Ausleben l Das Erscheinen des Heimatheftes hat eine inzwischen achtjährige Tradition. In diesem Jahr werden sechzehn Beiträge von dreizehn Autoren präsentiert. „Wie schon in den vorangegangenen Jahrgängen stammt die Mehrheit der Beiträge von ehemaligen Auslebern, die heute in anderen Teilen Deutschlands leben. Sie sind immer noch mit ihrer Heimat verbunden und erinnern sich an ihre frühere Zeit in den jetzigen Ortsteilen gern zurück“, sagt der 81-jährige Ortschronist Peter S. Fischer. Er ist seit zwölf Jahren in dieser Funktion tätig.

Die Geschichten widerspiegeln in einer bunten Mischung die Geschehnisse früherer Zeiten in den vier Dörfern der großgemeinde Ausleben. Von der letzten „Trecke-Kau“ – einer Kuh, die einen Wagen zog – bis hin zum „höfischen Reiben“ im Ziegenstall. Es wird berichtet von den Ferien an der Grundschule und über die Notsituation in der schwierigen Nachkriegszeit. Die Leser bekommen einen Einblick in das, was die Vorväter früher bewegte.

Chronik behandelt 230 Begebenheiten

Als eine Premiere veröffentlicht der Heimatverein außerdem die 90-seitige Chronik mit dem Titel „Geschichten zur Geschichte“. Diese Schrift, angefertigt im Kontext der deutschen Historie, behandelt über 230 Begebenheiten in der Großgemeinde Ausleben und ihren Nachbardörfern. Die Chronik beginnt mit den Funden der sogenannten „Halberstädter Tassen“, die vor 4500 bis 5000 Jahren auf dem Ottleber Osterberg deponiert und 1953 von Archäologen ausgegraben wurden. Im Zeitfenster folgen die Erstbesiedlung durch die germanischen Warnen, die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Elb-Slawen, die ständige Bevormundung der Bauern durch die umliegenden Klöster und die Machtansprüche der halberstädter Bischöfe im Harzvorland.

Nach Thomas Müntzers Bauernkrieg, Martin Luthers Reformen und dem 30-jährigen Krieg wurden die vier Dörfer Teil des weltlichen Fürstentums Halberstadt und letztendlich dem brandenburgisch-preußischen Staat einverleibt. Den blutigen und folgenreichen Kriegen gingen Friedenszeiten nach, die zum Wiederaufbau und zur Verbesserung des Lebensstandards genutzt wurden. Schloss Trautenburg, das Herrenhaus in Üplingen sowie die „Rübenburgen“ der Großbauern sind Belege dieser fruchtvollen Zeiten. „Nach der französischen Besatzungsmacht, den zwei verheerenden Weltkriegen und 40 Jahren Sozialismus endet die Aufarbeitung der Geschichte von Ausleben mit der politischen Wende 1989“, erläutert Peter S. Fischer. „Aber sie wird nahezu täglich fortgeschrieben.“

Der Chronist hat die Auflistung der Begebenheiten über 1000 Jahre Geschichte geschrieben und zusammengestellt. In dem Werk steckt viel Herzblut. „Es gibt viele Quellen und Geschichten, die Broschüre bietet einen Überblick über die genannten Zeiten“, erzählt er. Es finden sich Meldungen über die Schließung des Schachts Leopold, Berichte über Dietrichs Ziegelei in Ottleben, die Gründung des Sportvereins Ausleben sowie eine Kritik am Ausleber Armenhaus. Auch die Neugestaltung der Feuerwehr, das 50. Jubiläum der Warsleber Chöre und die Entstehung der Bürgermeisterämter werden dokumentiert. Das Werk ist das Ergebnis jahrelanger Recherchearbeit des Chronisten und der Mitglieder des Heimatvereins.