Oschersleben l Ist ein Gebäude von Schwamm befallen, ist bei der Bekämpfung größte Sorgfalt gefragt. Nur so könne es gelingen, dem Schwamm endgültig den Garaus zu machen. Und genauso geht die Kirchengemeinde Oschersleben an das geplante Bauvorhaben. Im August soll die erneute Schwammbekämpfung starten.

Bereits 1994 war in St. Nicolai auf der Nordseite in Richtung Taufkapelle Schwamm festgestellt und schließlich bekämpft worden. Doch 2012 musste festgestellt werden: Der Schwamm ist zurück, hat sich in Richtung Kirchenschiff so richtig rausgewachsen. Stark befallene Teile wurden entfernt. Schließlich aber wurde ein Holzgschutzgutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis war ernüchternd. Der Schwamm war weiter gewachsen. Das Gutachten zeigt die Stellen deutlich auf.

Kirchengemeinde, Gemeindekirchenrat und auch der Kirchenkreis waren sich einig, dass gehandelt werden müsse. Ein erster Fördermittelantrag zum Programm „Stadtumbau Ost“ wurde bereits 2013 gestellt, 2014 folgte ein zweiter. Die mehr als 200 000 Euro umfassende Sanierung wird zu 100 Prozent von Bund und Land gefördert.

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Gemeinsam mit der Architektin Elke Weinrich, dem Baudezernenten des Kirchenkreises Egeln, Dirk Zaske, und dem Vorsitzendes des Gemeindekirchenrates, Rainer Bückner, wurde ein „Schlachtplan“ entworfen. Die Obere und Untere Denkmalschutzbehörde wurden ebenso mit ins Boot geholt. „Ziel ist die komplette Bekämpfung. Das bedeutet, dass beinahe der gesamte Fußboden raus muss. Dabei muss akribisch die Spur der Sporen verfolgt und diese beseitigt werden“, erklärt Rainer Bückner. Der Plan ist, dass etwa 750 Quadratmeter Fußboden entfernt werden. Etwa einen Meter tief, wenn nötig auch tiefer, müsse gegraben werden. „Zur Schwammbekämpfung gehört zudem, dass jeder Ständer der Empore angeschaut wird“, erklärt Rainer Bückner.

Gebaut werde in zwei Abschnitten, ein Teil der Fördermittel muss bis Ende 2016 verbaut sein, der andere Teil im Jahr 2017. Um ohne Pause bauen zu können, werde so ausgeschrieben, dass die Bauarbeiten möglicherweise im August starten. „In jedem Fall werden wir über Monate auf die Nutzung der Kirche verzichten müssen“, meint der Gemeindekirchenratsvorsitzende.

Doch er macht zugleich deutlich: Nur wenn der Schwamm mit aller Konsequenz bekämpft wird, gibt es die Chance, ihn tatsächlich endgültig zu besiegen. Dazu solle auch beitragen, dass möglicherweise der neue Fußboden nicht aus Holz aufgebaut wird, sondern aus Sandstein.

Bevor die Kirche aber zur Baustelle wird, gibt es noch ein besonderes Ereignis zu feiern und dafür steht der Termin bereits fest: Am 15. Mai, das wird Pfingstsonntag sein, können drei neue Fenster der Nicolai-Kirche übergeben werden. Der Wernigeröder Glasgestalter Günter Groß hat sie entworfen, entstehen werden diese in der Werkstatt Schneemelcher in Quedlinburg. Glasgestalter und Werkstatt haben schon einmal gemeinsam für die Kirchengemeinde St. Nicolai in Oschersleben gewirkt.

Im Jahr 2006 wurde der Chorraum der Kirche frisch verputzt. Damals war erstmals der Gedanke entstanden, die drei Fenster neu zugestalten. Nur ein Jahr sollte damals vergehen und die Kirchengemeinde konnte die neuen Fenster bestaunen. Auch damals hatte Günter Groß die Fenster entworfen und die Werkstatt Schneemelcher hat die Fenster aus 400 Einzelscheiben entstehen lassen. „Nun folgen also drei weitere Fenster“, berichtet Rainer Bückner und präsentiert nicht ohne Stolz den Entwurf. Erneuert werden drei Fenster im Querhaus und zwar auf der Seite, die zur Kornstraße zeigt. „Rund 90 000 Euro werden die neuen Fenster kosten, ein Großteil kann über Spenden finanziert werden. Und wiederum konnte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit ins Boot geholt werden. Zur Einweihung hat Bischöfin Ilse Junkermann ihr Kommen zugesagt“, berichtet Rainer Bückner.

Gemeindekirchenrat und auch der Förderverein haben in Sachen St. Nicolai noch einiges vor. Dazu gehöre beispielsweise auch der Einbau von Toiletten. „Gerade bei größeren Veranstaltungen in der Kirche erweist sich immer wieder, dass die Toiletten fehlen. Auch das Kruzifix haben wir von einem Fachmann anschauen lassen. Die Figur, sie stammt aus dem 14./15. Jahrhundert und gehört zu den ältesten Stücken der Kirche, müsste saniert werden, denn die Farbschichten blättern ab. Etwa 15 bis 20 000 Euro würde eine Sanierung kosten“, erklärt Rainer Bückner.