Oschersleben l „Feste Kohle, tiefe Schächte, schöne Weiber, lange Nächte, kaltes Wasser, trocken Brot ist des Bergmanns früher Tod“, steht auf der Steintafel, mit der Bernd Goltz vor der Kirchentür in Hornhausen wartet. Er ist gekommen, um einen guten Platz für die noch fehlenden Exponate der Dauerausstellung im Kirchturm zu finden. Goltz gehört mit Inge Nahrstedt und Ingrid Kaselow zum Kernteam, das die achte Ausstellung über die Geschichte Hornhausens organisiert. Am Sonntag, 11. September, eröffnet Ortsbürgermeister Lothar Lortz die Exposition. Zugleich laden die Mitglieder des Kirchturmfördervereins, der evangelischen Kirchgemeinde und die weiteren Helfer zum Reitersteinfest in den Kirchgarten ein.

Sieben Themen

Die drei ehemaligen Lehrer Goltz, Nahrstedt und Kaselow haben „das Markanteste“ aus den vergangenen sieben Ausstellungsthemen zusammengetragen und im Turm der evangelischen St. Stephani Kirche platziert. Historische Themen wie die Bedeutung des Bergbaus und der Heilquellen für Hornhausen sind Teil der Exposition. Aber auch die Forschungsergebnisse über den Reiterstein präsentieren die drei Rentner. „Wir können sogar eine originalgetreue Kopie des Reitersteins zeigen“, sagt Bernd Goltz nicht ohne Stolz in der Stimme.

Der Hornhäuser Reiterstein ist eine Steinplatte mit der bildlichen Darstellung eines Reiters, die im 7. Jahrhundert geschaffen und 1874 gefunden wurde. Seit 1913 ist sie im Besitz des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle. Es wird vermutet, dass der Stein das Überbleibsel einer Chorschranke ist. „Es könnte aber auch sein, dass er Teil eines Grabsteins war“, erklärt Ingrid Kaselow. Der Reiterstein wurde in Hornhausen beim Pflügen gefunden und ist der ganze Stolz der Hornhäuser, da er ihren Ort zu Popularität verholfen hat.

Bilder

Statistik zum Gewerbe

Nicht weniger interessant ist die Statistik zum Thema „Handel, Handwerk und Gewerbe“, die Nahrstedt, Kaselow und Goltz den Besuchern präsentieren wollen. Demnach gab es 1900 noch zwölf Bäcker in Hornhausen und im Jahr 2015 nur noch einen. Erklären lässt sich dieser Schwund mit der Einwohnerzahl, die von 3600 (1900) auf 1584 (2015) gesunken ist. „Wir haben auch ein Hauszeichen von 1847 erhalten, auf dem die Farbe bis auf ein paar Blautöne vollständig verblasst ist“, sagt Ingrid Kaselow.

Eine weitere Ausstellungstafel gibt Aufschluss über die längst versiegten Heilquellen, die zahlreiche Kurgäste nach Hornhausen lockten, darunter Königin Christine von Schweden und Kurfürst Friedrich Wilhelm I. Auch bekannte Stadtpersönlichkeiten wie Wilhelm Bode und Ludwig Wrede werden thematisiert.

Dass in diesem Jahr eine Dauerausstellung über die Stadthistorie eröffnet wird, war die Auflage für die Bewilligung von Fördergeldern für die Kirchturmsanierung. Nahrstedt, Kaselow, Goltz und die weiteren Helfer widmen die Dauerausstellung der verstorbenen Eva Stannebein. Unter ihrer Leitung wurden die sieben vorangegangenen Ausstellungen zusammengestellt.

Fest nach Eröffnung

Neben der Ausstellungseröffnung laden die Organisatoren zum Besuch des Reitersteinfestes rund um die Kirche ein. Ab 10 Uhr eröffnen die Kindergruppe der Kirchengemeinde und Schulkinder die Veranstaltung. Weiterhin stehen ein Vortrag auf Plattdeutsch, Beiträge des Frauenchors und der Oschersleber Line Dance Gruppe sowie ein Kinderflohmarkt auf dem Programm. Interessierte können am Sonntag Broschüren über die vergangenen Ausstellungen erwerben oder auch den Kalender für das Jahr 2017, den Inge Nahrstedt erstellt hat. Er beinhaltet Geschichte und Geschichten sowie Bilder aus Hornhausen. Wie gewohnt, werden auch Speisen und Getränke, wie selbst hergestellter Sekt verkauft. Es muss an diesem Tag also kein Gast den frühen Tod durch kaltes Wasser und trocken Brot fürchten.