Neindorf l „Wenn man ihn nicht frühzeitig erkennt und der Krebs bereits gestreut hat, hilft nur noch die Chemotherapie. Die ermöglicht dem Patienten eine gewisse zusätzliche Lebensspanne. Aber letztlich wird er sterben“, erklärt Dr. Bert Hanke. Er ist der Direktor des Zentrums für Innere Medizin an der Helios Bördeklinik.

Auf der anderen Seite gebe es beim Darmkrebs Chancen, die bei anderen schweren Erkrankungen nicht bestehen, so der Experte. Die Tumoren entwickeln sich aus bestimmten Vorstufen. Dabei handelt es sich um Gewebeveränderungen, die oft auch als Polypen bezeichnet werden. Daniel Ensberg als Abteilungsleiter der Gastroenterologie schränkt ein: Nicht aus jedem Polypen muss zwangsläufig ein Tumor entstehen. Auf der anderen Seite gebe es aber auch keinen Darmkrebs, der nicht aus einer solchen Vorstufe hervorgehen würde. So erklärt es Dr. Niklas Bien als Oberarzt und Abteilungsleiter der Viszeralchirurgie. Zusammengefasst heißt das: Werden Polypen rechtzeitig erkannt und entfernt, kann dadurch die Entstehung von Darmkrebs verhindert werden.

Rechtzeitig zur Vorsorge

„Deshalb ist es absolut notwendig und gut möglich, auf Frühstadien zu achten“, betont Bert Hanke. Nicht ohne Grund gebe es Vorsorgeuntersuchungen. Diese Möglichkeit sollten in der Regel Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren wahrnehmen. Wer jedoch bereits einen Fall von Darmkrebs in der Familie hatte, sollte deutlich früher zum Arzt gehen. Am besten 10 Jahre, bevor er das Alter erreicht, in dem der Verwandte erkrankte.

Eine solche Vorsorgeuntersuchung erfolgt meist in Form einer Darmspiegelung. Dabei kann laut Bert Hanke mithilfe eines Endoskops der komplette Dickdarm untersucht werden. Denn Tumore entstehen fast ausschließlich in ihm. „Polypen im Dünndarm sind eine absolute Rarität“, so Daniel Ensberg.

Grundsätzlich gibt es auch andere Untersuchungsmethoden als eine Darmspiegelung - zum Beispiel per Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT). Aber laut Daniel Ensberg sind mithilfe eines Endoskopes sehr viel genauere Befunde möglich. Und: Gibt es einen Befund und ein Polyp soll entfernt werden, ist eine Darmspiegelung ohnehin unumgänglich.

Gewisses Unbehagen

Wie Bert Hanke einräumt, verspüren viele Menschen im Hinblick auf eine solche Untersuchung ein gewisses Unbehagen. Unter anderem müssen sie eine bestimmte Spüllösung einnehmen, um den Darm zu reinigen. Die eigentliche Spiegelung sei allerdings schmerzfrei. Im Vorfeld erhalte der Patient eine sogenannte Schlafspritze. „Wir führen diese Vorsorge auch ambulant durch“, so Bert Hanke.

Wenn keine Polypen gefunden werden, ist die Untersuchung nach etwa 20 Minuten vorbei. Allerdings sei der Betreffende nach einer Schlafspritze 24 Stunden lang nicht geschäftsfähig. Und bevor es zur Darmspiegelung kommt, ist zunächst ein Termin mit einem Aufklärungsgespräch fällig. Weitere Informationen und die Möglichkeit der Terminabsprache gibt es bei Katharina Winter im Sekretariat der Inneren Medizin. Erreichbar ist sie unter der Nummer 03949/935 28 0.

Zu den möglichen Anzeichen einer Darmkrebserkrankung gehören unter anderem Blut im Stuhl und Bauchschmerzen. Aber: „Die Beschwerden kommen erst, wenn es zu spät ist“, bekräftigt Niklas Bien. Wenn sich bereits ein Tumor gebildet habe, gebe es chirurgische Behandlungsmöglichkeiten. Das gelte auch noch, wenn der Krebs in andere Organe, wie etwa die Leber gestreut hat. Eine Chemotherapie ist ebenfalls möglich.

Doch Bert Hanke betont noch einmal: Durch Vorsorge lasse sich die Entstehung dieser schweren Krankheit komplett vermeiden. Allerdings würden nur 30 Prozent der Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. „Das ist erschreckend wenig“, so Hanke. Männer würden diese Chance besonders selten ergreifen.

Der Chefarzt betont außerdem, dass die Bördeklinik verschiedene Möglichkeiten habe, besonders schonend zu arbeiten. Das fängt bei einem sehr flexiblen Endoskop an. Zum anderen werde der Darm für eine Spiegelung mit Kohlensäure aufgeblasen. Diese werde später durch die Darmwand abtransportiert und könne abgeatmet werden. Raumluft eigne sich nur bedingt für den Einsatz bei einer Darmspiegelung. Diese verbleibe zunächst im Darm und könne Beschwerden verursachen.

Wie Daniel Ensberg informiert, können Menschen auch ohne Dickdarm leben. Dieser entziehe seinem Inhalt vor allem Wasser. Bert Hanke ergänzt, dass die lebenswichtigen Nährstoffe dagegen im Dünndarm gewonnen würden.

Risiko verringern

Um das Risiko für Darmkrebs zu verringern, würden übliche Gesundheitshinweise gelten: Nicht rauchen, wenig Alkohol und eine ausgewogene Ernährung. Zum Abschluss unterstreicht Daniel Ensberg, dass nicht alle Beschwerden im Darm etwas mit Krebs zu tun haben müssten. „Der Darm ist ein Teil unserer Seele“, erklärt er. Nicht umsonst gebe es an Magen und Darm mehr Nervenzellen als im Gehirn. Es gebe viele Menschen, denen etwas „auf den Darm schlagen“ könne. Damit seien nicht einmal die verschiedenen Formen von Unverträglichkeiten gemeint.

Um über das Thema Darmkrebs sowie über die damit verbundenen Chancen und Risiken zu informieren, hatte die Bördeklinik eigentlich einen Aktionstag geplant. Er sollte am Sonnabend, 14. März, stattfinden. Geplant waren Vorträge, Rundgänge und ein überlebensgroßes Darmmodell. Allerdings wird der Aktionstag nicht stattfinden. Wie Klinik-Pressesprecherin Caterin Schmidt erklärt, liegt das an der Corona-Situation und einem Hinweis des Robert-Koch-Institutes. Danach sind große, öffentliche Veranstaltungen zu vermeiden.

Paragraph body