Oebisfelde/Buchhorst l Die Menschen, die sich Sonntag zu den Mahnmalen in den Orten der Einheitsgemeinde aufgemacht hatten, gehörten zumeist der älteren Generation an. Trauerredner Bernd Menzel ging in seiner Gedenkrede aus Anlass des Volkstrauertages vor Mitgliedern der Oebisfelder Ortsgruppe der Vertriebenen im Gasthaus an der Aller darauf ein. Er befand, dass die seit der Gründung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Jahre 1919 ausgegebene Losung „Vergesst die Toten nicht“ bis heute aktuelle Mahnung und Aufgabe sein muss. Er sah es als notwendig an, aus Respekt vor 17 Millionen im Ersten und 55 Millionen Opfern im Zweiten Weltkrieg der heutigen jungen Generation den Wert von Frieden zu erklären und über den Wahnwitz eines Krieges aufzuklären. Menzel sprach sich dafür aus, dass aktuell Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten in Deutschland aufgenommen werden sollten, damit sie hier Frieden finden.

Heer namenloser Opfer

Die Vorsitzende der Vertriebenengruppe, Ruth Teuber, hatte zu der Feierstunde ins Gasthaus eingeladen, da die Witterungsbedingungen gegen 14 Uhr eine längere würdevolle Feierstunde an der Gedenkstätte am Dämmchen nicht zuließen. Teuber erinnerte in Gedichtsform an die Leiden und die Gräuel der Vertreibung. Krieg, Verfolgung und Flucht hinterließen ein Heer von namenlosen Opfern, die umkamen, klagte Teuber an.

Am Vormittag mussten Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch und Abordnungen von Feuerwehr, Schützengilde, Heimatverein sowie von Chören in Oebisfelde um 10 Uhr an der zentralen Gedenkstätte am Kreisel eine minutenlange Regenfront in Würdigung der Feierstunde über sich ergehen lassen.

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Nach dem klangvollen Auftakt mit dem Drömlingslied durch den Männergesangsverein der Allerstadt erinnerte Ortsbürgermeisterin Jacksch, dass die Bürger der damaligen DDR einen Ausspruch des chinesischen Machthabers Lügen gestraft haben. Der hatte angemahnt, „dass man Krieg nur durch einen Krieg abschaffen kann“.

72 Millionen Tote

Im Zweiten Weltkrieg kamen durch die bestialische Triebfeder der Nationalsozialisten insgesamt 55 Millionen Menschen auf den Schlachtfeldern und in Konzentrationslagern um. Ein unfassbares Leid, dass zusätzlich höchste Notzeiten für alle Kriegshinterbliebenen mit sich gebracht hat, erinnerte Jacksch, um den zeitlichen Bogen zu spannen. „Weltweit werden aber immer noch Kriege geführt. Der Terror reicht mittlerweile sogar bis vor unsere Haustüren. Deshalb dürfen wir nicht müde werden, den Opfern von Krieg und Gewalt zu gedenken, für Versöhnung, Verständigung und Frieden zu werben. Deshalb ist dieser Volkstrauertrag so wichtig“, betonte Jacksch ihre Einstellung für ein demokratisches Miteinander.

Noch vor dem ersten Graupelschauer des Tages schafften es die Teilnehmer beiden Feierstunden in Buchhorst, den Opfern von Krieg und Gewalt zu gedenken. Bürgermeister Hans-Werner Kraul hielt die Gedenkrede am Mahnmal der Toten beider Weltkriege und auf der Gedenkstätte im Ort, wo KZ-Flüchtlinge ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das Oberhaupt der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen hinterfragte an den Gedenkstätten in Buchhorst, „ob es ernsthaft notwendig ist, dass bundesrepublikanische Soldaten die Freiheit und die Demokratie am Hindukusch verteidigen“. Zuvor hatte Kraul seine Rede mit dem Gedicht Kriegslied des Berliner Dichters Erich Mühsam (geboren am 6. April 1878 in Berlin und am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg umgekommen) begonnen. Der Bürgermeister erinnerte an die Folgen beider Weltkriege, insbesondere an die Umwidmung des Volkstrauertages zum Heldengedenktag durch die Nazis, aber auch an die aktuellen Krisenherde auf dem Erdglobus.

Kraul appellierte in Anbetracht der Wichtigkeit des Volkstrauertages auf allen Ebenen aufzuzeigen, dass ein friedvolles Leben miteinander möglich ist.