Oschersleben l Riesige Rauchwolken steigen von der Schikane an der Westtribüne in den Himmel. Reifen quitschen, Motoren heulen und es riecht nach verbranntem Gummi. Zahlreiche Zuschauer verfolgen die Wettbewerbe zum Deutschlandlauf der „King of Europe Drift“, der europäischen Meisterschaft im Driften.

Genau dort, wo der Wind den Rauch verbrannten Gummis hinweht, haben es sich Daniel Hess und seine Freunde aus dem Allgäu gemütlich gemacht. Die jungen Männer aus Bayern haben hier ihre Zelte aufgeschlagen und einen Pavillon aufgebaut. Neben dem Rauch, den die Boliden der Drift-Serie verbreiten, riecht es nach auch nach Gegrilltem. „Das ist genau der richtige Platz“, sagt Daniel Hess und lacht dabei. Schon seit dem Vormittag verfolgen er und seine Leute die waghalsigen Manöver der Fahrer auf dem schwarzen Rennasphalt. „Das ist eine sehr coole Veranstaltung. Ich kenne die Motorsportarena von anderen Events, zur ‚Asia Arena‘ sind wir das erste Mal hergekommen“, berichtet der 27-Jährige weiter. Viel Gleichgesinnte treffe er hier, schließlich habe auch er einen japanischen Nissan S13 zu einem Driftauto umgebaut. Das nächste Jahr wollen Daniel und seine Kumpels wiederkommen, „nur mit noch mehr Leuten“, verspricht er.

Zu „Asia Arena“ gehöre eben auch Cosplay, also die ursprünglich aus Japan stammende Fanpraxis, bei der Teilnehmer durch Kostüme und Verhalten möglichst originalgetreu in die Figuren japanischer Trickfilme wie Mangas oder Animes, Comics, Filme oder Videospiele schlüpfen. „Ich bin zwar kein Cosplayer und verstehe auch nicht, wie es die Leute bei der Hitze in den Kostümen aushalten. Aber das gehört eben zur japanischen Kultur“, sagt der Allgäuer.

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Buntes Treffen der asiatischen Tuning-Szene

Zwei der vielen Cosplayer in der Motorsportarena an diesem Wochenende sind Elise Stutzinger und Benjamin Papenfuß aus Halle an der Saale. Beide lieben das Anime „The Rising of the Shild Hero“ und schlüpfen in ihrer Freizeit in die Hauptfiguren „Raputalia“ und „Naufumi Iwatani“. „Seit ich acht Jahre alt bin liebe ich japanische Mangas“, erzählt die heute 21-jährige Elise, die unter der Woche als Erzieherin arbeitet. Vor allem die Zeichnungen und der Humor seien anders als bei amerikanischen oder deutschen Comics. Verkleiden und schminken bereite ihr viel Spaß, „wie das bei Frauen eben so ist“, begründet „Raputalia“. Vieles an ihren Ausstattungen hätten sie selbst geschaffen, so die Perücken, Schwert und Schild.

Ein anderer Cosplayer wird seit Stunden dicht umlagert. Viele wollen ein Foto von „Ken Kaneki“ und seinem Auto aus dem Manga „Tokio Guhl“. Ken heißt eigentlich Pascal Menz. Mehr als 800 Kilometer ist er mit seinem aufgemotzten Toyota Celica aus der Schweiz angereist, „sicher nicht das letzte Mal“, wie er sagt. Seinen Wagen habe er entsprechend seiner Figur angepasst. „Hier ist alles verändert außer der Motor, das Lenkrad und die Sitze“, beschreibt der Schweizer.

Viel los ist auch auf dem „Show&Shine“-Platz. Hier reihen sich japanische Autos, deren Halter mit den Autos am Schönheitswettbewerb teilnehmen wollen. Felix Schröder ist mit seiner Freundin Michelle Manzeg in seinem schwarzen Honda CRX angereist. „Den habe ich gekauft, weil ich Bock hatte, ein Auto zu besitzen, was man eigentlich nicht braucht“, erzählt Felix. Umgebaut habe er fast alles. Wieviel PS sein Motor hat, vermag er nicht zu sagen. „Wir werden im nächsten Jahr wieder kommen, die Motorsportarena ist eine schöne Rennstrecke, von fast überall einsehbar ist“, sagt der Honda-Fan.

Für ihn und seine Gleichgesinnten gab es noch viel mehr zu entdecken. So konnten sich Tuningbegeisterte Tipps beim Honda-NSX- und Civic-Treffen holen. Auch selbst Gas geben konnten die Gäste beim 1/8-Meilen-Sprint auf der Start- Zielgeraden. Auf dem sogenannten Kamikaze-Platz zeigten harte Jungs, wie man richtig driftet. Im Drift-Taxi konnten harte Kerle sogar selbst mitfahren.

Für Cosplayer gab es neben Workshops auch einen Wettbewerb. Eine große Händlermeile in den Boxen hatte sowohl für Anime-Fans als auch für Autoliebhaber eine große Auswahl im Angebot. Und bei Sound-Wettbewerben gab es täglich neue Sieger.