Oschersleben l Es ist Sonnabendvormittag und von der Wetterlage her genau der richtige Tag für einen Arbeitseinsatz. Die Sonne lugt ab und an hinter den Wolken hervor, ein kühlendes Lüftchen weht. Doch ein Blick auf den Parkplatz vor dem Freibad im Norden Oscherslebens verrät: Heute haben sich weit weniger Freiwillige gemeldet als in den Jahren zuvor.

Trotzdem ist schon von weit her das Dröhnen von Maschinen zu hören. In der Nähe des Eingangsbereichs ist es Ines Schreinert, die einen der Benzinmäher vor sich her schiebt, um den wuchernden Rasen Einhalt zu gebieten. „Schade, dass so wenig Leute hier sind“, sagt die Mitbegründerin der Bürgerinitiative „Rettet das Freibad“, die vor fünf Jahren aus der Taufe gehoben worden war. „Aber dafür sind heute einige neue Gesichter da, das wiederum freut mich“, ergänzt die Verfechterin für den Erhalt des Freibades.

Kaum Stadtmitarbeiter

Ein bisschen enttäuscht zeigt sie sich dennoch: „Ich habe so viele Vereine kontaktiert und um deren Mithilfe gebeten. Keiner von denen ist heute hier.“ Auch die Stadt hätte mehr Kante zeigen können, ist sie überzeugt, hätte sich mit Mitarbeitern und Gerätschaften besser beteiligen können.

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Nur wenige Dutzend Meter weiter finden sich die anderen beiden Mitstreiter aus der einstigen Bürgerinitiative. Anke Hustedt und Wolfgang Zahn, beide Stadtratsmitglieder für die SPD, ackern direkt unter dem Klettergerüst. „Wir graben den Sand um entkrauten die Fläche“, sagt Wolfgang Zahn. „Das ist jedes Jahr unsere Aufgabe, und die lösen wir konsequent und vorbildlich“, erklärt der SPD-Stadtrat mit einem Lächeln auf den Lippen. Christian und Juliane Stöckel mit Sohn Marek packen kräftig mit an. „Wir wollen dazu beitragen, das Freibad zu verschönern und für die Saison vorzubereiten“, sagt Mutter Juliane, die sogleich mit Harken weitermacht. Derweil erzählt der siebenjährige Marek, dass er gern hier baden geht, mit seinen Eltern und mit Freunden.

Mähen, harken, umgraben

Von der Wiese zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken tönt ein weiterer Rasenmäher herüber. Sein Lenker ist Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos). „Man muss sich über jeden freuen, der heute hier ist“, sagt der Rathauschef. Auch er kann seine Enttäuschung ob der geringen Beteiligung nur schwer verbergen. Sicher hätten bei dem schönen Wetter viele im eigenen Garten zu tun.

Doch seine Hoffnung liegt auf den 2. Juni. An jenem Sonnabend findet ein weiterer Arbeitseinsatz statt, „dann wollen wir unserem Freibad den letzten Schliff geben“, erklärt Kanngießer. Bis zur Eröffnung am 16. Juni muss noch einiges passieren. So sollen laut Bürgermeister in beiden Becken Fliesen erneuert und Farbe aufgetragen werden.

Nächster Arbeitseinsatz am 2. Juni

Nur wenige Meter weiter müssen sich Marita und Karsten Bauch tief bücken. Das Ehepaar engagiert sich beim Sportverein Lok. Heute sind die Beiden dabei, die Fugen zwischen den Betonplatten zu säubern. „Wir machen jedes Jahr mit und freuen uns, dass das Bad erhalten wird“, sagt Marita Bauch. So plane sie als Lehrerin wieder am Schwimmfest der Sekundarschule V mit.

Unweit der Familie Bauch finden sich Michael Grundig mit Sohn Max. Auch sie verschönern den Beckenrand, wuchten den anfallenden Abfall in eine Schubkarre. „Schön, hier zu helfen“, sagt der 14-jährige Max.

Die gleiche Arbeit verrichten am großen Becken Stephan Lang, Norman Schotte und Torten Düx. „Wir vertreten unseren Verein ‚Historica Harz’“, erzählt Norman Schotte. Die Mitglieder seien sogenannte Sondengänger. „Wir sind aber nicht die, die mit Metalldetektoren die Landschaft abgrasen und wie wild nach Schätzen suchen“, betont Stephan Lang. Vielmehr würden sie mit Archäologen zusammenarbeiten. Heute jedoch wollen die drei Geschichtsinteressierten mithelfen, das fast 50-jährige Freibad wieder auf Vordermann zu bringen, damit die Badesaison endlich beginnen kann.