Oschersleben l Sie gelten als pflegeleicht, sind aber vor allem eines: schädlich für die Tierwelt – die so genannten Schottergärten. Baden-Württemberg hat sie per Gesetz aus der Landschaft verbannt. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass Schottergärten im Interesse des Artenschutzes und der Artenvielfalt vermieden werden sollen. Schottergärten - im Internet gelten sie auch als „Gärten des Grauens“ - seien im Südwesten nicht zulässig, heißt es im Umweltministerium des Landes. Sie seien aber in Mode gekommen, da sie als pflegeleicht gälten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte Stein- und Kiesgärten vor etwa einem Jahr als „fürchterlich“ bezeichnet. Kritiker bemängeln, dass diese Form der Gartengestaltung zur Aufheizung der Städte führt und die Artenvielfalt gefährdet, weil Insekten und Kleinstlebewesen in den Steinwüsten keine Nahrung mehr finden. In der Verwaltung der Stadt Oschersleben sind solche Schottergärten schon länger ein Thema.

„Wir haben noch nichts festgelegt“, sagt Doreen Apel, Sachgebietsleiterin in der Planungsabteilung. Momentan würden in die Bauleitplanungen, die derzeit im Verfahren sind, Regelungen über die Gestaltung der Vorgärten aufgenommen. Das bedeutet, dass der zukünftige Bauherr seinen Vorgarten grün zu gestalten hat. Auch die Nutzung des Vorgartens als Parkfläche sei dann nicht erlaubt. Es sei auch aufgefallen, dass die Schottergärten in den aktuellen Eigenheimsiedlungen der Stadt mehr und mehr zum Trend werden.

„Gärten des Grauens“ nennt Autor und Biologe Ulf Soltau die meist grauen Flächen. Auf seiner gleichnamigen Facebookseite sammelt der Wahl-Berliner seit 2017 Fotobeweise aus der ganzen Republik. Tausende sind es, meist trist grau oder weiß, manchmal aber auch mit bunten Steinen versetzt, Mustern, Figuren, sogar alten Autos.

Gemein ist ihnen allen aber eins: Wirkliches Grün ist praktisch nicht zu sehen. Hier und da ein vereinsamtes Bäumchen, mehr nicht. Doch auch, wenn Soltau sich in den Beschreibungen gerne lustig über die „Augenweiden“ macht, sind es weniger die ästhetischen Gründe, die aus seiner Sicht gegen solche Vorgärten sprechen. Flächen werden so versiegelt, klagt er. Das Mikroklima leide. „Solche Gärten bringen keine Ökoleistung mehr. Natur wird zerstört.“ Oder, wie sich Soltau einmal in einem Interview ausdrückte: Schottergärten seien die „Negation dessen, was wir als Garten begreifen“.

Mittlerweile, so schätzt er, sind 15 Prozent der Vorgärten geschottert. Eine ganze Industrie lebe davon, sagt er. Denn Schotter sei eigentlich ein Abfallprodukt. Und die Entsorgung sei auch schwierig für die Gartenbesitzer. Naturschutzverbände hatten immer wieder Schottergärten kritisiert, die zum Beispiel bienenunfreundlich seien.

Doch können die bereits bestehenden Schottervorgärten in der Stadt verboten werden? Dazu hat Doreen Apel eine klare Antwort: „Bestehende Schottergärten können nicht verboten werden“. Dazu müsste eine Vorgartensatzung erstellt werden, in der steht, wie die Vorgärten in den Straßen zu erhalten sind. Man wolle sich vorsichtig an die Schottergärten herantasten. So wird sich laut Doreen Apel im Hinblick auf den Klimaschutz Gedanken gemacht.