Buchhorst l Klaus Gerike ist fasziniert von der Leistung der Redakteure, aber vor allem von der Akribie, mit der die Schriftsetzer zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Zeitungen haben entstehen lassen. „Und vergleicht man die Werbung mit der von heute, dann sind die Unterschiede so groß auch wiederum nicht“, ist Gerike der Meinung und blättert vorsichtig einige Beispiele auf.

Diese Sammlung vom 1. Dezember 1915 bis zur Silvesterausgabe, jeweils in Tages- und Abendausgabe aufgeteilt, wurde dem Ehepaar Gerike in den 1970er Jahren zusammen mit einer illuminierten Bibel und einem historischen Weltatlas von ihrer Freundin Inge Wendler geschenkt. Die Leipziger wollte diesen Nachlass ihres plötzlich verstorbenen Mannes in gute Hände wissen. Diese guten Hände waren dann die Gerikes aus Buchhorst, die bis zum Tode des Freunds fast regelmäßig gemeinsame Urlaubstage im Naumburger Blütengrund an der Saale erlebten.

Die Ausgaben-Sammlung beginnt am Mittwoch, 1. Dezember, mit dem ganzseitigen Artikel „Italienische Waffenstürme blutig abgeschlagen“, einem „oesterrechisch-ungarischen Kriegsbericht“. Der Bezugspreis betrug damals vierteljährlich „bei allen deutschen Postanstalten 6,60 Mark des Kaiserreiches, bei Zeitungshändlern monatlich 1,70 Mark. Eine Anzeigenzeile kostete 50 Pfennige, Stellenmarktanzeigen 40 Pfennige und Textanzeigen über den Seitenstrich Strich 1,50 Mark“.

Auf dem folgenden „1. Beiblatt“ befasst sich das Tageblatt mit der Wiedereröffnung des Reichstages und dass Staatssekretär Helfferich über die Kriegsgewinn-Steuer berichtet. Unter dem Thema Zeitfragen wird als Beilage ausführlich ein der Beitrag „Hinter der Front“ abgedruckt.

Die Silvester-Ausgabe berichtet wie eigentlich täglich über die Kriegsschauplätze, diesmal unter dem Titel „Die österreichisch-ungarische Antwortnote“. Zudem wurden immer wieder vermehrt illustrierte Beilagen unter dem Titel „Kriegsbilder“ herausgegeben. Die Sammlung endet mit dem Foto des untergehenden englischen Hospitalschiffes „Anglia“, das durch eine Seemine versenkt wurde.