Oebisfelde l  Der Absatz dieser Pyrotechnik war jedenfalls seit dem Verkaufsstart am Sonnabend in einem Einkaufsmarkt der Stadt groß. Tendenziell neigen die älteren Kunden eher zum Kauf von Raketen und sogenannten Batterien. Jüngere favorisieren schon eher die Böller. Auffällig ist jedoch, dass sich Personen, angesprochen, weshalb sie sich für ein privates Feuerwerk oder Böller entschieden haben, darüber keine Auskunft geben mochten. Silvester feiern ist wohl zu sehr Privatsphäre. Und ganz ohne Feuerwerk bleibt wohl eine Zukunftsvision von Umwelt- und Gesundheitshütern.

Eine klare Meinung vertritt der Bürgermeister der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, Hans-Werner Kraul. Er hat nach eigener Aussage noch nie Geld für Feuerwerkskörper ausgegeben. Ihm ist es aber durchaus bewusst, dass von dem Handel mit dieser Pyrotechnik viele Arbeitsplätze abhängen. Das Abbrennen von Feuerwerk und das Böllern sollte nach seiner Auffassung in Stadtteilen mit älterer Bausubstanz verboten werden. „Schlimm ist aber auch die Tatsache, dass die Riesensauerei hinterher auch beseitigt werden muss. Das bleibt dann in aller Regel die Aufgabe der Stadtreinigung.“

Böller und Alkohol brandgefährlich

Oebisfeldes Ortsbürgermeister Bogumila Jacksch kann diesem Silvesterbrauch ebenfalls nichts abgewinnen. „Viel Lärm, Rauch und funkensprühendes Spektakel, das wird eigentlich dem Anlass des Jahreswechsels nicht gerecht“, meint sie. Außerdem hält sie die Kombination von Böllern und Alkohol in mehrerlei Hinsicht für brandgefährlich.

Trotz aller Bekundungen bleibt das Geschäft mit Feuerwerkskörpern lukrativ für eine ganze Branche. Seit Jahren ruft die Kirche dazu auf, statt Böller zu kaufen besser humanitäre Hilfe zu leisten. Doch dieser Aufruf verhallt scheinbar alljährlich so gut wie unbeachtet. Marktexperten erwarten in diesem Jahr deutschlandweit einen Umsatz von 133 Millionen Euro durch den Feuerwerksverkauf.

Aus China erreichten dieses Jahr 800 Container mit Feuerwerkskörpern für den Verkauf in der gesamten Bundesrepu­blik den Jade-Weser-Port, so eine Medien-Information. Hinzu kommen nicht bezifferte Mengen an Silvester-Pyromitteln, die per Online-Handel „über den virtuellen Ladentisch gehen“ oder als illegale Mengen den Besitzer wechseln.

Ist das persönliche Gefährdungspotenzial der Nutzer bei legalem Silvester-Pyromaterial bereits deutlich erhöht, so warnen Polizei und Feuerwehr eindringlich davor, nicht für den deutschen Markt zugelassene Feuerwerkskörper zu nutzen.

Mittlerweile deutlich in den öffentlichen Vordergrund gerückt ist die gesundheitliche Gefährdung durch das Abbrennen dieser Sprengkörper. Insgesamt verursache das Silvesterfeuerwerk 2019 um die 4500 Tonnen an Feinstaub, so Experten-Schätzungen vom Bundesumweltamt. Das entspreche etwa 15,5 Prozent der Menge, die pro Jahr alle Autos in Deutschland zusammengenommen in die Luft abgeben. Immerhin noch zirka 2,25 Prozent der Menge, die jedes Jahr an Feinstaub anfällt. In Gewicht umgerechnet, ergibt dieser Prozentsatz die Menge von 200.000 Tonnen, so das Bundesumweltamt.

Trends in der Bevölkerung hin zum Verzicht auf Silvester-Pyrotechnik und bereits geltende Verbote für das Böllern in Städten und Stadtteilen haben bislang lediglich zu einem stagnierenden Kaufverhalten geführt, so ein Marktforschungsinstitut. Eine ähnliche Beobachtung wie beim Klimaschutz-Verhalten in der Bundesrepublik.