Oschersleben l Zur Frühstücks- und Mittagszeit herrscht im großen, Licht durchfluteten Speiseraum der Oschersleber Matthias-Claudius-Haus-Stiftung im Neubrandslebener Weg reger Betrieb. Die Beschäftigten der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, deren Betreuer und Verwaltungsangestellte strömen in den Saal. Allesamt tragen sie wie selbstverständlich wegen der Corona-Pandemie Schutzmasken, die Nase und Mund bedecken. Vor der Speiseausgabe reihen sich Menschen mit und ohne Handicap in die Schlange ein. Immer genau darauf achtend, dass zwischen ihnen der Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten wird. Markierungen auf dem Boden helfen ihnen dabei.

Maske tragen kein Problem

In der Werkstatt der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung mit ihren Standorten im Neubrandslebener Weg und am Pfefferbach arbeiten etwa 360 Beschäftigte, die von 140 Mitarbeitenden angeleitet werden. In den Wohnstätten leben rund 150 Frauen und Männer mit Handicaps. „Unsere Beschäftigten, Bewohner und Betreuer haben die Hygenieregeln wegen der Corona-Pandemie fest verinnerlicht“, sagt Michael Lange, Geschäftsführer der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung, einer Einrichtung der diakonischen Behindertenhilfe. Maske tragen, Abstand halten und Hände desinfizieren sei ihnen sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen.

„Es läuft ganz gut“, bewertet Lange den Normalbetrieb unter diesen außergewöhnlichen Vorzeichen. Er und seine Mitarbeiter haben in der Stiftung die Strategie „Schützt euch, schützt uns“ ausgegeben, die seinem Bekunden nach von allen beachtet und eingehalten werde. Hinzu kommen feste Besucherregeln in der Stiftung und den Werkstätten sowie ein Einbahnstraßensystem, das die Menschenströme regele und dazu diene, das Zusammentreffen zu vieler Personen zu verhindern. In bestimmten Bereichen der Werkstatt sind außerdem Plastikscheiben zur Trennung von Arbeitsbereichen aufgestellt worden.

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Alle diese Maßnahmen zum Schutz vor der Pandemie haben bisher dazu geführt, dass sich in der Claudius-Haus-Stiftung kein Menschen mit Corona angesteckt habe. „Es liegt aber nicht in unserer Hand, ob es zu einem Fall kommt. Es kann uns jeden Tag erwischen“, gibt Lange unumwunden zu verstehen. Dazu seien die Kontakte, die die Beschäftigten und Angestellten außerhalb der Einrichtungen der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung haben, einfach zu vielfältig. Was für Lange jedoch kein Grund sei, um in Panik zu verfallen, sondern so gut wie möglich mit der Situation umzugehen und immer Vorsicht walten zu lassen.

Während des ersten Lockdowns durch die Corona-Pandemie, die die Claudius-Haus-Stiftung wie viele andere Einrichtungen des öffentlichen Lebens auch nahezu kalt erwischt habe, sei man jetzt in den Wellenbrecher-Lockdown weitaus vorbereiteter gegangen. Dazu gehöre nach den Worten von Lange auch, dass die Stiftung beim Gesundheitsamt des Landkreis Börde eine Teststrategie zur Vorsorge eingereicht habe. Die Krux dabei sei jedoch, dass sich die Stiftung die Tests auf dem Markt selber besorgen und bezahlen müsse. Woher das Geld dafür komme solle, könne die Gesundheitsbehörde nicht sagen. Um jeden Beschäftigten und Mitarbeiter einmal in der Woche auf Corona zu testen, seien nach Langes Einschätzung bis zu zwei komplette Personalstellen nötig. „Personaressourcen sind dafür nicht in Aussicht“, bedauert Lange. Der Geschäftsführer müsse leider feststellen, dass Behörden und Politik anders als im Gesundheitswesen die „Behindertenhilfe nicht auf dem Schirm haben“. Für ihn seien die politischen Eliten mehr bei „Sonntagsreden“ als bei der praktischen Hilfe unterwegs. „Jeder sitzt auf seinem Stück Feld und muss es beackern“, sagt er und meint damit, dass die Matthias-Claudius-Haus-Stiftung bisher gut beraten gewesen sei, sich selbst um den Schutz von Beschäftigten und Personal zu kümmern und sich nicht auf andere zu verlassen.

Investitionen verschoben

„Unser Vorteil ist, dass wir in der Werkstatt breit aufgestellt sind und Auftraggeber aus 20 Bereichen haben“, sagt Michael Lange zur Situation im produktiven Bereich der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung. Der Lockdown in der Wirtschaft mit Betrieben, die ihre Mitarbeiter wegen fehlender Aufträge in Kurzarbeit schicken, habe auch Auswirkungen auf die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Aufträge würden wegbrechen und müssten durch andere kompensiert werden. So habe ein Metallbaubetrieb aus dem Bördekreis wegen der Auswirkungen von Corona auf die Auftragslage nahezu dicht machen und dadurch die an die Werkstatt vergebene Arbeit stornieren müssen. Parallel dazu habe die Werkstatt der Stiftung einen großen Auftrag von einer Firma aus der Hygenieartikelbranche bekommen, so dass den Beschäftigten weiterhin Arbeit angeboten werden könne.

Bei den Investitionen steckt die Stiftung in ihrer Werkstatt wegen Corona jedoch zurück. So sei die Erneuerung des Fuhrparks vom Herbst in das Frühjahr verschoben worden, ebenso die Anschaffung einer neuen Mangel für die Wäscherei. Ein neues Hochregellager im Metallbereich werde erst im nächsten Jahr gebaut. „Wir müssen unser Geld zusammenhalten und liquide bleiben“, verdeutlicht Lange.

Als Ausgleich für den ausgefallenen besonderen Weihnachtsmarkt der Stiftung findet am 28. November in der Töpferei am Pfefferbach ein verkaufsoffener Samstag statt.