Oschersleben l „Der Antrag des LHW auf Rückbau des Bodewehrs wurde seitens des LVwA abschließend bearbeitet“, teilte Behördensprecherin Denis Vopel auf Volksstimme-Anfrage mit. Außerdem sagte sie: „Im Ergebnis war die denkmalrechtliche Genehmigung aufgrund überwiegender anderer öffentlichen Interessen unter Nebenbestimmungen zu erteilen.“ Diese Nebenbestimmungen seien jedoch aktuell noch nicht erfüllt, so dass die denkmalrechtliche Genehmigung noch nicht vollzogen werden dürfe.

So müsse durch den LHW der Rückbau aus wasserrechtlicher Sicht gewährleistet werden. Vopel: „Das bedeutet, dass bei einem Rückbau gewährleistet sein muss, dass danach auch noch alle wasserrechtlichen Vorgaben eingehalten werden.“ Diese Arbeiten würden derzeit vom LHW vorbereitet und im Referat Wasser geprüft. Wenn diese Prüfung erfolgt und die wasserrechtliche Genehmigung erteilt werden konnte, kann die denkmalrechtliche Genehmigung vollzogen und der Rückbau begonnen werden. „Die Genehmigung erfolgt, sobald die Nachforderungen erfüllt sind“, sagte die Sprecherin.

Baudenkmal nicht ganz verlieren

Damit scheint der Abriss des einstigen Oschersleber Postkartenmotivs beschlossene Sache. Doch ganz verlieren werden die Einwohner ihr über 100-jähriges Baudenkmal wohl nicht. Denn laut den LHW-Plänen werden das Walzenwehr, die Mittelinsel und das Schützenwehr zwar rückgebaut. Doch soll das Walzenwehr als Erinnerung an das Bauwerk in Form eines Denkmals einschließlich Erinnerungstafel verbleiben. Außerdem sollen angrenzende Ufermauern teils abgetragen und mit begrünten Bermen, also Absätzen im Deich, vor Strömungsangriff gesichert werden. Der ausgespülte nördliche Übergangsbereich zum Großen Graben wird verfüllt und begrünt.

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Das Oschersleber Bodewehr ist bereits seit zehn Jahren außer Betrieb. Im Jahr 2016 hatte der LHW die Pläne für den Rückbau des Wahrzeichens vorgelegt. Der marode Zustand des Wehres lasse keine andere Möglichkeit zu, hieß es damals. Schon im Jahr 2008 wurde der bauliche Zustand von den Verantwortlichen als „äußerst bedenklich“ eingeordnet. Die Kosten für eine Sanierung des Postkartenmotivs waren im Jahr 2016 mit über eine Million Euro angegeben worden.

Landesbetrieb hält an Abriss fest

Mehrere Initiativen, das Wehr zu erhalten beziehungsweise wieder aufzubauen, scheiterten. Unter anderem war der Bau einer Turbine zur Stromerzeugung geplant. Doch die Kosten für eine grundhafte Sanierung der vorhandenen Bausubstanz wären zu hoch ausgefallen – und brachte zudem die Angler auf den Plan. So verstoße der Verbau der Bode oder etwaige Bauprojekte im Landschaftsschutzgebiet gegen deutsche und EU-Umweltschutzgesetze.

Die Abrisspläne stießen bei den Bürgern auf unterschiedliche Resonanz. Gegner hatten die Bürgerinitiative „Rettet das Bodewehr“ gegründet, 2350 Unterschriften gesammelt und dem Stadtrat übergeben. Die Stadtverwaltung leitete die Papiere an den Landesbetrieb weiter.

Millionensumm für Rückbau

Auch der Ministerpräsident hatte sich im Oktober 2017 auf einer Pressekonferenz in Oschersleben zum Bodewehr geäußert. „Der jetzige Zustand ist völlig unbefriedigend, auch von der Optik her“, hatte Reiner Haseloff (CDU) gesagt und von einer Millionen-Summe gesprochen, die 2018 für den Rückbau dieser Anlage vorgesehen wären. Allerdings stehe noch die Entscheidung der zuständigen Landesbehörde aus, ob das Bodewehr nicht doch „denkmalschutzwürdig“ ist. „Hier muss nun schnell entschieden werden, um die konkreten Maßnahmen für das nächste Jahr genau planen zu können“, hatte der Politiker gesagt und angekündigt, dass diese Entscheidung in den nächsten zwei, drei Wochen fallen werde.

So sollte ein neues Gutachten über die Machbarkeit einer Nachgründung des Bodewehrs erstellt werden. Wäre diese Nachgründung machbar gewesen, hätte das Bodewehr denkmalgerecht instandgesetzt und eine umfassende Erhaltung aller Denkmalwerte am Bodewehr ermöglicht werden können, so der Tenor der Behörden im September 2018.

Kein Gutachten erstellt

Doch dann hatte LHW-Direktor Burkhard Hennig auf Volksstimme-Anfrage mitgeteilt, dass kein Gutachten erstellt mehr wird. „Wir haben das geprüft, doch eine Summe von 25.000 Euro wollen wir nicht investieren. Wir müssen ‚die Kuh vom Eis holen‘ und das Problem mit dem Wehr lösen. An unserer Meinung, das Wehr nicht wieder aufbauen zu wollen, hat sich nichts geändert. Alles andere wäre auch unwirtschaftlich“, äußerte Henning.