der eingens dafür konzepierten Apparatur am Montagabend in Buchhorst.
Feldversuche mit Nematoden gegen EPS-Raupen unternahmen der Entwickler dieses Verfahrens, Denis Ekarius, mit der eingens dafür konzepierten Apparatur am Montagabend in Buchhorst. Foto: Harald Schulz

Buchhorst - Zwei Verfahren mit einem Ziel, die aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Das seit Jahren auch in der Einheitsgemeinde eingesetzte Biozid hat den gravierenden Nachteil, dass zu Gewässern ein Mindestabstand eingehalten werden muss. Im Drömling sind sie also nur punktuell einsetzbar. So bleibt nur das manuelle Absaugen der EPS-Nester und Gespinste.

Anders verhält es sich beim Bekämpfen mit Nematoden (Fadenwürmer). Denis Ekarius und Lars Schwarz aus Rühen haben in Zusammenarbeit mit den Hochschulen Anhalt und die für angewandte Wissenschaft und Kunst Göttingen innerhalb von zwei Jahren ein praxistaugliches Verfahren entwickelt. Das ist aktuell noch doppelt so teuer, wie der Einsatz von derzeit gebräuchlichen Bioziden, aber es stellt keine Gefahren für Gewässer dar, erläuterte Ekarius am Montagabend vor dem Feldversuch in Hopfenhorst.

Nematoden reagieren empfindlich auf UV-Licht

Es gab in den zwei Jahren einige Rückschläge, bis Forscher und Entwickler herausgefunden hatte, dass die Nematoden einem empfindlichen Mechanismus unterliegen. Dann nämlich, wenn sie außerhalb des Erdreiches gelangen und gegen die EPS-Raupen ihr todbringendes Werk erfüllen sollen, berichtete Ekarius, der gemeinsam mit Henrike Wild von der Projektleitung den Feldversuch unternahm. Ihnen zur Seite standen Violetta Färber von der Hochschule Anhalt und Marcel Regel, der das Besprühen vom Traktor aus steuerte.

Weil die Ein- bis Zweizehntelmillimeter kleinen Nematoden sehr empfindlich auf UV-Licht reagieren, ohnehin im optimalen Fall eine Lebensspanne von nur zwei bis vier Stunden besitzen, ist die beste Einsatzzeit in den Abendstunden. Dann aber sind auch die EPS-Raupen vernichtend in den Eichen am Werk.

Bei dem Feldversuch wurden insgesamt eine Milliarde Nematoden in einen Tank in ein Wasser-Gel-Gemisch eingefüllt. Mit einem Druck von 5?bar – möglich sind bis zu 50?bar – wurde dann dieser hochaktive Mikrokosmos in die Eichenkronen gesprüht. Die Nematoden machen sich sofort über alles her, was sie als Nahrung verwerten können, auch vermehren sie sich direkt in ihrem Wirt. Eine unerbittliche Gruselgeschichte, die sich unmerklich vom Boden aus abspielt.?

Bislang Einsätze mit einem Biozid möglich

Zehn Stunden zuvor in Hopfenhorst: Ronny Burmeister, Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma aus Biederitz, kennt sich in der Oebisfelder Region, insbesondere im ländlichen Bereich, mittlerweile ganz gut aus. Grund: Der Bekämpfungsfachmann rückt nach 2019 und 2020 seit Montag zum dritten Mal den in Oebisfelde und seinen Ortsteilen angesiedelten Eichenprozessionsspinnern (EPS) auf die Pelle. Unterwegs war er diesmal mit seinem Kollegen Thomas Klaus.

Auf die Pelle gerückt wurde den Schädlingen, die wie vielfach informiert dem Menschen durchaus gefährlichen werden können, mit derzeit moderner Technik. Dabei fungierte Ronny Burmeister als Steuermann eines sogenannten Pick-up. Auf dessen Ladefläche ist eine Sprühkanone montiert. Abgefeuert aus dem Rohr wird ein EPS-Kampfstoff auf biologischer Basis. Für den zielgenauen Einsatz zeichnete Thomas Klaus per Fernsteuerung verantwortlich.

„Konkret geht es darum, dass sich die Raupen durch den Einsatz des Kampfstoffes nicht bis zu ihrem gefährlichen Stadium entwickeln können“, erläuterte Oebisfeldes Ordnungsamtsleiter Detlef Meyer auf dem Buchhorster Parkplatz an der Landesstraße nach Klötze. Auf dem Parkplatz wurden die dortigen Eichen unter Beschuss genommen. Gefährlich werden kann es für die Menschen, wenn die Schädlinge in den Eichen weiße Gespinste anlegen. Die müssen dann aufwendig aus den Bäumen gesaugt werden.

Am Montag waren Ronny Burmeister und Thomas Klaus allein in Buchhorst an 20 verschiedenen Eichen-Standorten im Einsatz. Mit dabei war als ortskundige Führerin auch die Buchhorsterin Heidi Grabow und auch Andreas Vogt, Leiter des kommunalen Wirtschaftshofes. Weitere Einsatzorte für die beiden Biederitzer Schädlingsbekämpfer werden unter anderem auch Breitenrode und Oebisfelde sein.

Die Sprüheinsätze mit chemischen Mittel gegen EPS-Befall von Eichen in bewohnten Bereichen wurden für die Saison vergangenen Montagmorgen bei Hopfenhorst wieder gestartet.
Die Sprüheinsätze mit chemischen Mittel gegen EPS-Befall von Eichen in bewohnten Bereichen wurden für die Saison vergangenen Montagmorgen bei Hopfenhorst wieder gestartet.
Foto: Jens-Pickert
Ultraviolettes Licht am Tag verringert die Überlebenszeit der Nematoden erheblich. Deshalb wird das Ausblasen in die Eichen meist in den Abendstunden vorgenommen.
Ultraviolettes Licht am Tag verringert die Überlebenszeit der Nematoden erheblich. Deshalb wird das Ausblasen in die Eichen meist in den Abendstunden vorgenommen.
Foto: EPS-Solve GbR