Wefensleben l Mit einem gehörigen Maß Anspannung wird Wenke Marschke aus Bottmersdorf am 27. Februar die Sitzung des Kreistags in Haldensleben verfolgen, dabei besonders die Abstimmung über das umstrittene Projekt Förderschulcampus. Wenke Marschke ist Elternvertreterin der Förderschule „Miteinander“ in Wefensleben und entschieden gegen das Vorhaben des Landkreises.

Argumente seien "abenteuerlich"

Die Argumente, die gegen die Wefensleber Schule vorgebracht werden, hält Marschke für „teilweise sehr abenteuerlich“ und „insgesamt übertrieben“. Dass die Elternvertretungen noch gar nicht zu der brisanten Thematik angehört wurden, sei „ein Unding“. Es fühle sich an, als wolle der Landkreis auf die Schnelle vollendete Tatsachen schaffen, um dann den Förderschulcampus in Klein Oschersleben durchzuboxen.

Um das zu verhindern, haben Marschke und andere engagierte Eltern kurzerhand Protest angerührt. Als sie erfahren haben, dass bereits am 27. Februar ein Grundsatzbeschluss in der Förderschulfrage zur Abstimmung im Kreistag stehen soll, haben sie eine Unterschriftensammlung gestartet. Die Listen – die Auswertung war bei Redaktionsschluss noch nicht erfolgt – sollen im Vorfeld der Sitzung an die Kreistagsmitglieder übergeben werden. Marschke hofft, dass damit noch einmal ein Zeichen gesetzt wird im Sinne der Kinder, Eltern und Lehrer.

Unterschriften wurden gesammelt

Denn: „In Wefensleben würde eine gewachsene, funktionierende Struktur zerschlagen werden.“ Sie spricht aus eigener Erfahrung. Sohn Niklas ist jetzt 18 Jahre alt und wird die Förderschule „Miteinander“ im Sommer in Richtung Arbeitswelt verlassen. Nach der sechsten Klasse kam Niklas nach Wefensleben. Seine Mutter hatte „alles daran gesetzt – und es war die beste Entscheidung, die ich überhaupt treffen konnte“. Ihr Sohn habe „hier das schulische Umfeld gefunden, das er brauchte“, jetzt ist er im Abschlussjahrgang und WG-Mitglied der Trainingswohnung, die von der „Miteinander“-Schule seit vielen Jahren erfolgreich betrieben wird.

Ihr gehe es nicht um den eigenen Sohn, betont Wenke Marschke, er sei ja von den Plänen nicht mehr betroffen. „Aber es geht mir um alle, die danach kommen. Allein schon dieses Projekt Trainingswohnung ist so viel wert für die Schüler, weil sie dabei alles lernen, was der eigene Alltag später mit sich bringt. Nicht nur ich habe erhebliche Zweifel, ob so etwas in Klein Oschersleben zu bewerkstelligen wäre. Selbst wenn, müsste alles neu aufgebaut werden – und damit meine ich keine Häuser und Klassenräume, sondern Konzepte, Partnerschaften und Kontakte.“

Funktionierendes Angebot in Wefensleben

Das nämlich sei in Wefensleben längst gegeben, so Marschke: „Die WG beziehungsweise die ganze Schülerschaft ist Teil der Gemeinde, es ist eine gute Infrastruktur vorhanden, und es besteht eine ausgezeichnete Beziehung zu Nachbarn, Unternehmen und Institutionen.“

Einwohnerin Christel Ebeling bestätigt diese Auffassung und ergänzt: „Schule und Schüler sind hier bestens aufgehoben. Und wer sich mal selbst ein Bild macht, wird feststellen, dass die Schule keineswegs ‚stark sanierungsbedürftig‘ ist, wie es der Landkreis behauptet.“

Als Bürgerin und Wählerin fügt Ebeling hinzu: „Was der Landkreis da vorhat, ist gewiss im Sinne der Finanzen, aber nicht im Sinne der Kinder.“ Auch sie werde die Sitzung in Haldensleben interessiert verfolgen.

Mehrere Einrichtungen seien besser

Was die Sanierungsbedürftigkeit im Hause „Miteinander“ anbelangt, legt auch Wenke Marschke nochmal nach: „Letztlich geht es da um Brandschutzauflagen, die allesamt lösbar sind und aus unserer Sicht kein stichhaltiges Argument für einen Campus-Neubau liefern.“ Auch die von Kreisdezernentin Iris Herzig für den Standort Klein Oschersleben jüngst angepriesene „zentrale Lage im Südkreis“ kann Marschke nicht erkennen. In der Tat ist eine zentrale Lage allenfalls zwischen den Gemeinden Oschersleben und Sülzetal vorhanden, wobei die geografische Lage für Marschke eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Sie selbst hat sich seinerzeit trotz der Nähe ihres Wohnorts Bottmersdorf bewusst gegen Klein Oschersleben und für den deutlich längeren Schulweg von Niklas nach Wefensleben entschieden. „Es kommt eben auf den Inhalt an, der individuell ganz verschieden funktioniert“, so Marschke, „und da finde ich es gut, dass es mehrere Fördereinrichtungen gibt statt alles auf einen Standort zu konzentrieren.“

Lehrer dürfen oder wollen sich nicht äußern

All das hätten Wenke Marschke und ihre Mitstreiter, auch die der Schule „Am Mühlenberg“ in Hamersleben, „gern mal in einem konstruktiven Dialog mit dem Landkreis erörtert“. Doch man wolle die Elternschaft offenbar erst anhören, wenn laut Aussage von Iris Herzig „ein fertiges Konzept“ vorliege. Die meisten Lehrer übrigens sind der Meinung der Eltern – sie dürfen oder wollen sie nur nicht öffentlich äußern, erst recht nicht der Presse gegenüber.