Osterweddingerin Beatrice Noczynski klärte Schüler zum Down Syndrom auf

Besondere Biologiestunde für Zehntklässler

Von Yvonne Heyer

Einen besonderen Biologie-Unterricht haben die Schüler der Klasse 10b der Ganztagsschule Langenweddingen erlebt. Pflegemutti Beatrice Noczynski erzählte aus eigenen Erfahrungen über Down Syndrom und die Folgen von Alkohol während der Schwangerschaft.

Langenweddingen l Als kürzlich für die Klasse 10b wieder Bio-Unterricht auf dem Stundenplan stand, konnten die Jugendlichen für das Thema Humangenetik einen besonderen Gast begrüßen. Um vor allem auf das Down Syndrom und FASD (Fetale Alkohol Spektrumsstörung) eingehen zu können, hatte Biologielehrerin Doris Herrmann Beatrice Noczynski aus Osterweddingen eingeladen. Sie arbeitet für das Jugendamt als Sozial-und Heilpädagogische Pflegestelle und hat zu den genannten Problemen langjährige Erfahrungen sammeln können sowie zahlreiche Weiterbildungen besucht.

Beatrice Noczynski berichtete aus ihrem täglichen Leben mit Kindern, die diese Syndrome haben. In Vorbereitung auf den Unterricht hatte die Osterweddinger Pflegemutti Flyer organisiert und sich Gedanken gemacht, wie den Schülern diese sensiblen Themen näher gebracht werden können. "Hier kam mir zugute, dass sich einmal eine Weiterbildung in der Erlebnispädagogik im Zentrum für Soziales Lernen in Magdeburg besucht habe. Die Erlebnispädagogik setzt darauf, dass sich besondere Erlebnisse tief einprägen und lange nachwirken", so Beatrice Noczynski. In diesem Sinne wurden die Tische schnell an die Seite geschoben und ein Stuhlkreis aufgebaut. Neugierig und gespannt auf das, was kommt, nahmen die Schüler Platz.

Die Vorstellungsrunde begann mit einer Zeitreise. "Schließt eure Augen. Wir reisen in das Jahr 2023, ihr erwartet ein Kind und erhaltet die Diagnose Down Syndrom. Was fühlt ihr gerade und wie geht es euch damit?", fragte Beatrice Noczynski. Die Zehntklässler schrieben dann ihre Gefühle, Fragen und Sorgen auf einen Zettel und stellten sich damit vor. Viele Fragen wurden aufgeworfen. Soll ich das Kind behalten? Bin ich der Situation gewachsen? Werde ich es lieben können? Was gibt es für Therapien? Beatrice Noczynski meinte: "Ich kann euch die Entscheidung nicht abnehmen, aber ich möchte euch ermutigen, die Herausforderung anzunehmen." Anschließend erzählte sie aus ihrem Alltag mit einem Kind mit Down Syndrom. Sichtlich bewegt, merkten die Schüler, dass ein Kind mit einer Behinderung nicht unbedingt ein Schicksalsschlag sein muss, sondern auch ein wunderbares Geschenk sein kann.

Michelle Gläser hatte eine Rede zum Thema Pränataldiagnostik im Europäischen Parlament gelesen. Dort hatte eine Frau mit Down Syndrom gesagt: "Wir wollen uns nicht dafür entschuldigen müssen, dass wir leben." Sichtlich ergriffen und wütend sagte Jonas Steinecke dazu: " Es ist eine Sauerei, dass in der heutigen Zeit Menschen ihr Lebensrecht fordern müssen". Die Klasse stellte fest, dass es noch viele Vorurteile gibt.

Beatrice Noczynski überreichte nun Emily Armgart eine Puppe und gratulierte ihr zur Geburt eines wunderschönen Mädchens mit dem Down Syndrom. Emily stand sichtlich aufgeregt mit ihrer Tochter im Arm in der Mitte. Sie wurde gefragt: "Was benötigst du, um dich sicher, stark, nicht alleine und aufgehoben zu fühlen?" Gemeinsam mit Emily überlegten die Schüler und webten aus Wolle ein Netz der Unterstützung. Jeder Schüler steuerte eine Idee bei, wer sie sein konnten, um Emily zu unterstützen. So wuchs ein Netzwerk und im Kreis befanden sich die liebevolle Oma Doris Herrmann, Professoren, Pflegepersonal, viele Therapeuten, Versorgungsämter, die Familie, liebe Nachbarn, integrative Einrichtungen, Förderschulen und mehr. "Mit jedem Band mehr zeigte sich Entspannung im Gesicht von Emily. Sie fühlte sich getragen und akzeptiert von ihrer Umwelt", berichtet Beatrice Noczynski aus dem besonderen Biologieunterricht.

Im zweiten Teil informierte sie über FASD. Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft ist eine häufige Ursache für angeborene Fehlbildungen, geistige Behinderungen, Entwicklungs-und Wachstumsstörungen sowie extreme Verhaltensauffälligkeiten. Der Klasse wurde schnell klar, dass FASD eine Behinderung ist, die zu 100 Prozent vermeidbar wäre, wenn eines gilt: Schwanger? Dann Nullpromille!

Am Ende des Unterrichts verteilte Beatrice Noczynski Windlichter, auf denen die Zehntklässler aufschreiben sollten, wie ihnen die Veranstaltung gefallen habe, wie sie sich fühlen. Viel Aufklärung, informativ, viele Zweifel genommen, gut gestaltet, hat meine Berufswahl bestätigt und bewegend - all das hatten die Schüler aufgeschrieben.