Oschersleben l Jeden Tag gibt der Landkreis Börde aktuelle Zahlen heraus. Dabei geht es um die Gesamtzahl der bisher registrierten Fälle, die aktuellen Infektionen, die Genesenen, die Verstorbenen und die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz. Doch diese Angaben beziehen sich stets auf das gesamte Kreisgebiet. Informationen zu den einzelnen Gemeinden gibt es nicht.

Zahlreiche Volksstimme-Leser hatten das in der Vergangenheit bereits bedauert. Sie wollten wissen, wie es mit der Pandemie in ihrer direkten Umgebung aussieht. Teilweise hatten sie darauf verwiesen, dass solche Details in anderen Landkreisen durchaus veröffentlicht werden. Allerdings hatte Landrat Martin Stichnoth bereits in einem Volksstimme-Beitrag erklärt: „Wir schlüsseln die Daten nicht für jede Gemeinde auf, da es dabei auch um personenbezogene Daten geht.“ Zu Beginn der Pandemie seien Daten eines Infizierten aus Klein Ammensleben herausgegeben worden, woraufhin Rückschlüsse auf die Person möglich gewesen seien.

Doch zumindest für das Oschersleber Stadtgebiet gibt es nun genaue Angaben. Bei der Stadtratssitzung am Dienstagabend präsentierte Bürgermeister Benjamin Kanngießer eine Momentaufnahme. Er erklärte: „Nachdem wir durch die erste Welle im März und April relativ glimpflich gekommen sind, hat sich die Lage bei uns in den letzten Wochen doch erheblich verändert.“ Die Zahl der positiv Getesteten sei in die Höhe geschnellt. Seit dem 9. März seien im Stadtgebiet insgesamt 224 Infektionen registriert worden. Aktuell gebe es 30 Fälle. Drei Bürger würden in einem Krankenhaus behandelt. Acht seien verstorben.

Bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz handelt es sich um die Zahl der binnen sieben Tage registrierten Fälle bezogen auf 100.000 Menschen. Sie dient der Vergleichbarkeit einzelner Regionen. Wie Bürgermeister Kanngießer mitteilte, lag dieser Wert am Dienstag für ganz Sachsen-Anhalt bei 152, für den Landkreis Börde bei 131 und für Oschersleben bei 187.

Zahlreiche Einrichtungen seien betroffen oder betroffen gewesen. Dazu zählten laut Benjamin Kanngießer die Kita in Neindorf, die Grundschule und der Hort „St. Martin“, die Kita „Regenbogen“, die Diesterweg-Grundschule, die Kita „4 Jahreszeiten“, die Internatsschule Hadmersleben, die Sekundarschule V, die Berufsbildenden Schulen, die Kita „Wawuschel“, die Kita „Tausendfühler“, das Kinderheim „Sternenhaus“ und das Kardinal-Jaeger-Haus.

Das habe nicht nur Auswirkungen auf die Kinder, die Erzieherinnen und Lehrerinnen gehabt. Viele Eltern hätten nicht zur Arbeit gehen können, weil sie entweder selbst unter Quarantäne standen oder ihre Kinder betreuten. Auch die Stadtverwaltung habe das gespürt. „Dennoch sieht die Lage bei uns im Haus so aus, dass wir über den ganzen Zeitraum seit März, obwohl wir auch positive Fälle in der Verwaltung hatten, weiterhin arbeitsfähig waren“, informierte das Stadtoberhaupt. Größere Einschränkungen habe es nicht gegeben.

In den Kitas sei das jedoch mitunter anders gewesen. Zum einen durch Quarantäne, aber auch durch einen erhöhten Krankenstand. Auf den Einsatz von Springern habe man zuletzt verzichtet, um das Infektionsrisiko aus einer Einrichtung nicht in eine andere zu tragen. Wie Benjamin Kanngießer berichtete, habe man in einigen Fällen die Betreuungszeiten einschränken müssen. Teilweise habe man nur eine Notbetreuung anbieten können. Doch die stehe durch die neue Verordnung nun ohnehin flächendeckend an.

Trotzdem hatte der Bürgermeister auch eine gute Nachricht: Im Rahmen eines gemeinsamen Außendienstes mit der Polizei und dem Ordnungsamt des Landkreises habe die Stadt Kontrollen durchgeführt. „Dabei konnten wir im Großen und Ganzen feststellen, dass doch alle sehr diszipliniert sind und sich an die geltenden Corona-Maßnahmen halten“, sagte Benjamin Kanngießer.

Im gesamten Kreisgebiet sind derzeit 281 Menschen mit Corona infiziert. Laut Angaben der Kreisverwaltung wurden am Mittwoch 104 neue Infektionen registriert. Sechs Personen gelten dagegen wieder als genesen. 31 Menschen sind bislang verstorben. Insgesamt seien seit dem 9. März 1425 Infektionen durch ein Labor bestätigt worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz wird mit einem Tag Verzögerung mitgeteilt. Sie habe am Dienstag exakt bei 152,70 gelegen.