Bodewehr

Diskussion geht weiter

Die Diskussionen um den angekündigten Rückbau des Oschersleber Bodewehres reißen nicht ab.

Oschersleben l Die Oschersleberin Katrin Klenke teilte gegenüber der Volksstimme ihre Befürchtungen mit, dass sich durch den Rückbau des Bodewehres der Grundwasserspiegel vor allem im Großen Bruch, der als Feuchtgebiet ausgeprägten Talniederung, zum Negativen ändert. „Sollte das Wehr entfernt werden, kommt es zudem langfristig zu einer Entwässerung der Landwirtschaftsflächen rechts und links der Bode. Die Besonderheit liegt darin, dass dies ein ehemaliges Sumpf- beziehungsweise Moorgebiet war. Diese Schicht besitzt eine Mächtigkeit von rund zehn Metern. Würde die Wasserversorgung ausbleiben, kommt es zukünftig zur Versteppung der Flächen“, schätzte die Oschersleberin ein.

„Bezüglich der Auswirkungen einer Außerbetriebnahme des Wehres auf die Grundwasserverhältnisse wurde 2010 ein hydrogeologisches Gutachten erstellt“, teilte Christoph Ertl vom zuständigen Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) auf Volksstimme-Nachfrage mit. Demnach würden auf einer Breite von bis zu 1000 Metern im rechten und linken Vorland der Bode und ausgehend vom Wehr bis etwa 500 Meter nördlich von Hordorf Absenkungen des Grundwasserspiegels von 25 bis 50 Zentimetern auftreten. „Auf einer Breite von bis zu 3000 Metern ergeben sich Absenkungen von bis zu 25 Zentimetern. Im direkt an die Bode angrenzenden Bereich liegen diese bei maximal 75 Zentimetern“, hieß es in der Stellungnahme weiter. Hierbei sei jedoch zu berücksichtigen, dass das Wehr bereits seit acht Jahren außer Betrieb ist.

Beim oberflächennahen Grundwasserleiter handelt es sich um durch Flüsse abgelagerte Sedimente beziehungsweise um erdgeschichtlich in jüngerer Zeit eingelagerte Kiese. „Diese haben eine Mächtigkeit von bis zu 15 Metern. Dabei werden die Kiese von ein bis vier Meter starken Aue-Lehm- beziehungsweise Lößbildungen bedeckt, wodurch es zum Teil zu gespannten Grundwasserverhältnissen im Flussauenbereich kommt“, urteilte Christoph Ertl weiter. Unter den genannten Kiesablagerungen befänden sich überwiegend mächtige Ablagerungen aus sandigem bis kiesigem Material.

Im vergangenen Jahr hatte der LHW die Pläne für den Rückbau des über 100-jährigen Oschersleber Wahrzeichens vorgelegt. Der marode Zustand des Wehres lasse keine andere Möglichkeit zu, hieß es. Schon im Jahr 2008 wurde der bauliche Zustand von den Verantwortlichen als „äußerst bedenklich“ eingeordnet. Eine Sanierung des Postkartenmotivs würde über eine Million Euro kosten.

Mehrere Initiativen, das Wehr zu erhalten beziehungsweise wieder aufzubauen, scheiterten. Unter anderem war der Bau einer Turbine zur Stromerzeugung geplant. Doch die Kosten für eine grundhafte Sanierung der vorhandenen Bausubstanz wären zu hoch ausgefallen – und brachte zudem die Angler auf den Plan.

Laut den LHW-Plänen sollen das Walzenwehr, die Mittelinsel und das Schützenwehr rückgebaut werden. Angrenzende Ufermauern sollen teils abgetragen und mit begrünten Bermen, also Absätzen im Deich, vor Strömungsangriff gesichert werden. „Der ausgespülte nördliche Übergangsbereich zum Großen Graben wird verfüllt und ebenfalls begrünt“, hatte der LHW zu seinen Plänen weiter mitgeteilt. Hier soll auch das Walzenwehr als Erinnerung an das Bauwerk in Form eines Denkmals einschließlich Erinnerungstafel verbleiben. Der Baubeginn könnte im Jahr 2018 erfolgen.

Die Pläne stießen bei den Bürgern auf große Resonanz. So waren wenig später die Bürgerinitiative „Rettet das Bodewehr“ gegründet und 2350 Unterschriften gesammelt worden. In der letzten Stadtratssitzung des vergangenen Jahres wurden die Papiere der Stadtverwaltung übergeben.

Die Diskussionen um den Rückbau des Bodewehres reißen indes nicht ab. Der Volksstimme-Leser Dieter Kaiser aus Oschersleben steht den Abrissplänen skeptisch gegenüber. „Man sollte das erhalten, was wir haben“, sagte er gegenüber der Volksstimme. „Wir haben früher, als wir noch jung waren, oft am Sanneföhr, einer Stelle in der Bode, nach Fischen gegrabbelt. Dass heute keine Fische mehr da sind, hat doch mit dem Bodewehr nichts zu tun. Das gab es damals schon“, erzählt der Rentner.

Etwas nüchterner sieht es Rainer Mock aus Wulferstedt. „Eine Sanierung der Ruine oder gar der Bau eines neuen Wehres würde hohe Investitionen erfordern. Ein Neubau wäre auch kein Denkmal“, stellt er in seiner Leserzuschrift fest. Auch der sensible Schutzstatus der gesamten Bode mache einen Wiederaufbau rechtlich kaum möglich. Um zumindest einen Teil des Wehres als Denkmal zu erhalten, schlägt Rainer Mock als Kompromiss vor, Teile des Bauwerks auf den Deich zu stellen und somit zur Ansicht zu erhalten. „Auf großen Schautafeln kann man das komplette alte Wehr, seine Geschichte und zugleich die des Großen Bruchs darstellen und auch den Wandel der Zeit“, findet der Volksstimme-Leser. Ferner könne hier ein Rastwanderplatz für Radler entstehen.

Dafür spricht sich auch eine Oschersleberin aus, die anonym bleiben möchte. „Da ich bereits im vorgerückten Alter bin und auf dem Damm wohne, bin ich im wahrsten Sinne des Wortes ‚ein Kind der Bode‘ und ihrer Umgebung“, schreibt die Seniorin. Auch ohne Funktion könnten Denkmale die Orte verschönern. „Dem Vorschlag des Vorsitzenden des Vereins ‚Emmeringer Kirche und Kunst‘, Lutz Bittner, eine Arbeitsgruppe zu bilden und ein städtisches Konzept zu erarbeiten, stimme ich gern zu“, schreibt die Leserin weiter.

Wie Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) im jüngsten Neujahrsinterview der Volksstimme erklärt hatte, wurden die durch die Bürgerinitiative „Rettet das Bodewehr“ gesammelten Unterschriftenlisten mittlerweile an den Landesbetrieb für Hochwasserschutz weitergeleitet.

Damit soll einem gemeinsamen Schreiben der Fraktionsvorsitzenden zum Erhalt des Bodewehres mehr Gewicht verliehen werden. Für das erste Quartal sei ein Informationsgespräch mit allen Beteiligten vorgesehen, hatte das Stadtoberhaupt erklärt.