Oschersleben/Gemeinde Westliche Börde l Die Sonne scheint, Menschen sind in der Innenstadt unterwegs, die Läden haben offen: Der Ausnahmezustand sieht anders aus. Auch in den meisten Oschersleber Geschäften schien die Lage gestern weitgehend normal - abgesehen von Engpässen bei Toilettenpapier und Desinfektionsmitteln.

Kurze Übergangsfrist

Ein anderes Bild bot sich allerdings in den Schulen und Kindertagesstätten. Dort gibt es seit dieser Woche nur noch die Notbetreuung. Das heißt: Bis zum 13. April sind Kitas und Schulen offiziell geschlossen. Heute greift noch eine Übergangsfrist. Danach gilt: „Betreut werden ab 18. März Kinder bis zum 12. Lebensjahr, wenn beide Erziehungsberechtigten, oder der Alleinerziehende zur Gruppe der unentbehrlichen Schlüsselpersonen gehören und sich eine Betreuung anders nicht organisieren lässt.“ So steht es auf der Internetseite des Sozialministeriums.

Keine Proteste

In Oschersleben scheint das zu funktionieren. „Es läuft gut“, erklärte Stadt-Pressesprecher Mathias Schulte. Nur noch sehr wenige Kinder hätten die Einrichtungen in Trägerschaft der Stadt besucht. Die meisten Eltern hätten für eine anderweitige Betreuung sorgen können. „Wir wissen, dass für viele Eltern existenzielle Fragen daran hängen. Aber wir setzen nur die Auflagen des Landes um“, verdeutlichte Schulte. Ihm seien jedoch keine Fälle bekannt, in denen Eltern nachdrücklich protestiert hätten.

Ein konkretes Beispiel für die neue Situation bietet die Förderschule in Klein Oschersleben. Allerdings befindet sie sich in Trägerschaft des Landkreises. Normalerweise wird die Einrichtung von 145 Mädchen und Jungen aus 47 Orten besucht. Gestern nahmen zwei Kinder die Notbetreuung in Anspruch. Nächste Woche soll ein weiteres Kind hinzukommen. Der Weg zur Schule werde über eine Sonderbeförderung organisiert.

Lehrer sind online

Über das Fachnetzwerk „IT-Schulstrukturen gemeinsam entwickeln“, in dem Schulleiterin Silke Heick aktiv mitarbeitet, wurden bereits am vergangenen Wochenende Mittel und Wege gesucht und gefunden, die Schüler online zu beschulen. „Wir haben in den letzten Tagen damit begonnen, eine Materialsammlung, Lernen in Zeiten der Schulschließung, Materialsammlungen, Unterrichtsideen und Selbstlernkurse für die kommenden Wochen zusammenzustellen“, berichtet Silke Heick. Das nun dringend notwendige Material für das digital-vernetzte Lernen ist im LiGa-Online-Campus für Grundschulen und Förderschulen für weiterführende Schulen einschließlich Förderschulen. Es gibt einen Newsletter, mit dem die Schulen informiert werden.

Übergangsphase geht heute zu Ende

Der Montag wurde von der Förderschule genutzt, um zu erfragen, welche Möglichkeiten es gibt, auch die Mädchen und Jungen der Förderschule online zu beschulen, welche technischen Voraussetzungen zu Hause hinsichtlich des Internets und der Endgeräte gegeben sind. Das Gros der Schüler ist entsprechend ausgestattet. „Wir werden mehrere Kanäle nutzen, um unsere Kinder zu beschulen. In diesen Zeiten sind kreative Ideen und individuelle Lösungen gefragt“, meint Silke Heick.

Erzieherinnen reduziert

In der Kindertagesstätte Sankt Franziskus in Oschersleben waren von den 48 Kita-, 22 Krippen- und 72 Hortkindern gestern sechs zur Betreuung gekommen. Einrichtungsleiterin Kristin Hohmann zeigte sich positiv überrascht, dass nur wenige Kinder betreut werden mussten. Von den 15 Erzieherinnen werden ab dieser Woche drei und die Leiterin selbst in der Einrichtung sein. Sollten ab Mittwoch keine Kinder hinzukommen, werde es bei der Erzieherzahl bleiben. Inwiefern es dann weitergehe, sei noch nicht abzusehen.

Auch in den DRK Kindertagesstätten „Vier Jahreszeiten“ und „Tausendfühler“ gibt es eine Notbetreuung. „Wir mussten auf ein Minimum herunterfahren und gucken, was der Landkreis bereitgestellt hat“, sagt Leiterin Daniela Willenius Russ. Man müsse nun von Tag zu Tag denken.

Überstunden abbauen

In den sieben Kindereinrichtungen der Verbandsgemeinde Westliche Börde ist ebenfalls die Notbetreuung angelaufen. Bürgermeister Fabian Stankewitz berichtet, dass sich die Kinderzahlen im „Einhandbereich“ bewegen, sprich: selten werden mehr als fünf Kinder betreut. „Wir müssen abwarten, wie sich das weiter entwickelt, es ist ja alles noch sehr frisch. Gehen die Kinderzahlen weiter zurück, müssen wir möglicherweise über eine Bündelung nachdenken. Was vom Land laut Runderlass allerdings nicht gewollt ist. Zur Hortbetreuung kann ich noch nichts sagen. Es ist alles noch sehr vage“, so Stankewitz. Die Erzieher bauen Überstunden ab, würden Urlaub nehmen oder in den Einrichtungen Arbeiten erledigen, für die oftmals im täglichen „Geschäft“ die Zeit fehlt. Dazu gehört beispielsweise die Arbeit an den Bildungsportfolios der Kindereinrichtungen.