Gunsleben l Im Namen des Investors stellte Hans-Joachim Trepte aus Halberstadt das Vorhaben, auf der ehemaligen Hausmülldeponie am Ortsrand von Gunsleben eine Photovoltaikanlage zu errichten, vor. Infrage käme für den Investor darüber hinaus eine brachliegende Fläche genau gegenüber der ehemaligen Deponie. Die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde Am Großen Bruch sind die ersten, die von Plänen hören. Investor ist die dHb-Gruppe Kempten (Allgäu), die seit 15 Jahren Erfahrung in der Solarbranche vorweisen kann.

Würde auch die gegenüber der einstigen Deponie liegende Brache mit Modulen zur Erzeugung von Elektroenergie belegt, könnte eine Jahresleistung von 5.678.150 Kilowattstunden erzeugt werden. Damit könnten 1622 Haushalte mit Strom, der ohne Schadstoffe erzeugt würde, produziert werden. „Rein theoretisch würde diese Strommenge ausreichen, um die Orte Gunsleben, Hamersleben, Neuwegersleben und Wulferstedt mit Strom zu versorgen“, informierte Hans-Joachim Trepte die Bauausschussmitglieder. Die Flächen für den Solarpark „PVA Gunsleben GmbH und Co KG“ würde der Kommune jährliche Einnahmen von 1000 Euro pro Hektar als Pacht plus Gewerbesteuer einbringen. Die Flächen sollen für 30 Jahre verpachtet werden. Interessierte könnten Anteile erwerben und mit verdienen. Wie Hans-Joachim Trepte weiter ausführte, sei bereits eine Bauvoranfrage an den Landkreis gestellt worden. Aktuell sei noch zu klären, wem die brach liegenden Flächen gegen über der einstigen Deponie gehören.

Den Bauausschuss-Mitgliedern stellte sich die Frage, welchen Status die einstige Hausmülldeponie derzeit habe. „Ist sie noch in der Nachsorgepflicht?“.Diese Frage konnte an diesem Abend nicht beantwortet werden. Nach Referenzobjekten wurde ebenso gefragt. In der unmittelbaren Umgebung der Gemeinde Am Großen Bruch oder der Verbandsgemeinde Westliche Börde gibt es keine. Eine größere Freiflächenanlage, die vom genannten Investor errichtet wurde, befindet sich bei Wernigerode. Der Bauausschuss der Gemeinde Am Großen Bruch traf an diesem Abend keine weiteren Festlegungen. Im Gemeinderat solle erneut darüber diskutiert werden.

Eine Nachfrage der Volksstimme beim Landkreis Börde und des Landesverwaltungsamtes zur einstigen Deponie ergab, dass die Zuständigkeit für die Hausmülldeponie Gunsleben hinsichtlich der Festlegung und Überwachung der Maßnahmen zur Stilllegung und Rekultivierung einschließlich der Überwachung der Nachsorge beim Referat Abfallwirtschaft/Bodenschutz des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt liegt. Der Landkreis Börde habe von dieser Behörde die Auskunft erhalten, dass sich die Deponie Gunsleben seit September 2017 in der Nachsorgephase befindet.

Dass aufgrund des vorhandenen alternativen Oberflächenabdichtungssystems die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf dem Deponiekörper grundsätzlich ausgeschlossen ist, eine Aussage, die vor Jahren getroffen wurde, möchte die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes, Denise Vopel, heute so nicht mehr im Raum stehen lassen. Die Technik sei voran geschritten und daher sollte sich der Investor beim Landesverwaltungsamt um eine neuerliche Prüfung einer Bebauung der einstigen Deponie bemühen.

„Bei der Anlage in Gunsleben handelt es sich um eine Altanlage in der Rekultivierung. Nach heutigen Anforderungen sei eine Bebauung ohne Weiteres nicht möglich. Andererseits könne durch eine Nachbesserung der Oberflächenabdeckung eine Bebauung doch ermöglicht werden. Das müsse aber nochmals geprüft werden“, so Denise Vopel.