Hornhausen l Wenn Wilhelm Kruse sagt: „Das ist ne ganz ne Schöne“ oder „Das ist mein Ein und Alles“, könnte man denken, er spräche von seiner Frau. Aber er meint seine Sammlungsstücke. Die alte Wanduhr ist so eine „ganz ne Schöne“ und der kleine Lkw, ein S 400, sein „Ein und Alles“.

Wilhelm Kruse sammelt seit 20 Jahren Dinge aus vergangener Zeit. Da in zwei Jahrzehnten ein Haufen zusammenkommt, hat er einen Flachbau auf dem Gelände der alten Meliorationsgenossenschaft gekauft. Auf über 250 Quadratmetern stehen Mobiliar, Spielzeuge, Dekoration, Werkzeuge und sogar Zwei- und Vierräder.

Wilhelm Kruse war Maschinenbauingenieur. In den letzten Jahren vor dem Mauerfall war er Bürgermeister von Hornhausen. Nach der Wende handelte er mit Schrott und erledigte Wohnungsauflösungen. Von da an begann er mit dem Sammeln von Einrichtungsgegenständen. Er fährt aber auch in An- und Verkaufläden oder zu Flohmärkten, um an Schätze für seine Sammlung zu kommen. „Ich habe schon immer gern gesammelt und bin geschichtlich sehr interessiert“, sagt er.

Zimmer zeigen Fundstücke von früher

Zunächst wollte der Rentner mit einem Freund ein Heimatmuseum in Hornhausen einrichten. Als aber das anvisierte Gebäude verkauft wurde und sein Freund starb, entschied sich Wilhelm Kruse einfach nur für sich zu sammeln – weil es ihm Spaß macht.

In dem Flachbau an der Bergstraße hat er zehn Zimmer eingerichtet. Alle sehen aus wie Wohnzimmer. Wäre es nicht so kalt in den Räumen, man könnte denken, der Bewohner tritt gleich über die Türschwelle.

Stücke von Eltern und Großeltern

Das erste Zimmer ist das „Erinnerungszimmer“ von Wilhelm Kruse. Dort hat er viel von seinen Eltern und Großeltern aufgebaut. Das schwere Blumenbild seiner Großeltern an der Wand zum Beispiel, oder das Sofa der Mutter samt ihrer Puppen. Auch Fotos hängen darin oder die Auszeichnungen seines Opas, der seinerzeit Schatzmeister im Schützenverein war.

Werkzeuge und Modellautos stehen in dem zweiten Raum. Hier sitzt Wilhelm Kruse, wenn seine Kumpels vorbeikommen. Aber auch die Versammlungen vom Oldtimer Club, dem er angehört, finden hier statt.

Hornhäuser hat Uhren gerne

Es folgen acht weitere Zimmer, in denen Schrankwände aus DDR-Zeiten, Jesusfiguren, Modellschiffe, Kunstdrucke, Radios, Fernseher, Fotos, eine Wasserpfeife, DDR-Fahnen, Bücher, Zinnsoldaten, Klaviere und vieles mehr stehen.

Besonders gerne hat er die Uhren. In jedem Raum ticken sie. „Ich bin Maschinenbauingenieur und fühle mich Technik sehr verbunden“, sagt er. Als eine Westminster Standuhr zur vollen Stunde gongt, hält er inne: „Der Klang ist ein Traum.“

Er hängt auch sehr an den Fotos von der 900-Jahr-Feier in Hornhausen. Acht Tage lang hat er 1972 mit anderen Bewohnern gefeiert. Es war eine der größten und besten Feiern in seinem Leben, so Kruse.

Sozialistische Zimmer

Wilhelm Kruse zeigt auf ein paar Vasen. „Die haben zwar keinen großen Wert, aber man kann die doch nicht wegschmeißen.“

Es gibt auch zwei „sozialistische Zimmer“, wie er sie nennt. Ein altes Tonbandgerät, ein Porträt von Erich Honecker und DDR-typische Schrankwände, Sofas und auch zwei Fahrräder stehen darin.

Wilhelm Kruse kommt jeden Tag hierher, wohnt nur ein paar Schritte entfernt. In dem Ausstellungsflachbau gibt es auch eine Werkstatt. Hier repariert er seine Fundstücke.

Zu seinen besonderen Schätzen zählen auch noch ein paar Oldtimer wie der Opel Blitz oder der S 400. Jedes Jahr veranstaltet Wilhelm Kruse mit Kollegen des Clubs ein Oldtimer-Treffen am Sportplatz in Hornhausen.

Wilhelm Kruse zeigt seine Sammlung auf Anfrage gern auch interessierten Bürgern aus der Umgebung.