Corona

Ärzte und Eltern in Oschersleben sind skeptisch gegenüber Impfungen von Kindern

Beim Arzt können Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Empfehlung der Stiko gilt bisher aber nur für Mädchen und Jungen mit Vorerkrankungen. Eltern und Ärzte sehen Impfungen von Kindern noch skeptisch.

Von Josephine Schlüer
Die Stiko empfiehlt, dass 12- bis 15-Jährige mit Vorerkrankungen mit dem Impfstoff  Comirnaty des Herstellers Biontech/Pfizer geimpft werden sollen.
Die Stiko empfiehlt, dass 12- bis 15-Jährige mit Vorerkrankungen mit dem Impfstoff Comirnaty des Herstellers Biontech/Pfizer geimpft werden sollen. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Oschersleben - Die Impfpriorisierung wurde vor etwa einem Monat aufgehoben. Seitdem haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts etwa 54 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt eine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten (Stand: Donnerstag). Sofern genügend Impfstoff vorhanden ist und Impfeinrichtungen personell entsprechend aufgestellt sind, hat derzeit jeder Erwachsene die Möglichkeit, einen Impftermin zu vereinbaren.

Nicht so bei den Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre. Zwar empfiehlt die Ständige Impfkommission des RKI (Stiko) eine Impfung von 12- bis 17-Jährigen mit Vorerkrankungen wie beispielsweise Diabetes oder Trisomie 21. Eine allgemeine Empfehlung für diese Altersgruppe gibt es aber bisher nicht. Die Zulassung der Impfung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erlaube nach Angaben des RKI jedoch die Impfung von 12- bis 17-jährigen. Diese sei auch für Kinder und Jugendliche kostenfrei, die Haftung bei etwaigen Impfschäden sei gedeckt.

Damit ist eine Impfung von Vertretern dieser Altersgruppe grundsätzlich möglich, allerdings nur in den Arztpraxen und nicht in den Impfzentren. Grund hierfür ist die fehlende Stiko-Empfehlung, heißt es aus dem Landesministerium für Arbeit, Soziales und Integration. Also liegt die Entscheidung allein bei den Eltern und Kinderärzten. „Wer als Elternteil eine Impfung für sein Kind wünscht, sollte sich im Vorfeld durch den Kinderarzt seines Vertrauens beraten lassen“, empfiehlt Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin, Petra Grimm-Benne.

Kinderärztin Dr. Sabine Gummert aus Oschersleben spricht sich klar gegen eine Impfung von gesunden Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren aus, auch wenn die Eltern das wünschen. „Ich richte mich bei allen Impfungen nach den Empfehlungen der Wissenschaftler von der Stiko“, sagt sie. Die derzeitige Informationslage sei noch zu dürftig. Bei Kindern sei die Abwägung eventueller Impfschäden im Verhältnis zu etwaigen Langzeitschäden durch eine Covid19-Erkrankung eine andere als bei Erwachsenen, erklärt die Kinderärztin. „Eine Covid19-Erkrankung verlaufe bei Kindern und Jugendlichen meistens viel schwächer oder gar symptomfrei, während die Erfahrungen mit Impfungen bei Kindern gleichzeitig minimal sind.“ Es brauche weitere Studien mit mehr Probanden. „Natürlich impfe ich aber Kinder mit Vorerkrankungen“, sagt die Kinderärztin. Insgesamt seien das seit der Empfehlung der Stiko bisher fünf gewesen.

Auch die Eltern in der Region um und in Oschersleben sind zwiegespalten. Susanne Raap hat zwei Kinder im Alter von neun und 12 Jahren. „Ich bin absolute Impfbefürworterin, aber an dieser Stelle bin ich doch skeptisch“, sagt sie. Die Datenlage sei zu dünn und auch die Kinderärzte würden sich zurzeit dagegen aussprechen. Unter den Erwachsenen seien mittlerweile Milliarden geimpft, aber bei den Kindern seien es einfach noch zu wenige, begründet Susanne Raap. „Darum möchte ich noch abwarten und hoffe, dass die Kinder mit Hilfe der übrigen Maßnahmen weiter gut durch die Pandemie kommen bis es aussagekräftigere Studien gibt.“

„Wer versichert mir denn, dass da langfristig nicht doch irgendwelche Nebenwirkungen auftreten, niemand, darum würde ich die Kinder nicht impfen lassen“, sagt Annica Westphal, deren Tochter 13 und deren Pflegesohn 15 Jahre alt ist. Auch bei einer Empfehlung seitens der Stiko wäre sie weiterhin skeptisch. Ihr sei die Entwicklung des Impfstoffes zu schnell gegangen im Vergleich zu anderen Medikamentenzulassungen. Darum bleibe sie vorerst misstrauisch.

Doch wie kann man Kinder und Jugendliche überhaupt schützen, solange es keinen Impfstoff gibt, der erwiesenermaßen ungefährlich ist? „Indem sich so viele Eltern und generell Erwachsene wie möglich impfen lassen“, sagt Sabine Gummert. Auch die Kinderärzte seien aufgerufen, die Familienangehörigen ihrer jungen Patienten zu impfen. Mit einer möglichst hohen Impfquote in der Bevölkerung würden alle besser vor dem Virus geschützt, eben auch die Gruppe der Kinder und Jugendlichen, so die Oschersleber Kinderärztin.