Büstedt l Nach kurzer Zeit haben sich bereits 40 Paten verbindlich bereit erklärt, insbesondere Wildbienen, aber auch der Insektenwelt großflächig Nährboden zu spendieren. Das Ehepaar Schwartzkopff betreibt das ökologisch-landwirtschaftlich ausgerichtete Gut Büstedt. Ein Anwesen, das seit jeher mit familiär-bäuerlicher Hand geführt wurde. „Landwirtschaft hatte und hat aber seit seinem Ursprung die Aufgabe, auf einem Acker Erträge zu erwirtschaften, die der Bauernfamilie dienen, den Boden aber nicht ausbeuten“, heißt es von Tilmann Schwartz- kopff, der seinen Betrieb in dieser Tradition nachhaltig bewirtschaftet.

Der Anstoß für das Blühpatenprojekt kam bereits im vergangenen Jahr: „Es war im Frühjahr, Sommer und Herbst viel stiller auf unserem Hof als in den Jahren zuvor. Wo beispielsweise sonst Schwalben dicht an dicht auf einer alten ausgedienten Stromleitung rasteten, ließen sich nur noch wenige dieser Insektenjäger nieder.“

Von wilden Immen keine Spur

„Überhaupt fehlte es an Singvögeln“, erläutert Schwartzkopff. „Vielleicht nur ein persönlicher Eindruck“, so der Landwirt, „doch die Frontscheibe meines Autos blieb im Sommer viel länger ohne Insektenreste, die während der Fahrt dort bei der Kollision mit der Scheibe haften blieben.“ Das Ehepaar versuchte, sich einen Reim darauf zu machen, wurde durch Experten in seinen Befürchtungen bestätigt: Heimische Insektenarten und auch andere Kleintiere verschwinden in ihrer Art oder sind schon fast ausgestorben.

Ehefrau Bianca sieht das Insektensterben auch vor der Haustür vieler Eigenheime mitverschuldet, deren Vor- und Ziergärten nur so vor Steinbeeten und mit Kies bestückten Wegen und Plätzen strotzen. „Das Bestreben nach steriler Schönheit nimmt immer weiter zu, was die Insektenvielfalt zusätzlich zurückdrängt“, meint die Gartenplanerin.

Was die Schwartzkopffs in der Folge bei weiteren Beobachtungen dann zudem erschreckte, war die Tatsache, dass auf den Grünflächen, in erblühenden Büschen und Blumenbeeten auf dem Büstedter Anwesen so gut wie keine Wildbienen mehr auf Nektarsuche zu beobachten waren. Das wollten und wollen sie ändern. Es reifte der Entschluss, die heimische Landschaft für die Insektenvielfalt bunter zu machen, erklärte Bianca Schwartzkopff die Geburtsstunde des Blühpatenprojekts. Es folgten Gespräche mit Landwirten aus der Region, der Oebisfelder Biosphärenreservatsverwaltung und eben mit dem Bieneninstitut in Celle, bis das Projekt auf dem Papier durchgeplant war. Ab Frühjahr 2020 soll der Praxisstart folgen. Was heißt, dass auf Ackerflächen, wo bislang Getreide, Mais und Zuckerrüben angebaut wurden, großflächig Blühflächen entstehen. Aktuell gehen die Schwartzkopffs von einer Startfläche in der Größenordnung von 3000 Quadratmetern aus, die als blühendes hochwertiges Nahrungsangebot auf einer dann ehemaligen Ackerfläche zwischen Wahrstedt und Grafhorst nahe der ehemaligen Obstplantage entstehen wird.

Paten stehen bereit

„Wir haben in unserem Betrieb Erfahrungen mit Brachflächen und Blühstreifen. Das Nahrungsangebot für Insekten ist dabei jedoch bei Weitem nicht so vielversprechend ausgewogen, wie die Qualität unserer Mischsaat für die Blühfläche“, betont der Büstedter.

„Umwelt- und Artenschutz ist nicht umsonst zu haben, das ist bekannt. Und auch wir haben in das Projekt investieren müssen, um mehr als nur kritische Worte über das Artensterben zu verlieren. Wichtig ist uns, dass das Projekt die Sinne für ökologische Vielfalt und Nachhaltigkeit in der Praxis aufzeigt, an Paten wächst und auf lange Sicht finanziell abgefedert ist“, betont Tilmann Schwartzkopff.

Bereits mit 25 Quadratmetern für 19 Euro beginnt ein Patenschaftsverhältnis. Zusätzlich besteht das Angebot, dass diese Patenschaft öffentlich auf einer Tafel an der Blühfläche und/oder auf der Internetseite platziert wird.

Weitere Infos sind bei Bianca und Tilmann Schwartzkopff telefonisch unter 05364/15 81 oder hier zu erhalten.