Oschersleben l Gut versteckt sitzen sie in der Eibe von Karl-Dieter und Karina Knopf, die in der Einfahrt steht. „Wenn die Sonne scheint, dann sieht man sie besser“, sagt Karl-Dieter Knopf. Seit etwa vier Jahren haben die Waldohreulen den großen Nadelbaum als vorübergehendes Zuhause ausgewählt. Zu Beginn seien es nur zwei Eulen gewesen. Von Jahr zu Jahr wurden es mehr. Etwa 15 Eulen zählte das Ehepaar Knopf dieses Mal. Bis März bleiben sie nun noch.

Familienverband ist vermutlich Untermieter

Um über die Sichtung der Eulen auf ihrem Grundstück zu informieren, nahm das Ehepaar Knopf Kontakt zu Herbert Bilang auf. Er ist seit Jahren im Naturschutzbund (Nabu) tätig und setzt sich unter anderem für den Eulenschutz ein. Ein Mal die Woche zählt das Ehepaar die Eulen und notiert die Zahl in einem Erfassungsbogen Dieser wird an Bilang weitergeleitet. Er nimmt an, dass es sich um einen Familienverband handelt, also Altvögel und Jungvögel. In letzter Zeit seien kaum noch Plätze mit mehr als zehn Eulen gesichtet worden.

Herbert Bilang erklärt, dass die Waldohreulen sich ab Ende Oktober ihren Winterschlafplatz suchen. Zum Ehepaar Knopf kamen die Tiere bereits im September des vergangenen Jahres. Meist suchen sich die Eulen Laubbäume als Unterschlupf. Fällt das Laub ab, ziehen sie in Nadelbäume um. Hier seien die Eulen mit ihrem gelblich braunen Gefieder vor dem Ärger mit kleinen Vögeln, wie dem Sperling, geschützt. „Eulen sind Standvögel. Sie bleiben im Winter bei uns“, erklärt Herbert Bilang. Warum die Waldohreulen sich seit etwa vier Jahren die Eibe der Knopfs als Winterdomizil aussuchen, weiß der Eulenexperte: „Die Schlafplätze werden teilweise über Jahrzehnte genutzt“. Er vergleicht dies mit Menschen. Schließlich würden auch Menschen mehrmals Male einen Urlaubsort besuchen, wenn er ihnen gefällt. Außerdem baut sich die Waldohreule kein eigenes Nest. „Sie sind angewiesen auf alte Nester von Krähen oder Elstern“, sagt Bilang. Das Nahrungsangebot kann ebenfalls ein Grund für die Rückkehr der gefiederten Tiere sein. Dass sie genügend Nahrung finden, zeigt sich in der Einfahrt von Karl-Dieter und Karina Knopf. Hier liegen neben Kot auch zahlreiche Gewölle. So bezeichnet man die unverdaulichen Nahrungsreste, die von der Eule ausgewürgt werden. Diese enthalten Knochen und Fellreste. Auf dem Speisezettel der Waldohreule stehen Mäuse. Diese werden in der Nacht gefangen. „Die Eulen müssen drei Beutetiere in einer Nacht fangen“, erklärt Herbert Bilang. Acht Stunden braucht sie dann, um ihre Nahrung zu verdauen. Eine Eule vertilgt im Jahr etwa 1000 Nagetiere.

Bei Anbruch der Dunkelheit gehen die Eulen auf Beutejagd. Dann setzen sie sich, bevor es richtig losgeht, in die Kiefer im Garten der Knopfs. Dieses Schauspiel beobachtet das Ehepaar sehr gern. Dann könne man die beeindruckenden Tiere aus nächster Nähe beobachten. Auch ihre Enkelkinder schauen gerne nach den Eulen. „Das ist die Attraktion“, sagt Karina Knopf. Am Tage schlafen die Eulen. Der natürliche Feind der Waldohreule ist der Uhu. Diesen gibt es jedoch in Oschersleben nicht. „Der einzige Feind ist der Mensch, wenn er die Brutplätze zerstört“, sagt Herbert Bilang. Er bittet darum, die Brutplätze nicht zu zerstören.

Waldohreulen aus nächster Nähe

Im Januar geht es für die Waldohreule auf die Balz. Dann rufen sie sehr leise „huh“. Dieser Ruf dient der Reviermarkierung. Bei der Flugbalz schlagen die Männchen und Weibchen während des Fluges kurz ihre Flügel unter dem Körper zusammen. Das ist als typisches Klatschgeräusch zu hören. Zum Brüten zieht es die Waldohreulen in Parks, Friedhöfe oder große Gärten.

Alle Eulenarten sind in ihrem Bestand gefährdet. Hauptgefährdungsquellen sind Zusammenstöße mit Fahrzeugen oder Zügen und auch das Fällen der Bäume, die als Brut-und Schlafplätze genutzt werden. Das Bundesnaturschutzgesetz besagt, dass die Waldohreule eine streng geschützte Art ist. Brut-und Schlafplätze dürfen deshalb nicht gestört werden. In Sachsen-Anhalt gibt es laut Herbert Bilang etwa 2000 Brutpaare. Sie kommt neben dem Waldkauz am häufigsten vor.

Karl-Dieter und Karina Knopf wollen den Waldohreulen auch im kommenden Herbst wieder einen Unterschlupf in ihrer 70 Jahre alten Eibe gewähren. Sie planen außerdem auf ihrem Grundstück an der Bode, in Abstimmung mit Herbert Bilang, Schleiereulen zu beherbergen. „Wir wollen sehen, ob wir im Pferdestall Kästen anbringen“, sagt Knopf. Denn die Kästen nutzt die Schleiereule als Nisthilfe. Dann könnte auch hier bald die Mäusejagd beginnen.