Oschersleben l Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) erinnerte in seiner Begrüßungsrede an die Besonderheit des Festes in diesem Jahr. So besteht der Wiesenpark seit nunmehr 110 Jahren. „Am 2. September 1908 hatte der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen, den Wiesenpark anzulegen. Die Stadtverordneten waren allerdings sehr skeptisch“, wusste der Bürgermeister, der die Fakten aus der archivierten Tagespresse von einst entnommen hatte. Nach einem Vor-Ort-Termin habe der Magistrat die Räte überzeugen können, für 8700 Reichsmark die Anlage herzurichten. Das erste Tiergehege für Hirsch Roland sei im Jahr 1930 entstanden. Die Zahl der Tiere stieg allerdings erst gut 50 Jahre später mit dem Bau weiterer Gehege. „Die Anlage wird auch von der Bevölkerung aus Orten genutzt, die teilweise weit weg von Oschersleben liegen. So kommen die Besucher beispielsweise aus Magdeburg, Halberstadt und dem Harz“, hob der Rathauschef die Bedeutung des Wiesenparks hervor. Außerdem dankte der den Mitgliedern des Fördervereins und all jenen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben.

Tierpaten besuchen Schützlinge

Bereits kurz nach 10 Uhr füllten sich die Wege des Oschersleber Kleinods. Eine Besucherin war Hilde Göthling aus Seehausen. Mit einem Eimer am Zaun des Ziegengeheges postiert fütterte die rüstige Seniorin die Geißen und Böcke. „Ich darf das“, sagte die Rentnerin freundlich und fügte hinzu: „Ich bin hier, um meine Patenziege Klara zu füttern.“ Im Jahr 2011 habe sie den Wiesenpark besucht, um eine Tierpatenschaft zu übernehmen. „Am Ziegengehege angekommen war Klara das erste Tier, welches auf unsere Rufe hörte“, erinnerte sich die Seehäuserin.

Auch Mitglieder der Händlergilde Oschersleben waren beim Wiesenparkfest anzutreffen. „Wir haben eine Tierpatenschaft gleich für mehrere Jahre übernommen“, berichtete Katrin Klenke. „Seit 110 Jahren ist der Wiesenpark Treff von Generationen, den es zu erhalten gilt“, sagte sie weiter. Ferner bestünden zum Wiesenparkförderverein gute persönliche Kontakte, so dass sich gegenseitig geholfen werde. „Wir wollen Oschersleben nach vorne bringen und der Wiesenpark gehört dazu“, ergänzte Volkmar Klaus.

Bilder

Für einen großen Andrang sorgten unterdessen die Nachwuchsartisten der „Awolinos“. Dicht gedrängt standen die Zuschauer im Halbkreis um die Zirkustruppe und verfolgten die teils waghalsigen Kunststücke auf der Kugel oder am Vertikaltuch.

2000 Euro durch Spendenlauf

Auch auf dem Platz des Hundesportvereins Oschersleben war allerhand los. Die Mitglieder nutzten die Feierlichkeiten, um einen Wettkampf zu veranstalten. „Wir führen heute eine Begleithundeprüfung durch. 20 Teilnehmer aus der ganzen Region machen mit und kämpfen um den Wiesenparkpokal“, erklärte Leistungsrichter Rolf Eberhardt.

Derweil amüsierten sich die Besucher auf der Händlermeile. Hier galt es allerhand zu probieren und zu kaufen. Beliebt war unter anderem der Wiesenpark-Honig von Virginia Heydt. Seit mehreren Jahren steht eines ihrer Bienenvölker auf dem Gelände des Ausflugsziels, damit die Insekten fleißig die Blüten in der Nähe anfliegen und Nektar sammeln. Eine kleine Vorführung der Imkerin zog viele Schaulustige an.

Am frühen Nachmittag begann es dann zu regnen. Doch davon ließen sich die Gäste ihre Laune nicht verderben. Noch immer war der Wiesenpark rammelvoll. Ein Grund war wohl der Besuch des Ex-FCM-Spielers Marius Sowislo. Der Sportler war als Botschafter der Mitteldeutschen Kinderkrebsforschung nach Oschersleben gekommen. Über einen Spendenlauf wollten die Organisatoren, allen voran Dirk Weinrich, Geld für die Stiftung generieren. „Marius war der absolute Höhepunkt des Tages. Er war von seinen Fans so dicht umlagert, dass er mehr als eine halbe Stunde brauchte, um sich zu uns durchzukämpfen“, berichtete René Herbert, Vorsitzender des Wiesenparkfördervereins. Begeistert erfüllte der Fußballer jeden Autogramm– und Fotowunsch, bevor er die Siegerehrung des Spendenlaufs vornehmen konnte.

Dank gilt den Helfern

Im Vorfeld hatte sich jeder Läufer einen Sponsoren zu suchen, der pro gelaufene Runde einen zuvor ausgehandelten Betrag zu spenden hatte. Die längste Strecke bewältigte übrigens Monique Glockzien von den Mini-Marathonis aus dem Sülzetal mit 36 gelaufenen Runden. „Damit schaffte die 18-Jährige also etwa zehn Kilometer“, erklärte Herbert weiter. Auch die Leistungen von Läufern der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung hob der Vereinschef besonders hervor. „Trotz Regens sind sie alle weitergelaufen“, berichtete Herbert. Die jüngste Teilnehmerin sei ein Jahr alt gewesen und habe das 300-Meter-Rund mit ihrem Papa etwa eineinhalb Mal geschafft. Die größte Einzelspende steuerten unter dessen die Handballer des Vereins Lok Oschersleben bei. Am Ende kam die stolze Summe von 2 000 Euro zusammen, 500 Euro mehr als René Herbert zuvor erhofft hatte.

„Das war eine richtig tolle Veranstaltung. Hiermit spreche ich persönlich allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dank aus. Dies gilt natürlich auch den Vorstandsmitgliedern des Fördervereins sowie all jenen, die mit ihrer Unterstützung zum Gelingen des Wiesenparkfestes beigetragen haben“, resümierte René Herbert.