Landkreis Börde

Germania bekommt alte Schönheit zurück

Spenden und Fördermittel helfen bei der Sanierung des bekannten Denkmals in Gröningen.

Von Yvonne Heyer

Gröningen l Unzählige Postkarten wurden mit dem Motiv der Germania von Gröningen aus in die Welt geschickt. Das macht der Blick in die Geschichtsbücher der Bodestadt deutlich. In den letzten Jahrzehnten ist es eher ruhig um das Werk des Bildhauers Calandrelli geworden. Vor allem aber zeigt sich, dass der Zahn der Zeit doch gewaltig am Denkmal genagt hat und eine Sanierung unbedingt angestrebt werden muss. Nur so könne auch für nachfolgende Generationen die Statue erhalten werden.

Obere und untere Denkmalschutzbehörde haben bereits einen prüfenden Blick auf die Germania geworfen und sind sich einig: In einem kritischen Zustand befinden sich vor allem die Stufen des Sockels und damit sei die Standfestigkeit des Denkmals gefährdet. Teile der Stufen sind bereits Teile herausgebrochen, es müsse zeitnah gehandelt werden.

Was auch passiert. Die Stadt Gröningen kann nach Sicherung der Finanzierung noch in diesem Jahr die Sanierung des Denkmals starten. Ein erster Grundstock war die Spende eines Gröninger Unternehmers in Höhe von 5000 Euro, weitere 5000 Euro kommen aus der Gröninger Bürgerstiftung. Zudem wurde ein Antrag auf Fördermittel aus dem europäischen Programm Leader über den Landkreis Börde in Höhe von 10.000 Euro gestellt. Insgesamt würden somit für die Sanierung der Germania 20.000 Euro zur Verfügung stehen.

Der Kreisausschuss wird in seiner heutigen Sitzung über die Vergabe der Leader-Fördermittel entscheiden.

Im Antrag Verbandsgemeinde Westliche Börde zur Förderung der Sanierung der Germania Skulptur heißt es, dass das Denkmal seit nunmehr 149 Jahren der Witterung ausgesetzt und damit bereits stark beschädigt ist. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, um dieses Kulturgut auch für zukünftige Generationen zu sichern. Das Denkmal dient der Profilierung der gesamten Region als Tourismusstandort und schafft ein nachhaltiges Regionalbewusstsein in der Bevölkerung. Zusätzlich trägt es dazu bei, Ankünfte und Bekanntheit zu steigern“, heißt es weiter im Antrag. Dem ist auch ein Finanzierungsplan beigefügt sowie die Befürwortung des Projektes durch die Mitgliederversammlung der Lokalen Aktionsgruppe Börde.

Gemäß der Richtlinie zur Leader-Projektförderung des Landkreises sind Projekte förderfähig, wenn sie sich auf die Lokale Entwicklungsstrategie (LES) beziehen und im kreislichen Interesse liegen. Das Projekt „Sanierung Germania“ verfolgt Ziele, die dem Handlungsfeld 1: „ErLebenswerte Börde“ zuzuordnen sind. Das Projekt liege zudem im besonderen Interesse des Landkreises, weil es auf die Stärkung der kulturellen und touristischen Entwicklung, der Vernetzung und Vermarktung des kulturellen und landschaftlichen Erbes und dem Erhalt von baulichen Anlagen dient.

Aus den Sitzungsunterlagen der heutigen Kreisausschusssitzung geht darüber hinaus hervor, dass für das Jahr 2021 dem Landkreis Börde Fördermittel von 100.000 Euro zur Verfügung stehen. Aus diesem Fördertopf wurden bisher keine Projekte gebunden.

Somit stehen zum heutigen Zeitpunkt also noch die vollen 100.000 Euro zur Verfügung. Zehn Anträge auf Förderung liegen der heutigen Sitzung vor, die Mittel in Höhe von 84.334,91 Euro binden werden.

Zurück nach Gröningen: Dort steht die „Friedensstifterin“ Germania seit 1872 vor dem Brückentorhaus, welches einst zur Gröninger Schlossanlage gehörte, und direkt neben der St. Martini Kirche.

Das Denkmal besteht aus der Germania Figur und einem Sockel. In diesen sind Tafeln integriert, in die die Namen der Gefallenen eingraviert sind. Die Tafeln sind stark verwittert, kaum noch lesbar.

Verbandsgemeindebürgermeister Fabian Stankewitz geht davon aus, dass sechs bis acht Wochen gebraucht werden, um die Sanierung der Germania von einer Fachfirma vornehmen zu lassen. „Die Germania soll wieder zum bekannten Postkartenmotiv werden“, meint der Bürgermeister der Verbandsgemeinde. Er hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Gemeinde und damit auch die Stadt Gröningen touristisch bekannter zu machen. Da gehört die Germania einfach dazu.

Erst recht, da das Denkmal mit dem Jahr 2022 dem 150. Geburtstag entgegen sieht. Vielleicht sind ja bis dahin auch noch einige offene Fragen geklärt. Es wäre schon spannend zu erfahren, wie die Stadt Gröningen und der bekannte Bildhauer Calandrelli zusammen gekommen sind. Wie konnte sich die Stadt Gröningen seinerzeit dieses Projekt leisten? Wer hat es finanziert? Gab es einen besonderen Gönner?

Das wären doch Neuigkeiten, die bei einem Altstadtrundgang durch das alte Gröningen interessierten Bürgern der Stadt und Touristen erzählt werden könnten.