Oebisfelde l Das Wagnis, ein Konzert in Corona-Zeiten vor öffentlichem Publikum zu präsentieren, das traute sich der Oebisfelder Kulturverein Castrum. Wie Vorsitzender Oliver Wolf es zur Eröffnung am Sonntagnachmittag vor der maximal möglichen Kulisse von 100 Zuhörern formulierte, eine nicht leichtgefallene Entscheidung, die nur dank eines ausgefeilten Sicherheitskonzepts zu bewerkstelligen war. Und dieses Konzept mit ausreichenden Abständen, Mundschutz anlegen bis zum Sitzplatz und auch auf Wegen aus der Kirche bis hin zur Einbahnstraßen-Regelung wurde vom Publikum ausnahmslos befolgt.

Klangreise durch Romantik und Impressionismus

Für all die erforderliche Mühsal wurde das Publikum mit einem Konzertreigen an Konzertharfen entlohnt. Bevor die international erfahrene und renommierte Harfenistin Jasmin-Isabel Kühne mit einer traumhaften Leichtigkeit über die Saiten strich und Musiken aus der Romantik und dem Impressionismus vortrug, kam sie nicht umhin, sich bei Castrum und dem Publikum zu bedanken. Zuerst für den warmherzigen Empfang zum Konzertauftakt, dann für die Gelegenheit, nach achtmonatiger Pause durch den kulturellen Lockdown aufgrund der Corona-Schutzregelungen erstmals wieder öffentlich auftreten zu dürfen. Diese Corona geschuldete Ausnahmezeit hat nicht nur bei ihr an der Mentalität gezerrt. Die Kulturszene schlechthin wurde und wird immer noch von dieser Ausnahmesituation gegeißelt, bedauert Kühne.

Mit den ersten Akkorden, die Kühne ihrer Konzertharfe entlockte, waren all ihre Qualen durch Corona wie entflogen. Finger, Daumen und die Bedienung der doppelten Fußbedale folgten in professioneller Ausführung dem freien Spiel, nur ab und an durch einen kurzen Blick auf das Notenblatt zur Bestätigung unterbrochen. Mit der Darbietung von Alphonse Hasselmans „La Gondoliera“ war das Publikum von der ausströmenden Klangfülle in Moll und Dur gefesselt. Die Zuhörer lauschten Mikhail Mchedelows „Variations of a theme of Paganini“ ebenso mucksmäuschenstill wie Louis Spohrs „Fantasie für Harfe“. Ein Stück, mit dem Kühne mit perfekt wechselnden Tempi und Klangfolgen die Katharinenkirche erfüllte.

Mit dem notwendigen Lampenfieber, äußerlich nicht anzumerken, nahm Liona Wolf stets mild lächelnd die Vorschusslorbeeren für ihren Konzertauftritt von den Konzertbesuchern entgegen. Die 15-jährige Liona Wolf besaß als Oebisfelderin den Heimvorteil. Seit mittlerweile drei Jahren ist sie Schülerin bei Jasmin-Isabel Kühne in Wolfsburg.

Cohens „Hallelujah“ anrührend klingen

Das Oebisfelder Nachwuchstalent hatte bereits im Schülerensemble mit Kühne einen Konzertauftritt, dieser jedoch war ihr erster als Solistin. Gleich mit ihrem ersten Stück, Leonard Cohens „Halleluja“, bewies die junge Wolf, welches Spielvermögen sie besitzt. Sie ließ Cohens „Hallelujah“ anrührend erklingen. Um nach einem Riesenapplaus gemeinsam mit ihrer Harfenlehrerin Marcel Grandjanys „Eleanor and Marcia Duet“ durch Harfenklang leicht und beschwingt, eben wie eine junge innige Liebe, durch die Kirche schallen zu lassen.

Fast wie zwei Solistinnen, die sich parallel mit einem Stück beschäftigen, dabei aber in Harmonie und Klang als ein Klangkörper brillieren, brachten Liona Wolf und Jasmin-Isabel Kühne das verspielte und doch so anspruchsvolle Yann Tiersen-Stück „Comptine dún autre été“ zu Gehör.

In der weiteren Folge präsentierte Kühne noch Stücke von Gabriel Fauré, Claude Debussy und Ekaterina Walter-Kühne, bevor es als Dank für beide Musikerinnen einen Riesenapplaus und Blumen gab. Die große Harfenistin Kühne dankte ad hoc liebend gern mit zwei Zusatzstücken.

Angesprochen, was sie sich für die Zukunft wünsche, meinte Kühne, ein schnelles Ende von Corona-Auflagen, dann irgendwann Auftritte in der Elbphilharmonie und der Pariser Philharmonie.