Oschersleben (vs) l „Bis Anfang der 1990er Jahre galt der Äschenbestand in der Bode laut Fischartenatlas des Landes Sachsen-Anhalt als schier unerschöpflich, so dass regelmäßig Massenfänge an nur einem Tag möglich waren“, teilte Heimo Reilein, stellvertretender Vorsitzender und Gewässerwart des Angelvereins Oschersleben/Bode und Umgebung (AVO), in einer Presseerklärung mit. Doch mit dem Einsetzen von großen Schwärmen des Kormorans fielen die Vögel über die Fische her, so dass der Äschenbestand aus Sicht der Angler völlig zusammengebrochen sei. Als Freiwasserfische seien Äschen besonders anfällig und stellten leichte Beute für die fischfressenden Vögel dar, die sehr effektiv im Verband jagen würden und dadurch große Schäden bis hin zum Artenverlust in einem Gewässer anrichten könnten.

Vor diesem Hintergrund und um den Äschen zu alter Stärke zu verhelfen, legte der AVO ein dreijähriges Programm zur Wiederansiedlung auf, das mit Mitteln aus der Fischereiabgabe gefördert wurde. Die Angler setzten mehrere Tausend Jungfische zwischen Gröningen und Oschersleben in die Bode ein. „Etwas später beauftragte das Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt das Institut für Binnenfischerei in Potsdam mit wissenschaftlichen Untersuchungen, um mögliche weitere Ursachen für den Bestandsrückgang zu ermitteln und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen abzuleiten“, sagte Reilein. Im Verlauf des Projekts stellte sich heraus, dass eine elektronische Besenderung einzelner Fische erforderlich sei, um die Wanderungen beziehungsweise den Verbleib der Äschen zu klären.

„Erfreulicherweise können wir aktuell feststellen, dass wieder regelmäßig Jungfische gefangen werden und unsere Bemühungen somit augenscheinlich erfolgreich waren“, freute sich der Gewässerwart. Um die positive Entwicklung weiter voranzutreiben, sollten in jedem Fall neue Laichplätze geschaffen oder ältere aufgewertet werden, die aktuell funktionsuntüchtig erscheinen. Von einer derartigen Maßnahme würden nicht nur die Äschen, sondern auch alle anderen kieslaichenden Arten in der Bode profitieren. Ein Aspekt, der gerade mit Blick auf die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie und die Erhaltungsziele des Natura 2000 Gebietes ,,Bode und Selke im Harzvorland“ von großer Bedeutung sei.

Als weitere Maßnahme zur Wiederherstellung der alten Bestandsdichte streben die Mitglieder des Angelvereins Oschersleben derzeit ein absolutes Fangverbot in ihrem Pachtabschnitt an, das im Erfolgsfall umgehend wieder aufgehoben werde. Andernorts haben sich derartige Maßnahmen bewährt, so dass die Angler mit etwas Glück und weiteren ehrenamtlichen Aktivitäten zukünftig wieder auf gute Äschenbestände blicken und sich anderen Arten widmen könnten, denen es aktuell auch nicht sehr gut gehe.