Noch kein Antrag

Bodewehr soll abgerissen werden

Das denkmalgeschützte Bodewehr in Oschersleben soll abgerissen werden. Im zweiten Halbjahr soll zur Zukunft informiert werden.

Von Yvonne Heyer

Oschersleben l Die Mitteilung des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), das Bodewehr nun doch rückbauen zu wollen, sorgt für einige Dikussionen in der Bevölkerung. Zugleich wurden neue Fragen aufgeworfen.

Denise Vopel, Presseprecherin der Denkmalschutzbehörde des Landesverwaltungsamtes, teilte auf Volksstimme-Nachfrage mit, dass vor Beginn der Maßnahmen ein Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung bei der zuständigen unteren Denkmalschutzbehörde gestellt werden müsse. Im Falle Wegnahme liegt die Zuständigkeit stets bei der oberen Denkmalschutzbehörde, also im Landesverwaltungsamt. Bisher sei hier kein Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung des Rückbaus gestellt worden. Erst dann könne das Anliegen geprüft werden. Bei einer Entscheidung zugunsten eines Rückbaus werde geprüft, ob eine Dokumentation des Kulturdenkmals erfolgen muss, in welchem Umfang sie zu erstellen ist und wer die Kosten dafür tragen muss.

„Der Landesbetrieb hat im Jahr 2009 schon einmal Kontakt mit der oberen Denkmalschutzbehörde aufgenommen. Es wurde ihm nach einem Beratungsgespräch ein Antragsformular auf denkmalrechtliche Genehmigung übergeben. Eine Antragstellung erfolgte bis heute nicht“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Landesverwaltungsamtes.

Der Oschersleber Steven Trumpf hat sich in einem Leserbrief ebenso zu der Problematik geäußert und seinen Unmut zum Abriss des Wehres deutlich gemacht. „Wie kann es sein, dass die Stadtverwaltung sich damit abfindet? Warum unternimmt der Bürgermeister nichts, um dem entgegenzuwirken. Das Wehr ist ein Stück erhaltungswürdiges Kulturgut von Oschersleben. Es muss eine Lösung im Interesse aller gefunden werden. Der Rückbau hätte zur Folge, dass ein weiteres Kulturgut Oscherslebens zunichte gemacht werden würde - das allseits geliebte Boderennen könnte nicht mehr stattfinden“, schreibt der Oschersleber in seinem Brief. Auch in der Sozialauschusssitzung hat er die Problematik angesprochen und eine erste Antwort hinsichtlich des Boderennens erhalten. Dieses würde schon seit Jahren stattfinden, ohne dass das Bodewehr regulierend auf den Wasserstand der Bode einwirken würde. Das Rennen wäre tatsächlich nur in den Jahren bedroht, in denen extrem niedrige Wasserstände herrschen würden.

Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) nahm ebenso Stellung. Die Stadt sei nicht Besitzer des Bodewehres. „Ein Denkmal in Zeiten knapper Kassen und angesichts unserer derzeitigen Haushaltslage zu kaufen, ist finanziell nicht machbar“, macht er deutlich. Zumal mit der Tatsache, dass der LHW nun doch keine Turbine errichten werde, das Wehr auch in Zukunft keinerlei Funktionen und Aufgaben haben werde.

Vor acht Jahren engagierte sich der damalige Stadtrat Frank Gebhardt für den Erhalt des Bodewehrs. Ziemlich überrascht habe ihn die Nachricht, dass der Investor abgesprungen sei. „Ich war damals ziemlich optimistisch, dass das Wehr in Verbindung mit der Wasserkraftanlage erhalten werden könnte“, sagt er gegenüber der Volksstimme. „Ich weiß wohl, dass die Anlage bei den Anglern nicht unumstritten war. Jetzt müssen alle Interessen abgewogen werden. Das Wehr als reines Denkmal zu erhalten, sehe ich problematisch. Erst recht, wenn dafür keine Fördermittel aufgetrieben werden können“, meint der Oschersleber.

Burkhard Henning, Leiter des LHW, macht noch einmal auf den schlechten Zustand des Denkmals aufmerksam. „Im Jahr 2001 haben wir eine Baustandsuntersuchung vornehmen lassen, die schon damals ergab, dass eine wirtschaftliche Instandsetzung des Wehres nicht mehr möglich ist“, berichtet er. Schon damals sei erkennbar gewesen, dass nur ein Neubau oder Rückbau in Frage käme. Allerdings wäre ein Neubau ohne wasserwirtschaftliche Bedeutung nur in der Kombination mit einer Turbine tragbar gewesen. Doch die Planung der Turbine in den vergangenen Jahren hätte sich angesichts der Einhaltung europäischer Wasserrahmenrichtlinien schwieriger gestaltet, als erwartet. „Auch die Unterhaltung der geplanten Anlage selbst mit Fischpass wäre sehr aufwendig geworden. Der Investor sprang schließlich ab“, resümiert LHW-Chef Burkhard Henning.

Vom Wehr in seinem jetzigen Zustand gehe keine Gefahr aus. In den Jahren 2007/2008 wurden Reparaturarbeiten zum Erhalt der Grundsicherheit ausgeführt. Doch es sei nun einmal eine Wehranlage, die niemand mehr braucht und „und eine Schwachstelle im Hochwasserschutz, die mit dem Rückbau beseitigt wird“, so Henning.

In der zweiten Jahreshälfte würde der LHW alle weiteren Planungen abgeschlossen haben und dann den Oscherslebern berichten, wie sich das Areal rund um das Wehr künftig gestaltet ließe. Dann würden Interessenten auch erfahren, wie der Bootstourismus berücksichtigt werden soll. Auch Radfahrer würden auf ihre Kosten kommen. Sie könnten künftig auf dem neuen Deich, der aus Richtung Hordorf nach Oschersleben führt, radeln.