Hier kann die Telekom nun doch kein Vectoring-Breitband (bis zu 100 MBit/s) anbieten

Für mehr als 150 Haushalte im Ausbaugebiet der Telekom gilt das Unternehmensversprechen plötzlich nicht mehr. Folgende Straßen sind betroffen, die genauen Adressen (Hausnummern) liegen der Telekom vor. 

Harbke:

Am Bärengrund (11 Haushalte), Silberbreite (8), Zur Lustgartenbreite (23) 

Wefensleben: Bahnhofstraße (4 Haushalte), Graube (1), Kückenkorb (4), Rosenweg (27), Schwarzer Weg (5), Siedlung (1), Zechenhaus (3), Zechenhäuser Weg (6) 

Marienborn: Harbker Weg (3 Haushalte), Wiedebuschbreite (13), Wiesenweg (9) 

Belsdorf: Allendorfer Weg (31 Haushalte), Alleringerslebener Straße (9)

Obere Aller l 156 Haushalte in den Orten Harbke, Wefensleben, Belsdorf und Marienborn haben nichts vom viel angepriesenen Eigenausbau der Telekom – jedenfalls nicht, wenn sie Telekom-Kunde bleiben oder werden wollen. In bestimmten Bereichen „haben wir keine Chance mehr, dort Vectoring anzubieten“, bestätigt Unternehmenssprecher Georg von Wagner eine Meldung, die in den Gemeinden für Verwirrung und große Verärgerung sorgte.

Denn: Davon war während der Informationsveranstaltungen im Frühling noch keine Rede. Ganz im Gegenteil, die Telekom hatte im Rahmen der Versammlungen mehrfach versichert, dass alle Haushalte im Ausbaugebiet Zugang zum ertüchtigten Breitbandnetz erhalten würden. An diesem Versprechen – der damals zuständige Projektleiter gab den Bürgern gar sein „Ehrenwort“ – verschluckt sich die Telekom nun und entlädt sich der Frust der Betroffenen.

MDDSL beansprucht Vectoring-Ports

Von rechtlicher und technischer Seite her betrachtet, liegt kein Fehler der Telekom vor, sind es gegebene Gesetzmäßigkeiten, die dem Netzanschluss einen Riegel vorschieben. Pressesprecher von Wagner dazu: „Hintergrund ist, dass ein Mitbewerber der Telekom bei der Bundesnetzagentur Vectoring in den genannten Orten angemeldet hat. Daher sind uns die Hände per Gesetz gebunden. Kunden, die Vectoring-Geschwindigkeiten wünschen, können diese nicht bei der Telekom bekommen.“ Vectoring wird das Hybridverfahren genannt, bei dem vor allem, aber nicht ausschließlich die Glasfasertechnologie verwendet wird, um Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Download) zu erreichen.

Problem nun: Auf Vectoring kann, beziehungsweise darf lediglich ein Anbieter je Verteilerport zurückgreifen, Mitbewerber sind von der Nutzung ausgeschlossen – und von diesem Recht hat bereits das regionale Telekommunikationsunternehmen MDDSL Gebrauch gemacht. Wer in den betroffenen Straßen Vectoring-Geschwindigkeit wünscht, ist also automatisch an MDDSL gebunden. Die Telekom könne ihren Kunden hier laut eigener Auskunft lediglich DSL-Leitungen mit bis zu 16 MBit/S anbieten.

Auf die Frage, warum man den Anwohnern diesen Umstand nicht mitgeteilt hat und während der Informationsabende nicht einmal erwähnt wurde, antwortet die Telekom: „Das war uns damals nicht bekannt.“ Es gebe auch keine Umwegoption für Betroffene, ans T-Netz angeschlossen zu werden. Das lässt die Volks-Seele hochkochen. „Es war doch nie die Rede davon, dass es Haushalte geben soll, die keinen Breitbandanschluss bekommen“, sagt etwas Markus Plattner aus Marienborn. Sein Wohngebiet, die Wiedebuschbreite, steht auf der „roten Liste“, die insgesamt 16 Straßen auflistet, in denen das Telekom-Versprechen nicht mehr gilt. „Seitens der Telekom hat es sogar immer geheißen, dass in der Wiedebuschbreite keine Erdarbeiten stattfinden, da dort bereits Glasfaser verlegt ist“, so Plattner weiter. Er hatte sich also darauf verlassen, beste Voraussetzungen fürs schnelle Internet zu erfüllen.

Vertrag auf Anraten der Telekom gekündigt

Die kalte Dusche kam vor knapp zwei Wochen, als ihm mitgeteilt wurde, dass der sogenannte VDSL-Anschluss via Telekom nicht möglich sei. Plattner ist restlos bedient, hatte er doch auf Anraten der Telekom schon seinen bisherigen Vertrag gekündigt. „Und was richtig grotesk ist“, sagt Plattner verbittert, „nur wenige Meter vor den Straßenmündungen der Wiedebuschbreite hängt ein frisch verlegtes Glasfaserkabel vor einem Anschlusskasten aus dem Boden.“

Nützt offenbar alles nichts, der Breitbandzug in Magenta ist für Markus Plattners und 155 weitere Haushalte vorerst abgefahren. „Das Hauptproblem in der Sache ist, dass sich die Telekom tatsächlich zu weit aus dem Fenster gelehnt hat, indem sie den Leuten Zusagen und Versprechungen gegeben hat, die sie nun nicht halten kann“, sagt Thomas Malcher, Sprecher des Verwaltungsamts Obere Aller. Er sei persönlich dabei gewesen und nun ebenso enttäuscht von den Verantwortlichen. Malcher betont dazu, dass die Verbandsgemeinde selbst „keinen Einfluss auf das Eigenausbauprojekt der Telekom hatte oder hat.“ Verwaltungsseitig werde letztlich nur im Nachgang überprüft, ob die Telekom die Baustellen ihrer Tiefbautrassen und Gruben wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht hat.

Fertigstellung fest geplant

Dies wird, anders als geplant und von der Telekom angekündigt, erst im kommenden Jahr abschließend erfolgen. Demnach erfolgt die Fertigstellung des Netzbaus in Wefensleben, Belsdorf und Marienborn Anfang 2020 und somit knapp fünf Monate später als anvisiert. „Der Zeitverzug ist durch die große Menge von rund 20 Kilometer Tiefbau entstanden“, begründet Pressesprecher Georg von Wagner. „Auch konnten diese Arbeiten teilweise nicht wie geplant parallel, sondern mussten nacheinander ausgeführt werden, da die Ortschaften rund um die Autobahn A2 als Umleitungsstrecken bei eventuellen Stausituationen freigehalten werden müssen.“ Der Gemeindeverwaltung gegenüber, das legte Verbandsbürgermeister Frank Frenkel jüngst in der Ratssitzung dar, habe die Telekom den 20. Januar als Starttermin für VDSL-Buchungen in Wefensleben, Belsdorf und Marienborn genannt.

Mittlerweile erledigt sei der Telekom-Ausbau in Harbke, teilte das Unternehmen mit. Dort stehe 600 Haushalten das schnellere Internet zur Verfügung. Auch in Harbke war es zu einem zeitlichen Verzug von mehreren Monaten gekommen. Nach Abschluss des Projekts in der Oberen Aller können laut Telekom insgesamt rund 1800 Haushalte von ihrem Eigenausbau profitieren. Im neuen Netz seien Telefonieren, Surfen und Fernsehen gleichzeitig möglich. Die Telekom habe dafür dann 36 Kilometer Glasfaser verlegt, darüber hinaus 17 Verteiler neu aufgestellt oder mit moderner Technik aufgerüstet.