Oebisfelde l Emotionen pur, die bei einigen Jugendweihlingen wie Eltern Tränenfluss auslösten. Jugendliche, die schick frisiert und gekleidet wohl einen ihrer emotionalsten Momente ihres noch so jungen Seins erlebten. Und ein Festredner, der mit seinen Worten diese Momentaufnahme festhielt, aber auch mit klarem Blick den zukünftigen Weg, die damit verbundenen Chancen und Risiken, der 50 Heranwachsenden verdeutlichte. Der Oebisfelder Sven Groneberg, SPD-Stadtrat und Aktivposten beim Kulturverein Castrum, verblüffte zu Beginn mit der Aussage, dass sich durch das Lossprechen vom Kind hin zum Erwachsenen, eben der Jugendweihe, nichts ändert.
Es war für den Anlass eine ungewohnt kritische, aber der Realität denkbar nah kommende Ansprache. Vor dem Hintergrund der nachfolgenden Feiern im familiären Kreis hinterfragte Groneberg, weshalb die Jugendweihlinge eigentlich ihren geschützten Lebensraum als Kinder verlassen wollen. Groneberg: „Warum sollt Ihr ab morgen zu den Erwachsenen gehören?? Mehr Rechte oder Möglichkeiten habt Ihr doch auch nicht, oder??“ Provokant im Ton, doch gewollt zielgerichtet. Denn in der weiteren Ansprache blätterte Groneberg seine Momentaufnahme für die „großen Kinder, die noch umsorgt werden“ auseinander. Darüber hinaus schlug er den Bogen vom Schüler hin zum jungen Menschen in der zukünftigen Berufswelt oder für eine Studienzeit.
Festredner Groneberg sprach die Jugendweihlinge direkt an, sagte voraus, dass jeder „doch jeden weiteren Tag unabhängiger, eben erwachsener werden wird“. „Jedem, der hier sitzt, oder später noch bei Eruer Feier dabei sein wird, ist klar, dass Eure Erwachsenen-Phase begonnen hat. Und ich denke, jeder wird dies akzeptieren. Denn es geht nicht ohne Spuren und gegenseitige Reibungen vonstatten. Nicht mehr Mama und Papa sollen alles für Euch entscheiden. Und das werden sie in der gewohnten Breite auch nicht?!“, zeichnete Groneberg ein durchaus realistisches Zukunftsbild.
Mit Blick auf die berufliche Zukunft befand Groneberg, „dass viele Firmen motivierte und lernbereite Auszubildende suchen. Der Fachkräftemangel macht sich gerade in klassischen Lehrberufen besonders bemerkbar“. Er forderte die Jugendlichen auf, sich schon jetzt umzusehen, Möglichkeiten auszuloten und möglichst die eigenen Hobbys und Interessen dabei einfließen zulassen. Als Festredner schloss er zudem Bitten mit ein. Nämlich, „nun die Gesellschaft mitzugestalten, sich einzubringen und die Mitmenschen so, wie man es persönlich selbst von anderen erwartet, „und zwar unabhängig von Hautfarbe, Region, Aussehen oder Geschlecht zu achten“.
Der vom Organisationsteam der Interessengemeinschaft Jugendweihe Oebisfelde vorbereitete bewegende Festakt wurde musikalisch von Solistin Karo Malak begleitet. Sie trug aktuell angesagte Lieder mit jugendrelevanten Texten der Band Silbermond, von Johannes Oerding und Xavier Naidoo vor.
Die Jugendweihlinge selbst zeigten sich von ihrer besten Seite, ohne ein Mucks und sichtlich dieses Festaktes bewusst, harrten sie auf die Dinge, die da auf sie zukamen. Mit Stolz und auch mit der einen oder anderen Träne nahmen sie ihre Freisprechung samt einer Gerbera-Blüte entgegen. Symbolisch klangen dann jeweils beide Durchgänge mit dem Überreichen einer Rose als Dank an die Eltern aus. Nachdem dann auch das Gruppenfoto „im Kasten war“, bewahrheitete sich die Groneberg-Aussage: „Erst einmal ändert sich nichts.“