Gröningen l Dem einen oder anderen war in den zurückliegenden Wochen schon aufgefallen, dass der Mühlgraben am Gröninger Stadtrand recht wenig bis streckenweise gar kein Wasser mehr führt. Was sehr ungewöhnlich und in den zurückliegenden Jahren auch nie passiert war. Und als der Graben nun nicht mehr nur drohte auszutrocknen, sondern streckenweise schon ausgetrocknet war, haben nicht zuletzt die Gröninger Angler Alarm geschlagen.

So hat Henry Schmidt als Chef der Gröninger Ortsgruppe des Anglervereins Oschersleben und Umgebung am Montag den Angler-Vereinsvorstand über die Situation informiert, von dem umgehend die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises eingeschaltet worden ist. Die wiederum hat sich genauso umgehend mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) in Verbindung gesetzt.

Landesbetrieb schließt das Wehr

Mit dem Ergebnis, dass kurz darauf LHW-Mitarbeiter nach Gröningen gekommen sind und das Bodewehr oberhalb des Mühlgrabens wieder geschlossen haben. Dadurch hat sich im Bereich dieses Bodewehres das Wasser wie gewohnt angestaut und ist wie genauso gewohnt zu einem Teil nach rechts in den Mühlgraben abgebogen, der gut einen Kilometer lang ist und dann wieder in die Bode mündet. Und es hat nur wenige Minuten gedauert, bis der Mühlgraben auf ganzer Strecke wieder gut gefüllt war.

Bilder

Das war jedoch für etliche Fische längst zu spät. Denn die waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Was Mitglieder des Anglervereins Oschersleben und Umgebung nicht nur sehr bedauert, sondern was sie auch dokumentiert, beispielsweise tote Bachforellen, Döbel oder auch Barben fotografiert haben. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass auch Fische dabei waren, die laut Naturschutzgesetz in ihrer Existenz stark gefährdet sind, ist der Ärger bei den Mitgliedern des Anglervereins und anderer Naturfreunde sehr groß.

„Ich kann ja verstehen, wenn das Wehr zum Schutz vor Hochwasser gezogen wird. Aber wenn das über einen längeren Zeitraum passiert, dann müssen wir als Verein und Pächter des Mühlgrabens informiert werden“, sagt Henry Schmidt. Dann hätten die Angler zumindest versucht, die Fische zu retten. „Vielleicht hätten wir nicht alle retten können, aber sicherlich einen großen Teil“, so der Gröninger Anglerchef.

Bürgermeister übt Kritik

Auch Gröningens Bürgermeister Ernst Brunner sieht hier ein großes Versäumnis des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Denn auch die Stadt sei über diese anhaltende Maßnahme nicht informiert worden. Brunner geht in seiner Kritik sogar noch etwas weiter und ist der Überzeugung, dass das Bodewehr hätte gar nicht so lange geöffnet werden müssen. „Als das Wehr Ende des vergangenen Jahres schon einmal gezogen worden war, wurde es nach recht kurzer Zeit wieder geschlossen“, sagt der Bürgermeister. Und genauso hätte es passieren müssen, als vor knapp drei Wochen das Wehr aufgrund eines höheren Wasserstandes der Bode abermals gezogen wurde. „Es hätte früher wieder geschlossen werden müssen, dann wäre der Mühlgraben nicht ausgetrocknet und die Fische hätten überlebt.“

Eine am Montag telefonisch angekündigte und dann per E-Mail gestellte Anfrage der Volksstimme über die Beweg- und Hintergründe, blieb bis Dienstagabend vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft unbeantwortet.