Neindorf l Thomas Roßbach zeigt in die Höhe. „Sehen Sie diesen Baum? Wie er sich neigt? Der muss auch noch raus. Diese Gefahrenquelle gerade an der Zufahrt zum Hohen Holz muss unbedingt beseitigt werden“, erklärt der Leiter des Betreuungsforstamtes Flechtlingen. Viele Nachbarbäume hat es in diesem privaten Waldgebiet „erwischt“. Von Wald könne wohl nicht mehr die Rede sein. Ein Bild der Verwüstung, das Gros der Pappelbäume ist umgestürzt. In dieses Chaos von umgestürzten Bäumen Ordnung zu bringen, das kann noch dauern.

Vorbei an Hubertushöhe geht es weiter in den Kommunalwald, der vom Forstamt betreut wird. Wir machen Halt an einem Lärchenbestand. Die 70 bis 80 Jahre alten Bäume hat es umgeweht wie Streichhölzer. Der aufgeweichte und nasse Boden sorgte dafür, dass die stürmische Friederike ein leichtes Spiel hatte. Mitarbeiter einer Forstfirma haben begonnen, die Bäume zu entästen, zu zersägen.

Mit schwerer Technik werden sie dann aus dem Waldbestand gezogen. „Diese Arbeiten sind kreuzgefährlich. Die Bäume liegen wie beim Mikado übereinander. Wird ein Stamm herausgenommen, weiß man nie, wie der Stamm darunter oder daneben reagiert, unter welcher Spannung er steht“, erklärt Thomas Roßbach.

Bilder

Gewinn ist zunichte gemacht

Er bittet auch um Verständnis dafür, dass Wege von der schweren Technik kaputt gefahren werden. Betroffen seien vor allem die Erdwege, die nicht gefroren sind und auf denen somit die Schlepper tiefe Spuren hinterlassen. Selbstverständlich würden die Wege wieder hergerichtet, sobald sie abgetrocknet sind und das Holz aus dem Wald gebracht ist.

Im besagten Lärchenbestand vergrößert sich der Schaden, weil unterhalb der Nadelbäume junge Buchen angepflanzt und bereits gut gediehen waren, nun aber Schaden wegen der entwurzelten Lärchen genommen haben. „Auf diesem Bestand waren wir gerade aus den Kosten raus, die die Pflege des Bestandes verursacht hatte. Jetzt hätten die Bäume ‚ins Geld‘ wachsen können. Den Gewinn hat Friederike zunichte gemacht“, meint Roßbach.

Aufräumarbeiten gefährlich

Ihn treibt ein weiteres Problem um. Noch im Februar oder Anfang März beginnt der Lärchenborkenkäfer zu fliegen. Er könnte damit zur nächsten Gefahr für den Wald werden. Spezielle Fallen sollen eingesetzt werden, um ihn zu bekämpfen. Zudem müsse so viel Holz wie möglich aus dem Areal geschafft sein.

Thomas Roßbach spricht von 4500 Festmetern Schadholz im Revier Börde. Der wirtschaftliche Schaden vergrößert sich allein mit der Tatsache, dass die schadhaften Stämme oftmals nur noch als Industrieholz verkauft werden können. Der Forstamtsleiter zeigt dabei auf einen Holzstapel.

4500 Festmeter Schadholz

„Die Stämme sind relativ kurz geschnitten, daraus können keine langen Bretter mehr schnitten werden, also geht das Holz in die Industrie, kann vielleicht noch zu Spanplatten oder Zellstoff verarbeitet werden“, erklärt er. Aktuell sei eine regelrechte Holzschwämme entstanden. Und damit könnten die Holzpreise in den Keller gehen und den Waldbesitzern entsteht weiterer Schaden.

Zwei Jahre, so schätzt Thomas Roßbach ein, werde das Betreuungsforstamt Flechtingen, zu dem unter anderen Waldflächen eben die bei Flechtingen und Hörsingen, bei Haldensleben, im Huy bei Dingelstedt, im Fallstein und im Hohen Holz bei Neindorf gehören, brauchen, um die Sturmschäden zu beseitigen. Dazu gehören nach dem Beräumen der Stämme auch die Bodenvorarbeiten, ehe wieder aufgeforstet werden kann.

Wer aktuell im Hohen Holz unterwegs ist, sollte dies mit offenen Augen und mit viel Obacht tun. An vielen Stellen könnten noch lose Äste in den Baumwimpfeln hängen.