Stadtgeschichte

Statt im Museum ins Schaufenster: Besonderes Jubiläum für den Bahnhof in Oebisfelde

Von Jens Pickert
1871 wurde der Bahnhof in Betrieb genommen. Zu sehen ist das Empfangsgebäude mit der angeschlossenen Gaststätte (links).
1871 wurde der Bahnhof in Betrieb genommen. Zu sehen ist das Empfangsgebäude mit der angeschlossenen Gaststätte (links). Repro: Jens Pickert

Oebisfelde

Mit der Eröffnung des Bahnhofs im Norden Oebisfeldes und damit in der Gemarkung der benachbarten Gemeinde Kaltendorf begann ein rasanter Aufstieg des Ortes zu einer Stadt der Eisenbahner. Laut den Stadtchronisten Friedrich-Karl Sonntag und Horst Schröder verkehrten 1934 auf dem Bahnhof einschließlich Kleinbahnhof an der Salzwedeler Straße täglich im Durchschnitt 199 Züge.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war es damit aber vorbei. Oebisfelde blieb zwar eine Stadt der Eisenbahner, doch diverse Strecken in den Westen des nun geteilten Deutschlands wurden nicht mehr befahren und auch nach der Wiedervereinigung nicht wieder neu belebt. In der Wendezeit verlor Oebisfelde dann nach und nach auch den Status als Stadt der Eisenbahner. Viel ist davon nicht mehr übrig geblieben. Doch in diesem Jahr setzt aufgrund des Jubiläums 150 Jahre Bahnhof noch einmal das große Erinnern ein.

Status mehr und mehr verloren

Zu verdanken ist das vor allem den Mitgliedern des Oebisfelder Heimatvereins. Die Frauen und Männer um Vereinschef Ulrich Pettke haben in ihrem Museum nicht nur eine Sonderausstellung zum Bahnhofsjubiläum installiert, sondern präsentierten Material zum Jubiläum seit Montag teilweise, weil das Museum wegen Corona geschlossen ist, auch auf eher ungewöhnliche Weise der Öffentlichkeit: in einem Schaufenster des Kunstateliers von Angelika Flaig am Rathaus.

Dazu Ulrich Pettke: „Dass wir hier auf das Jubiläum aufmerksam machen können, haben wir nicht nur Angelika Flaig zu verdanken, sondern auch dem aus Klinze stammenden und in Haldensleben wohnenden Klaus Hirschfeld.“ Er sei seit Jahren leidenschaftlicher Sammler von Bahnpostbriefen und- Karten. Er habe den Bericht über die geplante Sonderausstellung zum Jubiläum des Bahnhofgebäudes in der Volksstimme gelesen, worauf er sich beim Heimatverein meldete. Er bot seine Unterstützung an und stellte einen Teil seiner Sammlung zur Verfügung.

Da der Heimatverein aber keine Leihgaben annimmt, einigten sie sich darauf, die Sammlerstücke einzuscannen und per Mail zu senden. Daraus entstand die Ausstellung im Schaufenster des Ateliers von Angelika Flaig. Pettke: „Der Heimatverein bedankt sich sowohl bei Klaus Hirschfeld als auch bei Angelika Flaig für die Unterstützung.“

Schild bekam einen Ehrenplatz

Der Vereinschef dankte am Montag aber auch seinem langjährigen Vereinsmitstreiter Manfred Voß. Er hatte ein historisches Bahnschild aus Gusseisen mitgebracht und erklärte selbst: „Dieses Schild stand einst von 1871 bis 1946 an der zweigleisigen Strecke von Oebisfelde nach Stendal am Schrankenposten P?131a. Der Posten befand sich im Bereich zwischen Oebisfelde und Bergfriede. Meine Mutter Hildegard Voß versah dort als Schrankenwärterin in den Kriegsjahren ihren Dienst.“ Mit dem Rückbau des zweiten Gleises im Zuge von Reparationsleistungen an die damalige Sowjetunion wurde dieses Schild von uns gesichert und hatte dann über Jahrzehnte auf unserem Hof seinen Ehrenplatz.“

Nun wird es im Museum zu sehen sein. Wann dort wieder Besichtigungen möglich sein werden, ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin unklar. „Wir sind erst einmal froh, dass wir im Schaufenster von Angelika Flaig ein wenig auf das Jubiläum des Bahnhofs aufmerksam machen können“, betonte Ulrich Pettke.

Manfred Voß rettete das Schild 1946 zusammen mit seiner Mutter vor dem Untergang. Am Montag übergab er es dem Heimatverein.
Manfred Voß rettete das Schild 1946 zusammen mit seiner Mutter vor dem Untergang. Am Montag übergab er es dem Heimatverein.
Foto: Jens Pickert